Inhalt
Artikel Bild

Technologieorientierte Gründungen

Wer auf dem Energiemarkt erfolgreich einsteigen möchte, muss ein Produkt haben, dass von Anfang an zuverlässig funktioniert.

Das Gründungsgeschehen im Energiebereich hat inzwischen enorm an Fahrt aufgenommen. „Das liegt nicht nur an den politischen Rahmenbedingungen, sondern auch an den neuen Technologien, die im Bereich der Windenergie, der Photovoltaik, der Werkstoff- und Steuerungstechnologie in den letzten Jahren entwickelt wurden“, so Crispin Leick, Managing Director der Innogy Venture Capital GmbH. Die VC-Gesellschaft beteiligt sich seit fünf Jahren europaweit an innovativen Start-ups, die sich auf dem Energiemarkt etablieren möchten. „Wir haben es heute vor allem mit kleinen innovativen und hochspezialisierten Start-ups zu tun. Da kommen fast täglich so viele neue Ideen, dass wir uns um die Zukunft der Energieversorung keine Sorgen machen müssen.“

Anders als im IT-Bereich haben es die Kapitalgeber hier überwiegend mit Gründerinnen und Gründern zu tun, die bereits 10 bis 15 Jahre Berufserfahrungen gesammelt haben. Viele von ihnen sind bereits seit Jahren in der Forschung tätig und haben auf Grund von Entwicklungen in anderen Forschungsbereichen wie der Werkstofftechnologie den entscheidenden Input für ihr Produkt erhalten. Jetzt starten sie durch.

Märkte wachsen zusammen

Der Trend geht dabei zu erneuerbaren Energien und dezentralen Anlagen. Auch Energieeffizienz- und Elektromobilität spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Die Kombination von Batteriebetrieb und Strom aus Photovoltaik sei dabei nur eine von vielen innovativen Optionen. Neu sei, so Crispin Leick, dass vormals getrennte Märkte und Technologien immer mehr zusammenwachsen. Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) spielen zum Beispiel in der Energiebranche eine immer wichtigere Rolle, weil Betreiber von Wind- und Solaranlagen auf zuverlässige Wettervorhersagen und daraus resultierende Prognosen zum Stromangebot angewiesen sind. IKT sind aber auch ein wichtiges Instrument, um auf Marktveränderungen zu reagieren. So ist inzwischen der Kunde oftmals nicht mehr nur Verbraucher, sondern auch Erzeuger von Strom, was ganz neue Anforderungen an den Informationsaustausch und das Zusammenspiel von Angebots- und Verbrauchsdaten stelle.

Dr. Alexander von Frankenberg ist Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds

Kooperationen gefragt

Eine besondere Innovations-Herausforderung ist schließlich der Netzausbau. Je mehr Strom aus Windenergie- und Photovoltaikanlagen ins Netz eingespeist wird, desto größer die Anforderungen an die Schaltanlagentechnik, die dafür sorgt, dass die Netze stabil bleiben. Vor allem aber wenn es um die Frage der Einbindung regenerativer Energiequellen ins Stromnetz geht, sind kluge Köpfe gefragt. Eine gute Chance für hoch-spezialisierte Nischengründungen. „Wir wissen, dass die großen Stromerzeuger hier gerne mit kleinen Unternehmen zusammenarbeiten würden, die beispielweise im Bereich der Stromlastprognosen und -verteilung Leistungen anbieten. In Spanien und Schweden gibt es bereits eine Reihe kleiner und mittlerer Unternehmen, die mit den großen Stromversorgern kooperieren. In Deutschland gibt es dagegen in der Beziehung noch Entwicklungspotenzial“, so die Erfahrung von Klaus-Dieter Hocke von KIC InnoEnergy. Auch beim High-Tech Gründerfonds sieht man in der Finanzkraft und Infrastruktur der etablierten Stromversorger eine große Chance für Start-ups. „Junge Unternehmen, die diese Anschubhilfen nutzen, können ihre Entwicklung erheblich beschleunigen“, so Dr. Alex von Frankenberg.

2011: 98 Millionen Euro, 2015: 116 Millionen Euro, 2025: 181 Millionen Euro

Die Nachfrage nach erneuerbaren Energien nimmt stetig zu (Marktprognose in Millionen Euro)

2011: 51.261 Milliarden Euro, 2015: 78.823 Milliarden Euro, 2025: 151.238 Milliarden Euro

Hohe Energiepreise steigern die Nachfrage nach verbesserter Energieeffizienz (Marktprognose in Milliarden Euro)

Mehr anzeigen

Quelle: Roland Berger in: GreenTech made in Germany 3.0. Umwelttechnologie-Atlas für Deutschland. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Berlin 2012

Anforderungen an Gründerinnen und Gründer

Den Ideen sind also kaum Grenzen gesetzt. An die Gründerinnen und Gründer werden allerdings hohe Anforderungen gestellt. So achten Kapitalgeber im Energiebereich mehr noch als in anderen Branchen auf das technologische Know-how der Start-ups. Der Grund ist: Wer auf dem Energiemarkt erfolgreich einsteigen möchte, muss ein Produkt haben, dass von Anfang an zuverlässig funktioniert. „Beta-Versionen von Stromerzeugungsanlagen gibt es auf dem Energiemarkt nicht. Sie hätten auch keine Chance, denn die Auftraggeber erwarten voll funktionsfähige Technologien. Insofern ist der Energiemarkt nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern auch sehr kapitalintensiv, da im Vorfeld vielfache Testreihen unter Beteiligung von Stromversorgern oder Industriepartnern durchgeführt werden müssen, um sicherzustellen, dass der Strom zuverlässig und störungsfrei fließt“, so die Erfahrung von Crispin Leick. Vom Prototypen bis hin zur Marktreife einer Stromerzeugungstechnologie können daher Investitionen von bis zu 50 Mio. Euro anfallen. Die Entwicklungskosten für Anlagen oder Steuerungssoftware im Energieeffizienzbereich seien da mit etwa 5 Millionen Euro geringer.

Ende