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Die „neuen“ Freien Berufe

Die traditionellen Freien Berufe passen sich in ihren Arbeitsfeldern fortlaufend den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen oder kulturellen Entwicklungen an.

Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren aber auch ganz neue Berufsbilder entstanden. Dazu gehören insbesondere beratende, lehrende und Kreativberufe, aber auch selbständige Kranken- und Altenpflegerinnen und -pfleger. Im Unterschied zu den traditionellen Freien Berufen unterliegen die „neuen“ Freien Berufe in der Regel keinen gesetzlichen Berufszugangsregelungen und keiner Selbstverwaltung, die durch Berufskammern ausgeübt wird. Beispiele für „neue“ Freie Berufe sind:

  • Gesundheitstelematiker (Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, um medizinische Daten zu übermitteln),
  • Präventologen (Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung),
  • Orthobioniker (helfen Menschen mit einem Handicap durch Prothesen und Orthesen, das alltägliche Leben zu meistern),
  • Facilitatoren (unterstützen und steuern Unternehmen in Changeprozessen),
  • Konduktoren (führen in der Arbeit mit behinderten Menschen therapeutische und pädagogische Kompetenzen zusammen),
  • Simulationsingenieure (u.a. Auswertung/Interpretation von Simulationsergebnissen)

Ausschlaggebend für die Entstehung der „neuen“ Freien Berufe und die fortschreitende Spezialisierung in den herkömmlichen Freien Berufen sind:

Der demografische Wandel

Immer mehr Unternehmen entdecken in der Altersgruppe 50+ anspruchsvolle und kaufkräftige Konsumenten. Gefragt sind bedarfsorientierte Dienstleistungen in der Gesundheitswirtschaft, im Tourismus, im  Bildungsbereich und in vielen weiteren Wirtschaftszweigen.

Der Wandel zur Informationsgesellschaft

Er bringt einen steigenden Bedarf an technisch qualifizierten Berufen mit sich und in der Folge eine Zunahme wissensintensiver Dienstleistungen. Die Bedeutung der Kulturwirtschaft und hier insbesondere der Medienbereich wird weiter zunehmen: Nutzer erwarten nicht nur aktuelle Informationen, sondern ein multimediales, unterhaltsames und informatives Angebot. Medienwirtschaft und Bildungssektor wachsen dabei zunehmend zusammen. Bildungsberatung und Bildungscoaching werden immer wichtigere Berufsfelder für Angehörige der Freien Berufe.

Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft

Vor allem die Nachfrage nach personenbezogenen Dienstleistungen („Human Services“) steigt stetig an. Hierzu zählen neben dem Gesundheits- und Sozialwesen auch spezifische Bereiche von Bildung und Freizeit. Spezielle und individuelle Beratungsleistungen werden in immer stärker nachgefragt, ob zu Ernährungs-, Energie-, Gesundheitsfragen. Längst haben auch „klassische“ Freiberufler neue Geschäftsfelder entdeckt: So ergänzen beispielsweise Rechtsanwälte ihr Leistungsportfolio durch Berufsbetreuungen oder Mediation. Architekten beraten zu altersgerechtem Bauen, betreiben Stadtmarketing oder bieten Projektentwicklung an. Ein Beispiel dafür, dass die Entwicklung von neuen Freien Berufen eng mit einer stetigen Professionalisierung verbunden ist, macht die zunehmende Akademisierung der freien Heilberufe Ergo-, Logo- oder Physiotherapie deutlich.

Zahl der Selbständigen in den einzelnen Freien Berufen

Stand: 1.1.2012 (z.T. vorläufig)

freie Kulturberufe

291.000

andere freie Heilberufe

136.000

Ärzte

124.012

Rechtsanwälte

114.000

andere rechts-, wirtschafts-, und steuerberatende ...

100.000

andere technische und naturwissenschaftliche ...

67.000

Steuerberater/-bevollmächtigte

57.769

Ingenieure

57.400

Architekten

55.845

Zahnärzte

54.316

Unternehmensberater

37.000

Psychotherapeuten

19.568

Apotheker

18.172

Sachverständige

18.100

Beratende Ingenieure

15.079

Tierärzte

11.832

Wirtschaftsprüfer/vereidigte Buchprüfer

10.235

Patentanwälte

3.079

Nur-Notare

1.535

  • 0
  • 50.000
  • 100.000
  • 150.000
  • 200.000
  • 250.000
  • 300.000

Quelle: Institut für Freie Berufe, Nürnberg 2013

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