„Der Aufbau von E-Business-Prozessen wird immer komplexer.“

Interview mit Dr. Franz Büllingen, WIK-Consult GmbH

Portraitfoto Dr. Büllingen

KURZINFO

Dr. Franz Büllingen
Abteilungsleiter WIK-Consult GmbH


Doktor Franz Büllingen ist Abteilungsleiter bei der WIK-Consult GmbH und verantwortlich für die Begleitforschung von „Mittelstand-Digital - IKT-Anwendungen in der Wirtschaft", einem Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Herr Dr. Büllingen, E-Business ist aus dem heutigen Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken. Was sollte Ihrer Ansicht nach in jedem Fall zur Basisausstattung eines jungen Unternehmens gehören?

Dr. Büllingen: Junge Unternehmen, insbesondere im Dienstleistungsbereich und im Handel, benötigen nicht nur einen innovativen und ansprechenden Internetauftritt. Sie müssen auch die Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes zur Speicherung, Verarbeitung und Verwendung von Daten sowie zum Beispiel die Informationspflichten des Telemediengesetzes berücksichtigen.

Darüber hinaus sollten sie eine möglichst vollständige und medienbruchfreie Vertriebskette aufbauen, die von den Kunden einfach und ohne besondere Vorkenntnisse genutzt werden kann. Dabei sollten sie die Bandbreite und Möglichkeiten eines Multichannel-Vertriebs ausschöpfen und auf eine enge Verzahnung mit dem stationären Handel, aber auch dem hohen Innovationspotenzial von Mobile Commerce achten. Das heißt: Ein Online-Shop kann zum Beispiel als zusätzlicher Vertriebskanal auch dazu dienen, Kunden für das traditionelle Ladengeschäft zu gewinnen.

Nicht zuletzt spielt das Vertrauen beim Online-Handel eine besonders wichtige Rolle. Dazu gehören vor allem sichere Bezahlsysteme oder auch Zertifikate wie „Trusted Shops“. Eine Hotline, eine unkomplizierte Transportlogistik und einfache Retourenabwicklung sind weitere wichtige Elemente des (After) Sales-Service, die zur Kundenzufriedenheit beitragen.

Es wird gern übersehen, dass ein Großteil aller Sicherheitsprobleme hausgemacht ist ...

In der Businessplanphase denken Gründer meist nur an die Kosten für den Aufbau der eigenen Homepage und eines Online-Shops. Welche weiteren Kosten sollten in der Finanzplanung berücksichtigt werden?

Dr. Büllingen: Die Kosten für IT-Hardware und Software sind leicht einzuschätzen. Schwer tun sich dagegen viele Gründerinnen und Gründer damit, die Kosten für die laufende Systempflege und den Einsatz sowie die Schulung von Personal zu kalkulieren. Das wird oft unterschätzt. Dabei kann der Aufwand für notwendige Anpassungs- und Integrationsprozesse gerade in den ersten ein, zwei Jahren erheblich sein, nicht zuletzt weil der überwiegende Teil der auf dem Markt erhältlichen Unternehmenssoftware selten auf die Anforderungen von kleinen und mittleren Unternehmen ausgerichtet ist.

Außerdem wird oft nicht an den Aufwand für die IT-Sicherheit gedacht. Viele Funktionalitäten werden meist erst im Nachhinein installiert. Darüber hinaus müssen Mitarbeiter für das Thema Sicherheit sensibilisiert und geschult werden. Es wird nämlich gern übersehen, dass ein Großteil aller Sicherheitsprobleme nicht etwa von außen kommt, sondern hausgemacht ist und auf technischen Defekten, Irrtümern, Fahrlässigkeit und Fehlern eigener Mitarbeiter inklusive Management beruht.

Was Gründerinnen und Gründer ebenfalls häufig unterschätzen, ist der Aufwand für ein effizientes Stammdatenmanagement, also die Pflege der Kunden-, Lieferanten-, Produktdaten usw. Außerdem müssen Softwareprogramme wie zum Beispiel Enterprise Ressource Planning, ERP, schnell ans Laufen kommen, um Geschäftsprozesse durchgehend und möglichst effizient zu steuern. Workflow-Managementsysteme müssen in Gang gesetzt werden, um Transparenz und Feedbackschleifen zu sichern. Der hierbei entstehende Kosten- und Zeitaufwand, insbesondere für Testläufe, Fehlerbehebung, Anpassungen usw. sind in der Regel beträchtlich.

Vielen Gründerinnen und Gründern fehlt das notwendige Know-how in Sachen E-Business. Wer bietet hier Hilfestellung?

Dr. Büllingen: E-Business-Prozesse werden in der Tat immer komplexer. Die meisten Gründerinnen und Gründer sind daher auf externe Dienstleister oder Mitarbeiter angewiesen, die nicht nur das technische Wissen, sondern idealerweise auch Informationen über das Marktumfeld mitbringen. Hilfestellung bieten hier die bundesweit 38 eBusiness-Lotsen vor Ort in den Regionen an. Als erste Anlaufstelle informieren sie ratsuchende Unternehmerinnen und Unternehmer meist in Kooperation mit den regionalen Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern über die Anforderungen und den reibungslosen Einsatz betrieblicher Informations- und Kommunikationstechnologien und bieten helfen bei der Auswahl entsprechender Informationsquellen.

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