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„Das große Thema Markteinritt ist eigentlich das, was die Kreativen beschäftigt.“

Harm Wurthmann
Leiter des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes
Foto: RKW Bremen GmbH, Bremen

„Die Zahl der freiberuflichen Gründungen hat in den letzten Jahren insbesondere in den neuen Freien Berufen stark zugenommen.“

Marcus Kuhlmann
Geschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB)
Foto: Daniela Fritze, Bundesverband der Freien Berufe (BFB)

„Es ist immer stärker erforderlich, sich auch mit innovativen Ideen zu engagieren.“

Iris Kaboré
Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V. / Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.
Foto: privat

Tipps für freiberufliche Gründerinnen und Gründer

Die Gründungsexpertinnen und -experten des Instituts für Freie Berufe (IFB) führen rund 7.000 Gründungsberatungen pro Jahr durch. Aus ihren Erfahrungen wurden die folgenden Praxistipps zusammengestellt:

Anerkennung durch das Finanzamt

Zu den Freien Berufen zählen zunächst die im Einkommensteuergesetz aufgeführten Katalogberufe sowie die Berufe im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (PartGG). Bei den sogenannten Tätigkeitsberufen und katalogähnlichen Berufen entscheidet in der Regel das Finanzamt im Rahmen einer Einzelfallprüfung darüber, ob eine freiberufliche oder gewerbliche Tätigkeit vorliegt. Es kommt immer wieder vor, dass die Finanzämter Anmeldungen von (vermeintlichen) Freiberuflern zunächst ohne nähere Prüfung oder Beanstandung akzeptieren. Die betreffenden Gründerinnen und Gründer gehen in diesem Fall davon aus, dass sie als Freiberufler anerkannt sind und steuerlich entsprechend behandelt werden. Es kann allerdings sein, dass eine Betriebsprüfung nachträglich feststellt, dass es sich bei der Tätigkeit um ein Gewerbe handelt. Dann ist Gewerbesteuer fällig. Auch rückwirkend.

Eine Sicherheit für die Einstufung als Freiberufler im steuerlichen Sinne gibt nur die sogenannte "verbindliche Auskunft" des Finanzamtes, die man auf Antrag erhält. Sie ist aber nur dann verbindlich, wenn die im Antrag beschriebene und die später bei einer Prüfung vorgefundene Tätigkeit „nicht oder nur unwesentlich“ voneinander abweichen. Generell gilt: Entscheidend ist immer die Tätigkeit und die Qualifikation: Ein Architekt, der ökologische Baustoffe verkauft, eine Bildhauerin, die ein Galeriecafé betreibt oder ein Ingenieur, der Fachbücher verkauft, übt damit immer eine gewerbliche Tätigkeit aus. Es kann sich aber auch um eine so genannte gemischte Tätigkeit handeln, bei der gleichzeitig eine freiberufliche und gewerbliche Tätigkeit ausgeübt wird.

Auf unternehmerisches Know-how achten

Gründerinnen und Gründer in den Freien Berufen verfügen über gute bis sehr gute fachliche Kenntnisse. Ihnen fehlt aber oft das unternehmerische Know-how. Es ist notwendig, um die berufliche Selbständigkeit zum Erfolg zu führen und dauerhaft aufrecht zu erhalten. Die Kammern und Berufsverbände bieten Seminare zur kaufmännischen Qualifizierung an.

 

Klären Sie folgende Fragen:

Sind Sie Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung?

Eine ganze Reihe von Freiberuflern ist in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Beispielsweise Krankenschwestern, Hebammen oder Lehrbeauftragte. Eine Auflistung aller versicherungspflichtigen Selbständigen steht in § 2 Sozialgesetzbuch VI. Informationen bietet auch die Deutsche Rentenversicherung Bund.

Sind Sie Pflichtmitglied in der Künstlersozialversicherung?

Selbständige Künstler und Publizisten müssen sich bei der Künstlersozialkasse (KSK) melden. Wer nach der Prüfung durch die KSK die Voraussetzungen für die Aufnahme in die Künstlersozialversicherung erfüllt, muss sich dort versichern. Es sei denn, sein Jahreseinkommen liegt unter einer gesetzlich festgelegten Grenze. Oft werden Freiberuflichkeit und Mitgliedschaft in der KSK gleichgesetzt. Das ist nicht in jedem Fall so. Informationen bietet die Künstlersozialkasse.

Sind Sie eventuell scheinselbständig?

Man kann zwar als selbständiger Freiberufler beim Finanzamt geführt werden, aus Sicht der gesetzlichen Rentenversicherung aber dennoch nicht als „echter“ Selbständiger gelten. Das betrifft vor allem sogenannte freie Mitarbeiter oder Freiberufler mit nur einem Auftraggeber. Wer seinen Status im Zweifelsfall klären will, sollte das innerhalb eines Monats nach Aufnahme seiner Tätigkeit tun. Anlaufstelle für das so genannte Statusfeststellungsverfahren ist die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung.

Kennen Sie Ihren Umsatzsteuersatz?

Informieren Sie sich darüber, welcher Umsatzsteuersatz für Sie gilt: der volle Steuersatz über 19 Prozent (z.B. für Anwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer) oder der ermäßigte Steuersatz über 7 Prozent (z.B. für Journalisten). Ggf. ist Ihre Tätigkeit auch von der Umsatzsteuer befreit (z.B. Ärzte).

Sind Sie Pflichtmitglied in einer Kammer?

Zu den verkammerten Freien Berufen gehören Rechtsanwälte, Patentanwälte, Notare, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Apotheker, Tierärzte, Architekten, Ingenieure und Lotsen. Für die verkammerten Freien Berufe besteht eine Pflichtmitgliedschaft in der jeweiligen Berufskammer. Ausnahme: Ingenieure müssen nur dann Mitglied der Ingenieurkammer sein, sofern sie sich „Beratender Ingenieur“ nennen möchten. Auch Ingenieure, die die Berufsbezeichnung „Architekt“ führen wollen, müssen sich dafür in die Architektenliste der zuständigen Architektenkammer eintragen lassen.

Welche Berufsbezeichnung dürfen Sie führen?

Achten Sie darauf, sich nicht mit „fremden Federn“ zu schmücken. So benötigen Sie zum Beispiel für das Führen der Berufsbezeichnungen „Psychotherapeut“ oder „Psychotherapie“ eine Approbation oder Erlaubnis nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) oder eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz (HeilprG). Vorsicht gilt auch bei Dienstleistungen, die zumindest mit dem Anschein eines Heilberufes angeboten werden, ohne dass der Berufsausübende die entsprechende Qualifikation besitzt.

Gelten für Ihre Tätigkeit eventuelle Werbebeschränkungen?

Eine Reihe von gesetzlichen Werbebeschränkungen für Freie Berufe wurde in den letzten zehn Jahren aufgehoben oder zumindest weitgehend gelockert. Insbesondere in den verkammerten Freien Berufen und Gesundheitsberufen müssen jedoch weiterhin bestimmte Vorgaben bei der Werbung berücksichtigt werden. Darüber hinaus setzt das Wettbewerbsrecht (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, UWG) Grenzen. Wer hiergegen verstößt, muss mit einer Abmahnung oder einem Bußgeld durch seine Kammer rechnen.

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