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Übergabe gestalten

Wer ein Unternehmen übernimmt, muss praktisch „auf einen fahrenden Zug aufspringen“ und nicht nur sein fachliches, sondern auch sein unternehmerisches Können vom ersten Tag an unter Beweis stellen.

Natürlich kommt es darauf ein, wie der Übertragungsprozess aussieht. Legen Nachfolger und Unternehmer zunächst gemeinsam eine Wegstrecke zurück, so dass der Nachfolger als leitender Angestellter und/oder Teilhaber vom Senior-Unternehmer in alle Belange der Geschäftsführung eingearbeitet wird? In diesem Fall haben alle Beteiligten die Chance zu prüfen, ob Nachfolger und Unternehmen zusammen passen. Oder übernimmt der Nachfolger den Betrieb von einem Tag auf den anderen, ohne dass der Senior-Unternehmer noch Einflussmöglichkeiten hat? Auch diese Variante kann von Vorteil sein. Im Vorfeld sollte daher so offen wie möglich über die Gestaltung der Übergabe mit allen Vor- und Nachteilen gesprochen werden. Und damit ist man schon bei einem entscheidenden Punkt jeder Unternehmensnachfolge: der Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

Kommunikation

Der Erfolg einer Unternehmensnachfolge hängt nicht zuletzt davon ab, ob „die Chemie“ zwischen dem Nachfolger und dem Senior-Unternehmer (und womöglich seiner Familie), den Mitarbeitern, den Kunden und Geschäftspartnern stimmt. Mittelständische Unternehmen sind durch die Persönlichkeit ihres Inhabers geprägt. Es besteht ein enges Vertrauensverhältnis zwischen langjährigen Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Die neue Chefin bzw. der neue Chef muss sich dieses Vertrauen erarbeiten. Ein hohes Maß an Kommunikations- und Einfühlungsvermögen ist daher eine der wichtigsten Voraussetzungen, die eine Nachfolgerin bzw. ein Nachfolger mitbringen sollte.

Unternehmens-Check

Zu einer sorgfältigen Vorbereitung einer Unternehmensnachfolge gehört eine solide Analyse des Unternehmens, seines Ertragspotenzials sowie der Qualität der Mitarbeiter. Der Nachfolger muss sich ein genaues Bild über die Stellung des Unternehmens im Markt, seinen Marktanteil, die Bedeutung der Wettbewerber sowie alle anderen wirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Verhältnisse machen können. Für Nachfolge ist eine solche Analyse kaum zu bewerkstelligen. Sie sollten daher die Hilfestellung der Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern in Anspruch nehmen, die hier einen umfangreichen Service bieten.

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Businessplan

Als Nachfolger setzen Sie sich nicht „ins gemachte Nest“. Im Gegenteil: Ihre Aufgabe ist es, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen und dafür eventuell strategisch neu auszurichten. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich das Unternehmen unter Ihrer Führung weiter entwickeln. Wie bei einer Neugründung ist also auch hier ein detaillierter Businessplan notwendig, der aufbauend auf der Grundlage des bestehenden Unternehmens die zukünftige Entwicklung beschreibt.

Vertragsgestaltung

Die Gestaltung des Unternehmenskaufvertrags oder Pachtvertrags muss sich an der Rechtsform des Unternehmens sowie an steuerlichen und rechtlichen Zielen orientieren. Vor dem Abschluss eines Unternehmenskaufvertrages müssen daher die rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sorgfältig geklärt werden (Due Diligence).

Beratung

Ohne Beratung und fachliche Begleitung sollte keine Unternehmensnachfolge angegangen werden. Vor allem die folgenden Punkte können sonst leicht zu Fallstricken werden:

  • die Gestaltung des Übernahme-Vertrages (Kauf-, Pacht-, Schenkungsvertrag)
  • die gesetzliche Verpflichtung des Nachfolgers zur Übernahme aller Rechte und Pflichten aus bestehenden Arbeitsverhältnissen
  • die gesetzliche Verpflichtung des Nachfolgers zur Übernahme der Haftung für (Alt-)Verbindlichkeiten
  • die gesetzliche Verpflichtung zur Übernahme der Haftung für betriebsbedingte Steuern.
  • die gesetzliche Verpflichtung zur Übernahme für Garantie- und Gewährleistungen
  • die Berechnung eines realistischen Unternehmenswertes.

Beziehen Sie so früh wie möglich externe Berater mit ein. Die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern bieten zum Thema Unternehmensnachfolge umfangreiche Serviceangebote an. Spätestens bei der Vertragsgestaltung sollten Sie einen Notar oder Rechtsanwalt und einen Steuerberater konsultieren. Umfangreiche Informationen und Hilfestellung erhalten Sie auch über die „nexxt“-Initiative Unternehmensnachfolge und deren Regionalpartner.

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