Auf dem Weg an die Spitze – was es noch zu tun gibt

In internationalen Vergleichen liegt Deutschland auf Platz sechs unter den leistungsfähigsten Standorten der Welt. Aktuelle Spitzenreiter sind die USA, Südkorea und Japan. Ziel der Politik ist es, dass Deutschland bei der Herstellung und Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien am Ende des Jahrzehnts auf dem Siegertreppchen steht. Was aber gibt es auf dem Weg an die Spitze noch zu tun?

Steigende Umsätze, hohe Innovationskraft und zunehmende Gründungszahlen: Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) entwickeln sich positiv. Trotzdem stellen die Autoren des Monitoring-Reports Digitale Wirtschaft 2012 fest, dass Deutschland im internationalen Vergleich noch Nachholbedarf hat:

Wachstum forcieren

Insgesamt muss die notwendige Infrastruktur noch weiter ausgebaut werden, damit die digitale Wirtschaft aufholen und international gleichziehen kann. Zu den zukünftigen Aufgaben gehören daher eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Breitbandnetze. Hierzu zählen vor allem der Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen und des mobilen Internets.

Fachkräfte ausbilden und gewinnen

In einer Vergleichsstudie des World Economic Forum (WEF) liegt Deutschland hinsichtlich der Verfügbarkeit von Wissenschaftlern und Ingenieuren im unteren Mittelfeld. Aufgrund des demografischen Wandels dürfte sich der Mitarbeiterbedarf von 2015 bis 2020 auf jährlich 115.000 Akademiker aus dem MINT-Bereich (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) erhöhen. Schon jetzt kann die Nachfrage nicht gedeckt werden. Die Fachkräfteoffensive der Bundesregierung will ausländische Experten daher für eine Anstellung in Deutschland gewinnen (www.fachkräfte-offensive.de, www.make-it-in-Germany.com). Der Aufenthalt für Fachkräfte, die nicht aus einem Mitgliedsland der Europäischen Union kommen, wurde durch die Einführung der „Blue-Card“ erleichtert.

Angebotspalette erweitern

Auch bei der Anwendung neuer Technologien gibt es in Deutschland noch Spielraum. In vergleichbaren Ländern werden neue Technologien von Unternehmen und Verbrauchern stärker nachgefragt und können sich daher wesentlich schneller verbreiten. Gründerinnen, Gründer und Unternehmen stehen hierzulande vor der Herausforderung, vermehrt Geschäftsmodelle mit nutzerorientierten Angeboten zu entwickeln.

Sie müssen beispielsweise auch Antworten auf die erheblichen Veränderungen bieten, die sich im Journalismus, im Verlagswesen und in der Film- und Fernsehbranche auf Grund der Digitalisierung abzeichnen. Chancen für umsatzstarke Geschäftsmodelle ergeben sich auch durch die Verlagerung des Handels ins Internet.

Passgenauere Finanzierung

Innovative Gründungsvorhaben benötigen in der Regel Beteiligungskapital. Der High-Tech Gründerfonds ist hier ein wichtiges Instrument. Er beteiligt sich an jungen Unternehmen und unterstützt sie mit unternehmerischem Know-how. Dennoch haben die Autoren des Monitoringberichts Defizite beim Thema Beteiligungskapital ausgemacht. Die Bundesregierung hat darauf inzwischen reagiert:

Um den Anreiz für Investoren, sich an jungen Unternehmen zu beteiligen, aufrechtzuerhalten, wurde im Februar 2013 ein Kompromiss erzielt: In dem Gesetz zur Besteuerung von Streubesitzbeteiligungen wurde festgelegt, dass Veräußerungsgewinne auch zukünftig steuerfrei sind. Investoren haben damit die Sicherheit, dass der Ausstieg aus einem jungen Unternehmen steuerlich nicht belastet wird. Für einen zusätzlichen Anreiz wird auch der neue Investitionszuschuss Wagniskapital sorgen: Ein Förderprogramm für Privatinvestoren und junge Unternehmen, das am 15. Mai 2013 in Kraft treten wird.

Export stärken

Deutschlands Wirtschaft lebt vor allem vom Export. Umso mehr fällt auf, dass nur ein Drittel der deutschen IKT-Unternehmen im Ausland aktiv ist. Der Monitoringbericht führt dazu das Ergebnis einer Befragung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf. Demnach gehören Österreich und die Schweiz zu den wichtigsten Zielländern: etwa 30 Prozent der deutschen IKT-Unternehmen sind hier aktiv. Geschäfte mit Nordamerika machen dagegen nur fünf Prozent der Befragten. Um ihre Auslandsaktivitäten ausweiten zu können, wünschen sich deutsche IKT-Unternehmen laut ZEW , einen besseren Zugang zu Finanzierung und Krediten (42 Prozent), verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen im Ausland (26 Prozent) und die Bereitstellung von Marktinformationen zu den Zielländern (19 Prozent).


Die IKT-Gründerszene Berlin

Warum hat sich gerade Berlin zu „dem“ Standort für die junge IKT-Gründerszene entwickelt? Dieser Frage sind die Autoren des EFI Gutachten 2013 nachgegangen. Sie haben untersucht, was die Hauptstadt von anderen IT-Standorten in Deutschland unterscheidet.

Öffentlichkeitswirksame Produkte

Die Berliner Gründerszene konzentriert sich vor allem auf Produkte, die die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf sich ziehen, wie etwa Apps und Spiele sowie E-Commerce und Social Media.

Starke Vernetzung mit Investoren

Die Gründerinnen und Gründer sind sowohl untereinander als auch mit den Investoren stark vernetzt. Viele der Start-ups werden über Beteiligungskapital finanziert. In keiner anderen deutschen Stadt ist dessen Einsatz in den letzten Jahren so stark gestiegen wie in Berlin.

International aufgestellt

Die internationale Anziehungskraft Berlins schafft die Möglichkeit, Mitarbeiter aus unterschiedlichen Ländern zu engagieren, und macht die Gründung von international operierenden Unternehmen in Berlin einfacher als in anderen Städten.

Sozialer und kultureller Anziehungspunkt

Der Berliner Gründungsboom ist weniger auf außergewöhnlich günstige politisch-administrative Rahmenbedingungen als vielmehr auf soziale und kulturelle Faktoren zurückzuführen. Berlin zeichnete sich lange Jahre vor allem durch günstige Mieten und niedrige Lebenshaltungskosten aus. In Kombination mit einem reichhaltigen Kultur- und Freizeitangebot entfaltete die Stadt eine hohe Anziehungskraft auf Künstler, Studenten und auch auf Unternehmensgründer.

Wenige Arbeitsmarktkonkurrenten

Die Abwesenheit großer Unternehmen als Arbeitsmarktkonkurrenten haben den Boom der Berliner IT-Wirtschaft positiv beeinflusst. So müssen Berliner Gründerinnen und Gründer nicht, wie etwa in München, mit sieben Dax-Unternehmen um die besten Mitarbeiter konkurrieren. Der Berliner Arbeitsmarkt in Kombination mit zahlreichen Hochschulen sorgt dafür, dass gut ausgebildete junge Leute in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Quelle: Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI): Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands, Berlin 2013.

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