Energieberatung

Insgesamt bietet die Energiewende für die Beratungs- bzw. Dienstleistungsbranche viel Spielraum für Geschäftsideen:

Mit zahlreichen Neugründungen bei den Energieberaterinnen und -beratern rechnet Dr. Sebastian Bolay, Energieexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Energieberatungen müssen dabei ein weites Spektrum abdecken: Energieeffizienz, Eigenerzeugung, Energiemanagement, Energieaudits sind nur einige der Themen, die vor allem für Unternehmen und Kommunen an Bedeutung gewinnen. Dabei hätten Einzelkämpfer, insbesondere wenn es um die Beratung von Unternehmen und Kommunen geht, wenig Chancen, sagt Bolay. „Auftraggeber erwarten nicht nur spezifische technologieorientierte Lösungen, sondern auch Antworten auf umwelt- oder baurechtliche Fragen. Hinzu kommen Fragen zur Finanzierung und Förderung. Gefragt sind daher interdisziplinäre Teams, die idealerweise aus Ingenieuren, Juristen und Betriebswirten bestehen.“

Entscheidend: Qualifikation

Schon jetzt nimmt die Zahl selbständiger Energieberater stetig zu. Allerdings tummeln sich darunter viele, die für ihre Aufgaben kaum qualifiziert seien, so Klaus-Dieter Hocke: „Die Berufsbezeichnung ‚Energieberater‘ ist bislang nicht geschützt, so dass sich beispielsweise viele Gründerinnen und Gründer in Schnelllehrgängen ‚ausbilden‘ lassen, um sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig zu machen. Den anspruchsvollen Aufgaben einer Energieberatung sind sie damit aber keinesfalls gewachsen.“ Umso wichtiger sei es daher, dass Beraterinnen und Berater nachweislich qualifiziert seien und einen geeigneten akademischen oder handwerklichen Hintergrund vorweisen könnten. Und: „Wer sich als Berater zum Beispiel ‚nach KfW‘ oder als Energieberater TGA des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zertifizieren lässt, hat gute Chancen, sich auf dem Markt zu etablieren“, ergänzt Sebastian Bolay.

Beraterdatenbank

Um die Qualität der Energieberatung bei Bau- und Sanierungsvorhaben zu verbessern, stellen das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) sowie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die KfW Bankengruppe eine Beraterliste im Internet zur Verfügung, die bei der Deutschen Energie- Agentur (dena) geführt wird. Darin eingetragen sind Expertinnen und Experten, die Beratung auf dem Gebiet der Energieeinsparung, der energetischen Fachplanung sowie Baubegleitung anbieten. Sie sind u.a. im Rahmen des Förderprogramms „Vor-Ort-Beratung“ des BAFA sowie der Planung und Baubegleitung für KfW-Effizienzhäuser 40 und 55 tätig. Für Beraterinnen und Berater, die die erforderlichen Qualifikationen nachweisen können und alle zwei Jahre an einer Weiterbildung teilnehmen sowie ihre Beratungsergebnisse stichprobenweise prüfen lassen, ist die bundesweite Datenbank ein hilfreiches Akquiseinstrument: Es bringt nicht nur Angebot und Nachfrage zusammen, sondern trennt zudem in der Beraterszene die Spreu vom Weizen.

Dienstleistungsintensität auf den Märkten für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz

Nachhaltige Mobilität 46% Dienstleistungen bei einen Marktvolumen von 46 Mrd. Euro

Nachhaltige Wasserwirtschaft 49% Dienstleistungen bei einen Marktvolumen von 43 Mrd. Euro

Energieeffizienz 50% Dienstleistungen bei einen Marktvolumen von 93 Mrd. Euro

Umweltfreundliche Energien und Energiespeicherung 55% Dienstleistungen bei einen Marktvolumen von 64 Mrd. Euro

Rohstoff-und Materialeffizienz 57% Dienstleistungen bei einen Marktvolumen von 19 Mrd. Euro

Kreislaufwirtschaft 77% Dienstleistungen bei einen Marktvolumen von 16 Mrd. Euro

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Legende
Blau = Dienstleistungen (industriebezogene, unternehmensbezogene, originäre Dienstleistungen, z.B. Projektentwicklung)
Grau = Produktion und Anlagenbau
Quelle: Roland Berger in: GreenTech made in Germany 3.0. Umwelttechnologie-Atlas für Deutschland. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Berlin 2012

Nicht nur Energieberatung

Insgesamt bietet die Energiewende für die Beratungs- bzw. Dienstleistungsbranche aber noch weiteren Raum für Geschäftsideen: Für die zunehmende Zahl der Stadtwerke und Verwerter von Biomasse, die ihren Strom auf dem Markt anbieten, stellt Klaus-Dieter Hocke von KIC beispielsweise einen zunehmenden Bedarf an Dienstleistern fest, die die Angebote der kommunalen Energieerzeuger und Abfallverwerter koordinieren und dabei Vertrieb und Marketing übernehmen.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld bietet der Export. Schon jetzt gilt Deutschland international als Schlüsselmarkt für Energiefragen. Zusammen mit Japan gehört es international zur Spitze beim Thema Energieeffizienz. Und in der weltweiten Windindustrie sind deutsche Unternehmen Technologieführer. Um sich erfolgreich auf internationalen Märkten zu positionieren, erhalten deutsche Unternehmen Hilfestellung durch die Exportinitiative Energieeffizienz und die Exportinitiative Erneuerbare Energien des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Sie unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, auf Auslandsmärkten Fuß zu fassen. Dabei lässt dieses umfangreiche staatliche Serviceangebot jede Menge Raum für unternehmerische Initiative. So fehlt vielen kleinen und mittleren Unternehmen ein konzertiertes Auftreten im Ausland, beispielsweise in den Mittelmeeranrainerstaaten. Dort ist man an deutschem Know-how sehr interessiert. Was die Unternehmen hierzulande daher vermissen, sind Projektentwickler, die mit der Branche und den Gepflogenheiten im Zielland vertraut sind und ihre Dienstleistungen für den Export deutscher Technologien anbieten, weiß man bei KIC InnoEnergy.

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