„Von der Stange“ oder individuell: Shopsysteme

Wer in den Online-Handel einsteigt, hat die Wahl zwischen verschiedenen Shopsystemen. Die Bandbreite reicht von Shops „von der Stange“ mit überschaubaren technischen Leistungen bis hin zu hochprofessionellen Varianten. Die Frage ist: Welcher Shop ist für den Unternehmensstart geeignet?

Ob Standard- oder Individuallösungen: Jedes Shopangebot bietet Vor- und Nachteile. Wobei Shops „von der Stange“ vor allem Einsteigern deutliche Vorteile bieten: Man kann sie günstig kaufen oder mieten. Und: Sie arbeiten mit einer ausgereiften Software und funktionieren daher in der Regel fehlerfrei. Außerdem lassen sich die Shops leicht mit Produktbeschreibungen und anderen Informationen befüllen, ohne dass der Gründer Programmierkenntnisse besitzen muss, weiß Constance Möhwald, Projektleiterin beim eBusiness-Lotsen Thüringen bei der tranSIT GmbH, dem Thüringer Anwendungszentrum für Software-, Informations- und Kommunikationstechnologien GmbH. Sie kennt aber auch die Nachteile: „Der Aufbau ist vorgegeben und die Gestaltungsmöglichkeiten sind beschränkt. Solche Shopsysteme können daher nur eingeschränkt mit den betrieblichen Bedürfnissen abgestimmt werden. Wer individuelle Anpassungen haben will, muss dafür extra zahlen.“

Überhaupt nichts kosten dagegen Open-Source-Systeme, die als Downloads im Internet zur Verfügung stehen. Für Gründer verführerisch, aber nicht unproblematisch. Denn anstelle von Geld muss man Programmierkenntnisse besitzen, um den Shop zu installieren, zu konfigurieren und an die besonderen Anforderungen anzupassen.

Shops auf Marktplätzen mieten

Shops lassen sich auch über Marktplätze wie Amazon, Ebay oder DaWanda und MeinPaket mieten. Der Vorteil des Vertriebskanals „Marktplatz“ ist: Die Anbieter stellen nicht nur einen Shop zur Verfügung, sondern sorgen auch für das Marketing und die gute Platzierung in Suchmaschinen. Vergleichbar zu einem Ladengeschäft im Einkaufszentrum, das viele verschiedene Kunden anlockt. Grundsätzlich sollte man dabei aber nicht nur auf einen Marktplatz setzen, empfiehlt Constance Möhwald: „Wir haben häufig Gründer erlebt, die 80 oder 90 Prozent ihres Umsatzes über einen einzigen Marktplatz gemacht haben. Dann kam ein Mitbewerber, hat das Produkt zu einem deutlich niedrigeren Preis angeboten, und das Geschäftsmodell war von einem auf den anderen Tag zunichte. Oder der Marktplatzbetreiber hat den Artikel selbst verkauft, weil er gut lief.“

Aufs Produkt kommt es an

Auch wenn günstige Standard-Shops zunächst einmal alles bieten, was man für den Verkauf klassischer Konsumgüter benötigt: Tatsächlich geeignet sind sie nur für bestimmte Produkte, die sich nach Größe, Farbe oder weiteren Attributen leicht abbilden lassen. „An Grenzen stößt man hingegen oft, wenn es um individuelle Produkte geht, die sich der Kunde zum Beispiel aus verschiedenen Einzelteilen zusammenstellen kann. In dem Fall muss man einen Standard-Shop entsprechend anpassen, eventuell Zusatzmodule integrieren oder sich gleich einen individuellen Shop programmieren lassen“, so Constance Möhwald.

Gründerbeispiel: upcload GmbH

Sebastian Schulze und Asaf Moses bieten Online-Körpervermessung für den Kleiderkauf an. Sie berichten von den Ups und Downs ihrer Start-up-Gründung. Quelle: BMWi

 

Aufwand nicht unterschätzen

Eine individuelle Lösung kann aber auch dann sinnvoll sein, wenn die Umsatz- und Kostenprognosen im Businessplan fundiert sind und die Zukunftspläne für das Unternehmen auf festen Füßen stehen. Allerdings kalkulieren viele Gründerinnen und Gründer in ihrer Finanzplanung meist nur die Kosten für Investition oder auch Programmierung ein. Ein wirklich fundierter Businessplan muss dagegen auch den Aufwand für die laufende Betreuung berücksichtigen, so Constance Möhwald: „Ein Online-Shop muss praktisch rund um die Uhr betrieben werden. Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt, deshalb muss der Service einfach vom ersten Tag an stimmen. Das heißt, Kundenanfragen, Bestellungen oder Reklamationen müssen sofort bearbeitet werden. Hinzu kommen laufende Marketingaktivitäten wie Suchmaschinenoptimierung, Newsletter, Blogs oder die Platzierung von News in Social Media Plattformen. Den Aufwand dafür unterschätzen viele Gründer. Nicht selten muss dann früher als geplant ein Mitarbeiter eingestellt werden. Damit sind Kosten verbunden, die auf jeden Fall in die Finanzplanung gehören.“

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