Abwärme aus Industrie und Verkehr zur Stromgewinnung nutzen

Interview mit Dr. Andreas Sichert und Dr.-Ing. Andreas Schuster, Mit-Gründer der Orcan Energy GmbH

„Durch die weiteren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten konnten wir zeigen, dass diese Technologie auch bei zum Beispiel Nutzfahrzeugen eingesetzt werden kann, um dort aus Abwärme Strom zu produzieren.“

Den regenerativen Energien gehört die Zukunft. Neue Verfahren sorgen dafür, dass der Anwendungsbereich immer größer und vielfältiger wird. An der Technischen Universität München (TUM) hat das Gründungsteam der Orcan Energy GmbH beispielsweise eine Technologie entwickelt, mit der sich Abwärme aus Industrie und Verkehr noch besser zur Stromgewinnung nutzen lässt. Die drei Gründer Dr.-Ing. Andreas Schuster, Richard Aumann und Dr. Andreas Sichert wurden über EXIST-Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Kurzinfo

Orcan Energy GmbH
Gründer: Dr.-Ing. Andreas Schuster, Richard Aumann, Dr. Andreas Sichert
Gründung: 2008
www.orcan-energy.com

Herr Dr. Schuster, Sie haben gemeinsam mit Ihren Kollegen ein Verfahren entwickelt, um aus Abwärme Strom zu erzeugen. Was ist das Besondere daran?

Dr.-Ing. Schuster: Wir haben ein sogenanntes ORC-Modul entwickelt, das aus Abwärme Strom erzeugt. Hierzu können wir Abwärme aus der Industrie oder dem Straßenverkehr können. Eine weitere Besonderheit besteht in der bislang unerreichten Kompaktheit des Moduls, was Volumen und Gewicht sowie seine Wirtschaftlichkeit betrifft. Man kann sich dieses ORC-Modul, das wir als ePack bezeichnen, wie ein Kraftwerk vorstellen, nur dass es wesentlich kleiner, leichter und günstiger in der Anschaffung ist. Es handelt sich um eine kompakte Box, 180x100x180 Zentimeter. Sie liefert 20 Kilowatt Strom und kann, wenn sie im Dauerbetrieb arbeitet, fast 50 Haushalte versorgen.

Der Nutzen, beispielsweise für die Betreiber von Biogasanlagen, besteht darin, dass ihre Anlage wirtschaftlicher wird und sich eine höhere Rendite erzielen lässt. Durch die weiteren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten konnten wir zeigen, dass diese Technologie auch bei kleinen und nicht konstanten Abwärmequellen wie zum Beispiel Nutzfahrzeugen eingesetzt werden kann, um dort aus Abwärme den notwendigen Strom für Klimaanlagen, Beleuchtung, Antriebe usw. zu produzieren. Damit könnte sich der Treibstoffverbrauch um ca. 10 Prozent senken lassen.

Um dieses ORC-Modul kommerziell zu verwerten, haben Sie im Jahr 2008 die Orcan Energy GmbH gegründet. Wie haben Sie sich auf die Unternehmensgründung vorbereitet?

Dr. Sichert: Das notwendige kaufmännische und unternehmerische Know-how habe ich im Rahmen einer Zusatzausbildung an der Bayerischen EliteAkademie, BEA, durch Vorlesungen an der Technischen Universität München und im Selbststudium erworben. Die Ausbildung an der BEA fand über zwei Jahre hinweg promotionsbegleitend, jeweils in den Semesterferien einen Monat lang statt. Angeboten wurden Seminare zu Themen wie Wirtschaftlichkeit, Personalführung oder soziale und interkulturelle Kompetenzen. Mit diesem zusätzlichen Know-how haben wir dann mit Unterstützung durch drei weitere BEA-Kolleginnen und -Kollegen im Rahmen der an der BEA zu absolvierenden Projektarbeit einen ersten Businessplan erarbeitet und anschließend erfolgreich beim Münchener Business Plan Wettbewerb teilgenommen. Außerdem haben wir uns am Weconomy-Gründerwettbewerb von Wissensfabrik und Handelsblatt beteiligt. Das alles hat in der spielerischen Vorbereitungsphase dazu beigetragen, dass wir Feedback bekommen haben und die Idee wie auch das Team reifen konnte bis im Herbst 2008 der Entschluss feststand, ein Unternehmen zu gründen.

Wie gehen Sie auf potenzielle Kunden und Investoren zu?

Dr. Sichert: Man muss die Leute für seine Idee, für seine Technologie und für sein Vorhaben begeistern. Das geht schon bei den Mitarbeitern los: Wir konnten durch die Verbindung zur Technischen Universität München früh Studenten für unser Projekt einsetzen und auch Diplomarbeiten mit einbeziehen. Dabei haben wir eine große Begeisterung im ganzen Team erlebt.

Bei den Kunden war es anfangs schwieriger: Warum sollten etablierte große Unternehmen mit uns sprechen, wo wir nur drei „einfache“ Gründer waren? Warum sollten Zulieferer mit uns zusammenarbeiten? Warum sollten sie einen Markt hinter der Idee sehen? Wir haben uns also erst einmal grundlegend solide aufgestellt: Welche Kunden wie beispielsweise Betreiber oder Hersteller von Biogasanlagen gibt es am Markt? Welche sind innovativ? Welche sind groß genug, um Absatzpotenzial zu bieten? Welche haben eventuell schon in irgendeiner Art und Weise bereits Erfahrungen mit ORC-Technologie gemacht? Um diese Fragen zu beantworten war eine intensive Recherche notwendig. Im Ergebnis gab es sehr viele Kunden, die sich für unsere neuartige ORC-Technologie interessiert haben. Mit diesem hohen Nachfragepotenzial konnten wir natürlich gut auf potenzielle Investoren und Zulieferer zugehen und Zulieferer zugehen sowie erste kommerzielle ePacks erfolgreich im Markt umsetzen.

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Bild: Orcan Energy GmbH

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