„Für Business Angels spielt die persönliche ‚Chemie‘ eine wichtige Rolle.“

Interview mit Bernd Monitor, Vorstand des Business Angels Clubs Berlin-Brandenburg.

Bernd Monitor, Vorstand des Business Angels Clubs Berlin-Brandenburg. Vor seiner Tätigkeit als Business Angel war Bernd Monitor in der Medien- und Telekommunikationsbranche aktiv. Heute engagiert er sich für Start-ups mit Geschäftsideen im Bereich der Video- und Audiotechnologien.

Herr Monitor, sowohl Business Angels als auch Venture-Capital-Gesellschaften beteiligen sich mit ihrem Kapital an jungen Unternehmen. Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen beiden?

Monitor: Es gibt vor allem einen wichtigen Unterschied: Bei der Beurteilung von Investments sehen wir uns nicht nur den Businessplan oder das Geschäftsmodell an, sondern achten auch sehr stark auf die Unternehmerpersönlichkeit. Das ist für uns ein maßgebliches Entscheidungskriterium. Selbstverständlich spielt auch die Rendite eine Rolle, die wir als Business Angel beim Ausstieg aus dem Unternehmen durch den Verkauf unserer Gesellschaftsanteile erzielen. Aber mindestens genauso wichtig ist für uns, beim Aufbau junger Unternehmen mitzuwirken und unsere Erfahrungen einzubringen.

Stichwort „Finanzierung“: Mit wie viel Geld beteiligt sich ein Business Angel an einem Gründungsvorhaben im Durchschnitt?

Monitor: Das typische Finanzierungsvolumen eines einzelnen Angels reicht von 25.000 bis etwa 100.000 Euro. Wenn man das poolt und mehrere Angels ins Boot holt, kommt man ungefähr auf 300.000 Euro. In der Regel werden diese Kapitalbeteiligungen mit Förderprogrammen kombiniert, so dass wir auf ein Gesamtvolumen von 500.000 bis eine Million Euro in der ersten Finanzierungsrunde kommen.

Was erwarten Sie von jungen Unternehmern, die mit Ihnen ins Geschäft kommen möchten?

Monitor: Es gibt unterschiedliche Geschäftsmodelle und es gibt unterschiedliche Unternehmerpersönlichkeiten, die diese Geschäftsmodelle verfolgen. Wenn mir jemand ein Geschäftsmodell präsentiert, das keinen Bezug zu den derzeit existierenden Märkten hat, aber vielleicht zukünftig eine wichtige Rolle spielen könnte, dann brauche ich als Unternehmerpersönlichkeit jemanden, der in der Lage ist, weit voraus zu denken und durchsetzungsfähig ist, sonst wird er mit seinem Modell scheitern.

Wenn die Umsetzung des Geschäftsmodells dagegen vor allem Fleißarbeit erfordert, weil zum Beispiel für eine App Daten gesammelt und aufbereitet werden müssen und man einen Gründer vor sich hat, der noch nicht einmal seine Geschäftsidee gut formuliert zu Papier bringen kann, fragt man sich schon, ob ihm die Umsetzung der Idee tatsächlich gelingen wird. Also: Die Person muss zum Geschäftsmodell passen.

Und welche Rolle spielt das Gründungsteam?

Monitor: Ein Pluspunkt ist immer, wenn das Team Mitglieder mit unterschiedlichen Qualifikationen, auch unterschiedlichen persönlichen Eigenschaften, hat. Die technische Seite muss genauso vertreten sein wie die kaufmännische. Je nach Geschäftsmodell ist auch der Blick auf internationale Märkte wichtig.

Was sollten Gründerinnen und Gründer bei der Kontaktaufnahme mit Business Angels beachten?

Monitor: Viele Gründer meinen, dass sie einfach ihren Geschäftsplan bei einem Business Angel abgeben und dann das nötige Startkapital bekommen. In der Praxis sieht es aber so aus, dass von hundert Anfragen vielleicht zwei oder drei erfolgreich sind. Das gilt im Übrigen auch für Venture Capital. Gründerinnen und Gründer müssen daher zuallererst lernen, dass sie voraussichtlich in 95 oder 98 Prozent aller Fälle eine Absage bekommen werden.

Kommt es zum Gespräch, ist es wichtig, erst einmal zu schauen, mit wem man es zu tun hat. Wie schon gesagt: Für Business Angels spielt die persönliche „Chemie“ eine wichtige Rolle. Gründerinnen und Gründer sollten daher versuchen, die Persönlichkeit ihres Gesprächspartners zu erfassen und sich darauf einzustellen. Und selbst wenn das Gespräch nicht wie gewünscht verläuft, empfehle ich in jedem Fall, sich nach weiteren Ansprechpartnern zu erkundigen. Jeder Business Angel ist Mitglied in einem Netzwerk und weiß, ob und welche Netzwerkpartner in Frage kommen könnten. Mit einer solchen Empfehlung ist man als Gründungsteam in jedem Fall besser aufgestellt als wahllos Hunderte von Adressen „abzuklappern“, denn letztendlich beruhen alle Investments auf Vertrauen. Und Vertrauen wird über persönliche Netzwerke transportiert.

„Business Angels kennen lernen: Darauf kommt es an!“

Dr. Alexander von Frankenberg über die Finanzierungskonditionen

 

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