„Nicht nur Rezepte abarbeiten“

Interview mit Oliver Rupprecht, in balance

„Neben den fachlichen Kompetenzen ist auch das Marketing in eigener Sache wichtig.“

Oliver Rupprecht hatte bereits von 1991 bis 2005 eine Massagepraxis. Die hat er verkauft und an einer Berufsfachschule für Massage als angestellter Lehrer unterrichtet. Seit 2012 ist er wieder mit einer Massagepraxis selbständig. Er beschäftigt eine Teilzeit-Angestellte.

Oliver Rupprecht, Foto: O. Rupprecht

Kurzinfo

Masseur und Medizinischer Bademeister
Oliver Rupprecht
Gründung: 2012
www.in-balance-augsburg.de

Herr Rupprecht, worin genau besteht Ihre freiberufliche Tätigkeit?

Rupprecht: Ich bin staatlich anerkannter Masseur und Medizinischer Bademeister. Das Besondere an unserer Massagepraxis ist, dass wir u.a. auch die Zulassung zur Manuellen Therapie haben. Die ist bei der Behandlung von orthopädischen Erkrankungen immer noch das Nonplusultra. Dafür muss man allerdings eine zweijährige Zusatzausbildung absolvieren.

Sie waren früher angestellt, jetzt sind Sie selbständig. Was ist heute anders?

Rupprecht: Man muss betriebswirtschaftlicher denken. Viele meiner Kollegen trauen sich beispielsweise nicht, einem Patienten zusätzlich zu seiner Therapie auf Kassenrezept eine Leistung ohne den Umweg über einen Arzt vorzuschlagen. Die dauert zwar zehn Minuten länger und muss privat bezahlt werden, hilft aber weiter. Ich schlage das meinen Patienten daher vor. Weil es sinnvoll ist.

Es geht nicht nur darum, Rezepte abzuarbeiten, nur einen Rücken nach dem anderen zu massieren. Ich verstehe mich als Gesundheitsdienstleister. Das heißt: Ich biete von mir aus auch zusätzliche Problemlösungen für körperliche Beschwerden an. Im Wellnessbereich Anwendungen zum Stressausgleich. Oder besondere Therapieleistungen, die ich im Programm habe. Ich kann als freiberuflicher Selbständiger meine Fähigkeiten noch besser einsetzen. Ich kann meine Kreativität ausleben, kann schauen, welche Stärken ich habe, möglicherweise Fortbildungen machen wie zum Beispiel zum Neurolinguistischen Programmieren und dann mein Können umsetzen. Und damit bin ich im Übrigen auch ganz erfolgreich. Das klappt, wenn man die fachliche Kompetenz hat und außerdem mit Menschen umgehen kann.

Was trägt außer Ihren fachlichen Kompetenzen dazu bei, dass Ihr „Laden läuft“?

Rupprecht: Auf jeden Fall Marketing in eigener Sache. Ich biete meinen Patienten beispielsweise neben der Therapie Vorträge und Beratungen zu Gesundheitsthemen an. So wird man nicht nur als einfacher Masseur wahrgenommen, sondern etabliert sich als Gesundheitsexperte, der dann auch schon mal vor einem Arztbesuch konsultiert wird. Ich habe außerdem gelernt, wie man Werbetexte professionell schreibt. Alles zusammen genommen macht, glaube ich, meinen Erfolg aus.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg in die Selbständigkeit beraten?

Rupprecht: Die Gründungsberatung des Instituts für Freie Berufe in Nürnberg und ein Coach, der mir über ein Coachingprogramm des Freistaates Bayern für die Zeit vor der eigentlichen Gründung vermittelt wurde. Das Programm hat den größten Teil der Kosten für diesen Coach ersetzt. Der hat mir als Außenstehender klar gemacht, wo ich zu sehr in meiner Therapeutenrolle stecke. Dass ich darauf achten soll, neben der eigentlichen Therapie auch für ein Wohlfühl-Ambiente zu sorgen: durch hochwertige Zeitschriften und angenehm gestaltete Räume. Und mit Wasser, Tee und Kaffee für die Patienten.

Und beim Antrag für den ERP-Gründerkredit – StartGeld hat der Coach Sie auch unterstützt?

Rupprecht: Ja. Sehr wertvoll war die Unterstützung bei der Erstellung eines Businessplans. Und dann war er auch bei den drei Bankgesprächen dabei. Das hat mir eine gewisse Sicherheit gegeben. Es war wichtig, nach den ersten Bankterminen zu besprechen, was gut gelaufen ist und was ich beim nächsten Mal besser machen sollte. Die Bank wollte nämlich erst nicht. Keine Erfolgsaussichten, hieß es. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Mit der Hilfe meines Coachs habe ich meinen Bankberater gegen das Votum seiner Kreditvorgesetzten davon überzeugen können, dass meine Planung sehr wohl auf festen Füßen steht. Dann endlich gab’s grünes Licht.

Ende