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IKT-Gründungen - darauf kommt es an

Ob Apps fürs Smartphone, multimediale Games oder branchenspezifische IT-Lösungen: Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) boomen. Ein eigenes Start-up in der Branche zu gründen, liegt daher im Trend. Die einen haben dabei ein umsatzstarkes international agierendes Unternehmen vor Augen, die anderen wollen nur eine Idee umsetzen und sich neben Studium oder Job etwas dazu verdienen. Je nach Idee und Geschäftsmodell bietet die berufliche Selbständigkeit in der IKT-Branche jede Menge verschiedener Möglichkeiten. Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfen, einen Fehlstart zu vermeiden.

Kunden und Markt im Blick behalten

Gerade bei technologischen Neuentwicklungen tüfteln Gründerinnen und Gründer gerne bis ins kleinste Detail an ihrem Produkt. Aus dem Blickfeld geraten dabei oft die wichtigsten Eckpunkte einer Geschäftsidee: die Kunden, der Kundennutzen, Markt und Wettbewerb, Alleinstellungsmerkmale, Marketing, Vertrieb usw. Was nützt das beste Produkt, wenn nicht klar ist, ob es dafür überhaupt Kunden gibt und über welche Vertriebskanäle es verkauft werden soll? Für das Gründungsteam bedeutet das: An Bord sollte so früh wie möglich mindestens ein kaufmännisch und unternehmerisch erfahrenes Gründungsmitglied sein, das maßgeblich an der Ausarbeitung des Businessplans beteiligt ist. Aber auch die „ITler“ im Gründungsteam sollten sich mit dem kleinen unternehmerischen ABC vertraut machen. Industrie- und Handelskammern, regionale Gründungsinitiativen und einige Hochschulen bieten dazu Veranstaltungen an.

Schnell und flexibel reagieren

In kaum einer anderen Branche entstehen innerhalb kürzester Zeit so viele neue Anwendungen, Dienstleistungen oder auch Kundenwünsche wie in der IKT-Branche. Gründerinnen und Gründer müssen daher ihre Geschäftsidee nicht nur schnell umsetzen: Sie müssen auch nach der Gründung in der Lage sein, frühzeitig Trends zu erkennen und kontinuierlich neue, innovative Ideen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, um auch weiterhin in ihrer Sparte „die Nase vorn“ zu haben. Gerät das junge Unternehmen in die Situation, auf Marktänderungen nur mehr zu reagieren statt aktiv zu agieren, ist der Wettbewerb meist schon verloren.

Aufs Wesentliche konzentrieren

In dem Glauben damit auf Nummer sicher zu gehen, halten sich Gründerinnen und Gründer gern alle Möglichkeiten offenhalten. Anstatt eine Geschäftsidee richtig umzusetzen, wird an zehn verschiedenen „Baustellen“ gearbeitet. Das bindet nicht nur wichtige finanzielle und personelle Ressourcen, sondern irritiert auch Kapitalgeber und Geschäftspartner. Konzentrieren Sie sich daher auf die Umsetzung einer Idee und bauen Sie Ihr Geschäftsmodell und Ihre Kompetenzen schrittweise aus.

Starke Partner suchen

Um den Fuß in den Markt zu bekommen, benötigen Gründerinnen und Gründer in aller Regel starke Produktions- und/oder Vertriebspartner. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn es bereits große, am Markt etablierte Wettbewerber gibt. Geeignete Partner zu finden, sie mit dem Produkt vertraut zu machen, sie vom Geschäftsmodell und von der Kompetenz des Gründungsteams zu überzeugen, braucht allerdings Zeit. Mit der Suche sollte daher am besten schon während der Produktentwicklungsphase begonnen werden. Der Besuch von Fachmessen und intensives Networking hilft dabei, geeignete Partner zu finden.

