Alle Beratungs- und Seminarangebote in Anspruch nehmen.

Interview mit Fred Schulze, Metallbau und Fördertechnik

Foto von Fred Schulze
Bild: Fred Schulze, Metallbau und Fördertechnik

KURZINFO

Metallbau und Fördertechnik
Nachfolger: Fred Schulze
Übernahme: 2008
www.metallbau-foerdertechnik.de


„Ich kann nur jedem empfehlen, vor der Übernahme möglichst viel Zeit in dem Unternehmen zu verbringen.“

Vor fünf Jahren hat Fred Schulze einen Betrieb für Metallbau und Fördertechnik in Berlin übernommen. Inzwischen hat der Maschinenbautechniker sieben fest angestellte und zwei freie Mitarbeiter und „Aufträge ohne Ende“.

Herr Schulze, warum haben Sie sich damals entschieden, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen und nicht ein neues zu gründen?

Schulze: Wenn man sich im Handwerk selbständig macht, braucht man zum Beispiel eine Fertigungshalle und ein Büro. Dazu kommen noch Werkzeug, Material und Ausstattung. Da ist man schnell bei einer Investitionssumme von 50.000 Euro, hat aber noch keinen Auftrag in Sicht. Man muss sich also um Kunden kümmern und Akquise betreiben. Insgesamt kann es daher drei bis vier Monate dauern bis die ersten Aufträge eingehen. In der Zeit hat man aber bereits laufende Kosten, für die man aufkommen muss, ohne dass man einen Euro Umsatz erwirtschaftet. Von daher fand ich es besser, in einen laufenden Betrieb einzusteigen, der mir vom ersten Tag an Kunden und Umsatz bietet.

Wie sind Sie bei der Suche nach einem geeigneten Unternehmen vorgegangen?

Schulze: Ich hatte zuerst in der Internetbörse der Handwerkskammer Berlin nach geeigneten Unternehmen gesucht. Aber die Inhaber hatten zum Teil Preisvorstellungen, die jenseits von Gut und Böse waren. Und dann erhielt ich eines Abends einen Anruf vom damaligen Inhaber meines jetzigen Metallbaubetriebs. Der hatte von der Handwerkskammer erfahren, dass ich ein Unternehmen suchte, und fragte mich, ob ich noch interessiert sei.

Man muss das Unternehmen so ausrichten, dass es am Markt weiterhin bestehen kann.

Und Sie waren noch interessiert?

Schulze: Na klar, für ein Gespräch war ich immer bereit. Also habe ich mir den Betrieb angesehen und mich erst einmal zwei Stunden mit dem Inhaber unterhalten, bis der dann meinte: ‚Jetzt sind wir beide mal fair, nehmen Zettel und Stift und gehen in die Werkstatt. Dort sieht sich jeder von uns die Maschinen, das Werkzeug und das vorhandene Material an und schätzt, was das Wert ist.‘ Als wir anschließend wieder im Büro saßen, stellte sich heraus, dass wir mit unseren Schätzungen nur cirka 3.000 Euro auseinanderlagen. Als er mir dann noch das Wertgutachten der Handwerkskammer zeigte, das fast deckungsgleich mit unseren Preisvorstellungen war, war mir klar, dass ich auf der sicheren Seite stand.

Haben Sie nur die Sachwerte des Betriebs bewertet?

Schulze: Ich habe mir natürlich auch die Bilanzen der letzten Jahre angesehen, um festzustellen, wie das Unternehmen betriebswirtschaftlich dasteht. Außerdem spielten natürlich auch das Alter des Unternehmens, die Auftragslage und die Zahl und Art der Kunden eine Rolle. Nun war es aber so, dass der Inhaber das Unternehmen schon etwas „runtergefahren“ und sogar die Mietverträge für die Räumlichkeiten gekündigt hatte, weil er sich auf jeden Fall zum Ende des Jahres zur Ruhe setzen wollte – ob mit oder ohne Nachfolger. Von daher hatten wir uns darauf geeinigt, dass ich nur die Substanz kaufe, also nur die Sachwerte des Unternehmens bezahle. Die Kundenkontakte habe ich praktisch als Bonus dazu bekommen.

Hatten Sie sich auf die Übernahme im Vorfeld vorbereitet?

Schulze: Mit 48 Jahren war ich ja kein Anfänger mehr. Ich hatte schon etliche Berufsjahre in unterschiedlichen Funktionen hinter mir, zum Beispiel als Niederlassungs- und Vertriebsleiter. Von daher wusste ich, was Maschinen und Geräte in der Branche kosten. Mit den aktuellen Stahlpreisen war ich auch vertraut. Insofern konnte ich den Wert des Unternehmens ganz gut einschätzen. Meine Berufs- und Branchenerfahrung kamen mir dann auch beim Gespräch mit der Bank zugute. Zusammen mit meinem Businessplan waren sie ausschlaggebend dafür, dass ich von der Bürgschaftsbank Berlin eine Ausfallbürgschaft erhielt. Da ich keine Sicherheiten hatte, konnte ich damit die notwendigen Förderkredite beantragen.

Haben Sie vor der Übernahme die Kunden des Unternehmens kennengelernt?

Schulze: Ja, nachdem wir uns einig waren, dass ich den Betrieb übernehmen werde, sind wir zusammen zu den Kunden gefahren, wo mich der Inhaber als seinen Nachfolger vorgestellt hat. Die Gespräche waren für mich natürlich ungeheuer wichtig, weil ich mich als kompetenter Nachfolger präsentieren konnte.

Haben Sie auch Mitarbeiter übernommen?

Schulze: Der Betrieb hatte einen Mitarbeiter in Teilzeit und zwei Subunternehmer. Den Teilzeitmitarbeiter habe ich nach der Übernahme als Vollzeitkraft eingestellt. Leider hat sich sehr schnell herausgestellt, dass das mit uns keinen Zweck hatte, so dass ich mich von ihm trennen musste. Mittlerweile aber habe ich sieben Mitarbeiter. Und die Ausstattung ist auch auf dem neuesten Stand. Das Unternehmen hat sich also gut entwickelt.

Manche Gründer haben die Vorstellung, dass der Betrieb nach einer Unternehmensnachfolge einfach so weiterläuft.

Schulze: Nein, das ist nicht richtig. Man muss das Unternehmen komplett so ausrichten, dass es am Markt weiterhin bestehen kann. Dazu muss man natürlich ein klares Ziel vor Augen haben. Ich wusste damals ziemlich genau, wohin „die Reise gehen sollte“ und habe deshalb die Angebotspalette meines Unternehmens in diese Richtung erweitert und dafür schrittweise Kunden aus dazu passenden Branchen akquiriert.

Welchen Rat würden Sie nachfolgeinteressierten Gründerinnen und Gründern geben?

Schulze: Ich kann nur jedem empfehlen, bereits vor der eigentlichen Übernahme möglichst viel Zeit in dem Unternehmen zu verbringen, selbst wenn man nur im Büro sitzt. Die Gespräche mit dem Inhaber sind einfach unglaublich wichtig. Ich hatte das Glück, dass wir uns sehr gut verstanden haben und ich ihn auch nach der Übernahme bei Problemen jederzeit anrufen konnte. Er kannte ja die Kunden und deren Wünsche viel besser als ich und konnte mir da ganz gute Tipps geben.

Darüber hinaus sollte man alle Beratungs- und Seminarangebote der Handwerkskammer oder Innung in Anspruch nehmen. Egal ob es darum geht, den Unternehmerlohn zu kalkulieren oder einen Liquiditätsplan zu erstellen: Das unternehmerische Handwerkszeug muss man einfach beherrschen.

Ende