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Interview mit Kerstin Khadri, K-Design Großschirme & Windschutz GmbH

„Als Nachfolger ist es wichtig, dass man auch Verständnis für die Situation des Seniors zeigt.“

Als Mediengestalterin hat Kerstin Khadri im Jahr 2004 bei der K-Design Großschirme & Windschutz GmbH angefangen. Nach vier Jahren wurde sie Assistentin der Geschäftsleitung. Heute ist sie Eigentümerin des Geilenkirchener Betriebs und beschäftigt zehn Mitarbeiter.

Bild: Kerstin Khadri, K-Design GmbH

Frau Khadri, wie kam es dazu, dass Sie als Angestellte in die Fußstapfen Ihres Chefs getreten sind?

Khadri: Das war vor fast drei Jahren. Damals fragte mich mein Chef, ob ich den Betrieb übernehmen möchte. Ich war zunächst überrascht, da er eigentlich einen externen Nachfolger gesucht hatte. Aber er meinte, ich hätte das Zeug dazu, denn schließlich war ich als Assistentin der Geschäftsführung mit den Kunden und Geschäftspartnern vertraut, war bei Vertragsabschlüssen dabei und kannte alle Abläufe im Unternehmen. Und weil mir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht hat und ich wusste, dass das Unternehmen gut dasteht und viel Entwicklungspotenzial hat, fiel mir die Entscheidung nicht schwer, so dass ich schnell „Ja“ gesagt habe.

Und dann ging ja alles ziemlich schnell.

Khadri: Ja, wir haben uns mit der Bank und dem Steuerberater des Unternehmens zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, wie wir die Übernahme gestalten können. Für die Festlegung des Kaufpreises hatten wir einen externen Gutachter hinzugezogen, der eine Unternehmensbewertung durchgeführt hat. Nach dem "Go“ der Bank und des Steuerberaters habe ich dann einen Businessplan erstellt und darin meine Pläne zur Neuausrichtung des Unternehmens beschrieben. Damals hatten wir ja vorwiegend Aufträge aus der Hotellerie und Gastronomie. Ich wollte daher zusätzlich Privatkunden im Hochpreissegment ansprechen und habe dazu für meinen Businessplan eine Zielgruppenanalyse durchgeführt und ein Konzept entwickelt, um die Mitarbeiter für die Verkaufsgespräche vorzubereiten. Im Mai 2009 war der Businessplan dann fertig und im August hatte ich die Finanzierungszusage der Bank.

Das hört sich so an, als wenn die Vorbereitungen ganz reibungslos verliefen.

Khadri: So war es auch. Alle: mein damaliger Chef, die Bank, mein Steuerberater und ich haben wunderbar Hand in Hand gearbeitet. Entscheidend war sicherlich, dass mein Chef und ich immer wieder über alles, was die Übernahme betraf, gesprochen haben, vor allem auch über meine Vorstellungen, in welche Richtung sich das Unternehmen weiterentwickeln sollte. In die Gespräche war zum Teil auch seine Familie involviert, die den Plänen sehr positiv gegenüber stand. Seine Kinder waren ja bereits berufstätig und hatten keine Interesse daran, den Betrieb zu übernehmen.

Wie haben Sie die Anlaufphase nach der Übergabe gemeistert?

Khadri: In den ersten Monaten stand mir mein ehemaliger Chef noch mit Rat und Tat zur Seite, worüber ich sehr dankbar war. Das Gefühl, plötzlich für das ganze Unternehmen allein Verantwortung zu tragen, war neu für mich. Daran musste ich mich erst gewöhnen. In der ersten Zeit habe ich mich tatsächlich Tag und Nacht nur mit dem Unternehmen beschäftigt. Irgendwann lernt man dann abzuschalten. Aber auch mein ehemaliger Chef hatte Schwierigkeiten. Es fiel ihm schwer, das Unternehmen loszulassen. Schließlich hatte er das Unternehmen 1980 gegründet und zu einem erfolgreich Betrieb mit acht Mitarbeitern aufgebaut. Da ist es als Nachfolger einfach wichtig, dass man auch Verständnis für die Situation des Seniors zeigt. Wir haben daher auch viel darüber gesprochen, wie er seine Zukunft gestalten kann, indem er zum Beispiel mehr Zeit mit der Familie verbringt oder Hobbys pflegt.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seitdem entwickelt?

Khadri: Sehr gut. Viele der früheren Kunden sind dem Unternehmen treu geblieben. Darüber hinaus konnte ich tatsächlich wie geplant meinen Kundenkreis erweitern. Und aus den anfänglich acht Mitarbeitern sind inzwischen zehn geworden. Was mich auch freut, ist, dass wir im letzten Jahr den "Großen Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung gewonnen haben. Und beim VISIONplus Unternehmerinnenpreis  der Gründerregion Aachen habe ich den 2. Platz belegt. Von daher habe ich den Schritt in die Selbständigkeit nicht bereut.

Ende