Geeignete Finanzierung nutzen

Die beiden wichtigsten Fragen, mit denen jede Finanzplanung beginnt, sind: Erstens, wie hoch ist unser Kapitalbedarf? Und zweitens, welche Finanzierung ist geeignet, um diesen Kapitalbedarf zu decken? Beim Kapitalbedarf geht es nicht nur um die Höhe der Investitionen, die das Gründungsvorhaben zum Laufen bringen sollen. Berücksichtigt werden muss auch, wie lange es voraussichtlich dauern wird, bis das  Produkt tatsächlich verkauft und bezahlt wird. Vom ersten Kundenkontakt bis zur bezahlten Rechnung könne durchaus mehrere Monate vergehen. Diese Durststrecke muss kalkuliert und finanziell überbrückt werden. Eingeplant werden müssen auch finanzielle Mittel für die Weiterentwicklung des Produkts und ggf. weitere Geschäftsmodelle. Oberstes Ziel jeder Finanzplanung muss die Sicherung der Zahlungsfähigkeit bzw. Liquidität des Unternehmens sein.

Je nach Vorhaben kann es sich bei der geeigneten Finanzierung um eigene Mittel, um Förderdarlehen, Beteiligungen durch Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften handeln. Auch Crowdfunding-Plattformen kommen in Frage. Feststeht: Ohne sorgfältige Recherchen und intensive Beratungsgespräche wird sich die Frage nach einer geeigneten Finanzierung kaum beantworten lassen.

Schutzrechte ggf. beantragen

Ein Schutzrecht bietet Ihnen die alleinige Verfügungsgewalt z.B. über ein Produkt für einen festgelegten Zeitraum. Damit können Sie sich einen Wettbewerbsvorteil sichern, indem Wettbewerber daran gehindert werden, dasselbe Produkt herzustellen und zu verkaufen. Andererseits entstehen Ihnen auch Kosten durch Anmelde- und Jahresgebühren beim Patentamt und durch das Honorar für einen Patentanwalt. Hinzu kommt der zeitliche Aufwand und die Einhaltung bestimmter bürokratischer Spielregeln. Prüfen Sie, ob möglicherweise eine Geheimhaltung für Ihre Zwecke geeigneter ist. Erkundigen Sie sich auch, wie realistisch die Durchsetzung Ihrer Schutzrechts in Ihrem Zielmarkt ist.

In jedem Fall: Beratung

Informationsdefizite gehören zu den häufigsten Ursachen für das frühzeitige Aus junger Unternehmen. Intensive Beratungsgespräche und Informationsrecherchen sind daher erste „Gründerpflicht“. Wenden Sie sich zunächst an Ihre regionale Gründungsinitiative oder Industrie- und Handelskammer. Anlaufstellen für Gründerinnen und Gründer an Hochschulen, die eine EXIST-Förderung beantragen möchten, sind die regionalen Gründungsnetzwerke (siehe www.exist.de). Die Mitarbeiter helfen nicht nur bei der Antragstellung, sondern unterstützen Sie auch bei Ihren Gründungsvorbereitungen.

Nehmen Sie außerdem Kontakt zu anderen Gründern auf. Der Kontakt kommt i.d.R. über die Gründungsinitiativen und -netzwerke zustande. Andere Gründerinnen und Gründer können Ihnen auch geeignete honorarpflichtige Unternehmensberater und Coaches sowie Steuerberater, Rechtsanwälte und Notare empfehlen. Darüber hinaus bieten die Beraterverbände, die KfW-Bankengruppe oder auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Datenbanken im Internet an. Bauen Sie sich Ihr eigenes Beraternetzwerk auf, Sie werden auch nach Ihrer Gründung immer wieder darauf zurückgreifen. Nutzen Sie öffentliche Förderprogramme, um die Kosten für Ihre Beratung zu reduzieren. Vor der Gründung bieten die Bundesländer entsprechende Programme an. Nach der Gründung können Sie das KfW-Gründercoaching in Anspruch nehmen.

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