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„Der Anteil der Freien Berufe am gesamtwirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik Deutschland wird immer wichtiger“, das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Berichts der Bundesregierung zur Lage der Freien Berufe, der am 10. April 2013 vom Bundeskabinett beschlossen und dem Deutschen Bundestag vorgelegt wurde.

Aber wer gehört eigentlich zu den Freien Berufen? Die Frage ist nicht immer ganz einfach zu beantworten. Auf jeden Fall zählen die sogenannten Katalogberufe dazu. Das sind u.a. Rechtsanwälte, Ärzte, Tierärzte, Ingenieure und Architekten sowie Journalisten, Dolmetscher und Übersetzer, Physiotherapeuten und Heilpraktiker. Sie gehören zu den klassischen Freien Berufe, die im Einkommensteuergesetz (EStG) aufgelistet sind. Sie entsprechen weitgehend den Freien Berufen, die auch im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (PartGG) aufgeführt sind. Außerdem gibt es die Tätigkeitsberufe: Dazu zählen wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten. Und schließlich gibt es noch die den Katalogberufen ähnlichen Berufe: Deren Ausbildung und berufliche Tätigkeit müssen mit einem Katalogberuf vergleichbar sein. Beispiel: ein Elektrotechniker, der sich fortgebildet hat und Arbeiten verrichtet, die normalerweise ein Ingenieur ausführt. Letztlich prüft bei den Tätigkeitsberufen und ähnlichen Berufen immer das Finanzamt im Einzelfall, ob eine freiberufliche oder eine gewerbliche Tätigkeit vorliegt.

Entwicklung der Zahl der Selbständigen* in Deutschland von 2007 bis 2012

(jeweils zum 01.01.; in Tsd.)

2007

3.177

954

2008

3.157

1.003

2009

3.090

1.053

2010

3.101

1.114

2011

3.116

1.143

2012

3.213

1.192

  • 0
  • 1.000
  • 2.000
  • 3.000
  • 4.000
  • Selbständige insgesamt ohne Selbständige in Freien Berufen
  • Selbständige in Freien Berufen

* Bei den Selbständigen insgesamt wurden die (Mikrozensus-) Daten vom jeweiligen Vorjahr herangezogen.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Statistisches Jahrbuch, verschiedene Jahrgänge, Mikrozensus, verschiedene Jahrgänge); Berufsorganisationen, eigene Erhebungen durch das Institut für Freie Berufe, z.T. geschätzt. Nürnberg 2013

Zahl der Freiberufler nimmt zu

„Die Freien Berufe sind ein Zukunfts- und Wachstumsmarkt“, sagt Dr. Willi Oberlander, Geschäftsführer des Instituts für Freie Berufe in Nürnberg (IFB) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg. Das IFB registrierte zum Jahresbeginn 2012 mit insgesamt 1.192.000 Selbständigen in den Freien Berufen einen neuen Höchststand: 49.000 mehr als zur selben Zeit im Vorjahr. Freiberuflich Selbständige erwirtschaften rund 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und beschäftigen fast 3 Millionen Mitarbeiter, davon rund 112.000 Auszubildende. Jede fünfte Gründung erfolgt durch Freiberufler. Damit haben sie einen Anteil von über 20 Prozent an allen Gründungen insgesamt. Tendenz steigend: Nicht zuletzt deshalb, weil die Zahl der Studierenden in den für die Freien Berufe relevanten Studienfächern  in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Dies gilt insbesondere für die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach freiberuflichen Dienstleistungen aller Voraussicht nach weiter steigen wird.

Zentrales Element der Dienstleistungsgesellschaft

Auch die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und in der Wirtschaft haben den Freien Berufen nichts anhaben können. So blieb die Zahl der freiberuflichen Gründungen stabil, während im gleichen Zeitraum die Zahl der gewerblichen Existenzgründungen zurückgegangen ist (Institut für Mittelstandsforschung Bonn). „Dieses Wachstum verdeutlicht die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, deren Kern die Freien Berufe bilden. Der Anteil der berufsrechtlich nicht gebundenen – ‚nicht-verkammerten‘ – Berufe nahm allein im Krisenjahr 2009 bis 2010 von 53 auf 57 Prozent zu. Dies ist vor allem auf das Entstehen ‚neuer‘ Freier Berufe zurückzuführen, die in der Regel Kombinationen oder Varianten herkömmlicher Tätigkeiten sind“, so Dr. Willi Oberlander.

Ende