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Interview mit Prof. Dr. Christine Volkmann

Foto von Prof. Dr. Christine Volkmann
Bild: Bergische Universität Wuppertal

KURZINFO

Prof. Dr. Christine Volkmann
Lehrstuhl für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung & UNESCO-Lehrstuhl für Entrepreneurship und Interkulturelles Management an der Bergischen Universität Wuppertal


„Das Geschäftsmodell – Voraussetzung für unternehmerisches Wachstum“

Prof. Dr. Christine Volkmann leitet den Lehrstuhl für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung & UNESCO-Lehrstuhl für Entrepreneurship und Interkulturelles Management an der Bergischen Universität Wuppertal. Sie ist in nationale und internationale Entrepreneurship-Netzwerke eingebunden und war bis 2009 Präsidiumsmitglied der wissenschaftlichen Gesellschaft FGF "Förderkreis Gründungsforschung e.V."

Frau Professor Volkmann, wie sollte sich Ihrer Ansicht nach ein junges Unter-nehmen idealerweise entwickeln?

Prof. Dr. Volkmann: Wichtige Voraussetzungen für den nachhaltigen unternehmerischen Erfolg sind Qualität, eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur, ein exzellenter Vertrieb und – sofern geplant ist, dass das Unternehmen wachsen soll – ein skalierbares und mit Blick auf die Kunden verständliches Geschäftsmodell, das den Weg für ein erfolgreiches Unternehmenswachstum bereitet.

Viele Gründerinnen und Gründer sind davon überzeugt, dass sich ihr Produkt oder ihre Dienstleistung auf Dauer von alleine verkauft. Sie achten weder auf die Anregungen oder Kritik ihrer Kunden noch machen sie sich darüber Gedanken, wie sie ihr Angebot kontinuierlich verbessern können. Das kreative Nachdenken darüber, welche verschiedenen Möglichkeiten existieren, um ein Produkt nicht nur einer Zielgruppe, sondern unterschiedlichen Zielgruppen auf verschiedenen Märkten zu verkaufen, ist oftmals noch zu wenig ausgeprägt.

Weiterhin ist es notwendig, dass die jungen Unternehmen flexibel auf sich verändernden Kundenbedürfnisse zu reagieren und kontinuierlich ihr Geschäftsmodelle verbessern und neu entwickeln. Vor allem innovative Unternehmen, die dies nicht berücksichtigen, laufen Gefahr nach einem ersten Innovationsvorsprung schnell hinter ihre Wettbewerber zurückzufallen.

Ist jeder Gründer eigentlich automatisch auch zum Unternehmer geboren?

Prof. Dr. Volkmann: Nicht unbedingt. Es gibt innovative Unternehmerinnen und Unternehmer, die immer wieder neue Geschäftsideen entwickeln und ihre Unternehmen bis zu einer bestimmten Phase am Markt einführen. Aber sobald es um das Management des Wachstums geht, verkaufen sie. Diese sogenannten Seriengründer bzw. „Serial Entrepreneurs“ sagen: „Ich bin kreativ, ich entdecke oder schaffe unternehmerische Gelegenheiten und zeige, dass sie am Markt Erfolg haben. Aber ich bin kein Manager, der delegieren und verwalten möchte. Also verkaufe ich und gründe ein neues Unternehmen.“ Auch gibt es Gründer, die kein Unternehmenswachstum anstreben. Das ist durchaus legitim. Entscheidend ist nur, dass jeder wissen muss, zu welchem Unternehmertyp er gehört, anderenfalls gefährdet er das Wachstum oder sogar die Existenz seines Unternehmens.

Das Budget sollte nach den strategischen Möglichkeiten des Geschäftsmodells ausgerichtet sein.

Und welche Rolle spielt die Finanzierung?

Prof. Dr. Volkmann: Diese Frage steht immer im Vordergrund, weil sie die Grundlage für strategische Entscheidungen ist. Als Unternehmerin kann ich mein Geschäftsmodell entweder meinem finanziellen Budget anpassen oder ich passe das Budget dem Geschäftsmodell an. Daraus ergeben sich zwei ganz verschiedene Unternehmensentwicklungen. Wenn ich mein junges Unternehmen vor allem durch die Gewinne, die ich am Markt erwirtschafte, finanziere, hat das den Vorteil, dass das Unternehmen nicht dem Einfluss von Eigen- oder Fremdkapitalgebern ausgesetzt ist. Andererseits werde ich dabei hinsichtlich der Ausweitung und Weiterentwicklung meines Geschäftsmodells keine großen Sprünge machen können. Zumindest wird alles etwas langsamer verlaufen. Das muss nicht unbedingt von Nachteil sein.

Ein Unternehmen, das allerdings besonders innovativ ist und über ein hohes Wachstumspotenzial verfügt, sollte sein Budget nach den strategischen Möglichkeiten des Geschäftsmodells ausrichten. Für diese Unternehmen kommt dann eher Beteiligungskapital von Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften in Frage. Je höher allerdings der externe Finanzierungsanteil ist, umso größer ist auch die Gefahr einer Abhängigkeit von den Kapitalgebern, sei es von Business Angels oder Beteiligungsgesellschaften, die Anteile am Unternehmen erhalten oder von Kreditinstituten, denen in der Regel Sicherheiten für die Fremdkapitalfinanzierung gewährt werden.

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