Handwerk

Für Handwerksbetriebe bietet die Energiewende die Chance, ihr Geschäftsfeld zu erweitern.

Ob Photovoltaik-, Biogas- oder Windkraftanlagen: Die Energieversorgung der Zukunft wird überwiegend dezentral sein und in einer Vielzahl unterschiedlicher Anlagen erzeugt. Jede dieser Anlagen muss gewartet und Instand gehalten werden. Das gilt auch für die Übergabestellen im Stromnetz. Dort wird der Strom von den Erzeugern ins Netz eingespeist. Auf Grund der steigenden Zahl dezentraler Energieerzeuger wird vor allem auch ihre Zahl zunehmen. „Das bedeutet: Insbesondere für das Elektrohandwerk ergeben sich hier zusätzliche und neue Geschäftsfelder“, sagt Wolfgang Lautner von der Handwerkskammer Oberfranken.

„Die Energiewende bietet den Gründerinnen und Gründern im Handwerk gute Entwicklungsmöglichkeiten.“

Rolf Papenfuß ist Leiter des Referats Unternehmensführung beim ZDH

Energetische Sanierung und Passivhäuser

Ein weiteres neues Geschäftsfeld für das Handwerk ist die fachgerechte energetische Sanierung im Gebäudebereich sowie der Bau und die Wartung von Effizienzhäusern. Die Energieeinsparverordnung für Gebäude (EnEV) hat hier für frischen Wind auf dem Markt gesorgt. „Wer nicht nur handwerklich qualifiziert ist, sondern auch mit den aktuellen technischen Anforderungen und gesetzlichem Regelwerk vertraut ist und sich regelmäßig weiterbildet, hat gute Chancen, sich am Markt zu positionieren. Dabei hilft die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Betrieben“, so Wolfgang Lautner. Hier sind auch dauerhafte Kooperationen in Form von Genossenschaften denkbar, wie das Beispiel der Südthüringer Fachwerk- und Altbausanierungsgenossenschaft eG zeigt. Ihr gehören Architekten, Steuerberater, Juristen, Tischler, Zimmerer, Maler/Putzer, Gerüstbauer, Elektroinstallateure und Fachbetriebe für Sanitär, Heizung und Klima an. Mit ihrer Genossenschaft bieten sie die Erhaltung und nachhaltige Sanierung innerstädtischer Bausubstanz an: aus einer Hand.

Gute Ergänzung: Angebote im Energiebereich

Unter dem Strich eröffnet die Energiewende einer Vielzahl von einzelnen Handwerksbetrieben die Chance, ihr Geschäftsfeld zu erweitern. Dies wird allerdings für die meisten ein Zusatzangebot bleiben und das „klassische“ Gewerk nicht ersetzen, auch wenn die öffentliche Förderung im Energiebereich zunehmen sollte, weiß Walter Pirk vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover (HPI). „Die Installation und Wartung von Photovoltaikanlagen, Brennwerttechnik, Pellet-Heizsystemen oder Wärmepumpen gehören ja jetzt schon zum Standardangebot. Für kreative Köpfe eröffnen sich aber zusätzliche Geschäftschancen zum ‚Brot- und Buttergeschäft‘. Sie bieten damit Innovationen on Top an. Das kann sich auf die Gebäudediagnostik beispielsweise mittels Infrarotkamera beziehen oder die Errichtung von Solartankstellen für Elektromobile.“

Die Ausgestaltung des Geschäftsfeldes hängt dabei nicht zuletzt auch von den regionalen Bedingungen ab. Während in ländlichen Regionen für die Wärmeversorgung eher Anlagen zur Nutzung von Biomasse z. B. von Holzhackschnitzeln stehen, bietet sich in städtischen Regionen der Einsatz gasbetriebener Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung-Technik an. Junge Handwerksbetriebe sollten sich, so Walter Pirk, daher erst einmal ansehen, welchen Bedarf ihre Kunden haben, welches Know-how der Betrieb bieten kann oder welches eventuell fehlt und durch qualifizierte Fachkräfte oder betriebliche Kooperationen ausgeglichen werden kann.“

Gute Karten hat in jedem Fall derjenige, der Referenzanlagen vorweisen kann, wobei man gerade im Bereich der Energieeffizienz und erneuerbaren Energien die schnelle technologische Weiterentwicklung aufmerksam beobachten muss. Hilfreich ist somit eine kontinuierliche Weiterbildung. Die Handwerkskammern bieten hierzu ein breites Qualifizierungsangebot an. Die Qualifikationsnachweise helfen dem Kunden bei der Auswahl des zu beauftragenden Betriebes.

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