Das Bankgespräch

Förderdarlehen und Bankkredite müssen Sie bei Ihrer Hausbank beantragen. Das ist die Bank oder Sparkasse, bei der Sie Ihr Geschäftskonto führen (werden).
(Bild: Berliner Sparkasse)

„Der Gründer sollte auf eigene finanziellen Reserven zurückgreifen können.“

Wir haben Andreas Gruner, stellvertretender Leiter des FirmenCenters Gründung und Nachfolge bei der Berliner Sparkasse gefragt, auf was es dabei ankommt.

Herr Gruner, pro Jahr kommen circa 1.000 Gründerinnen und Gründer zu Ihnen, um einen Kredit zu beantragen. Wer kommt da zu Ihnen?

Gruner: Das sind zum Beispiel Hochschulabsolventen oder frisch gebackene Handwerksmeister. Zu uns kommen aber auch Gründerinnen und Gründer, die bereits viel Berufserfahrung gesammelt haben und schon etwas älter sind. Insgesamt ist das immer ein bunter Mix, wobei vom Kreditvolumen her die Kleingründer überwiegen. Das heißt, etwa 60 Prozent der Gründer benötigen weniger als 100.000 Euro für ihren Unternehmensstart. Was die Branchen betrifft, erleben wir gerade die Mode- und der IT-Branche als besonders gründungsstark. Vor allem das Thema App-Entwicklung wird gerade sehr groß geschrieben.

Wir betreuen aber nicht nur Gründerinnen und Gründer, die ein neues Unternehmen gründen möchten, sondern sprechen auch immer wieder das Thema Unternehmensnachfolge an. Für geeignete Gründerinnen und Gründer kann das eine sehr gute Alternative zu einer Neugründung sein. Zur Zeit gibt es zum Beispiel sehr viele Steuerberater, die einen Nachfolger suchen. Oder auch kleine Produktionsbetriebe, die schon seit Jahren sehr erfolgreich Marktnischen besetzen.

Worauf achten Sie besonders, wenn Sie sich die Businesspläne ansehen?

Gruner: Uns fällt immer wieder auf, dass der Teil des Businessplans, in dem zum Beispiel die Investitionen ausführlich beschrieben werden, vom reinen Zahlenteil, also dem Kapitalbedarfs-, Rentabilitäts- und Finanzplan, abweicht. Das liegt zum Beispiel daran, dass der Businessplan zu einem anderen Zeitpunkt geschrieben wurde als der Finanzplan. Hier sollte man also schon darauf achten, dass das stimmig ist.

Wichtig ist auch, möglichst realistisch an die Umsatzplanung heranzugehen. Es reicht nicht aus, die reinen Verkaufszahlen hochzurechnen. Ein zukünftiger Einzelhändler muss zum Beispiel überlegen, wie lange ein Verkaufsvorgang überhaupt dauert. Wenn er kalkuliert, wie viele Produkte er möglicherweise pro Tag verkaufen wird, muss er auch die Zeit für das Beratungsgespräch und den Zahlungsvorgang berücksichtigen. Dabei wird er feststellen, dass er selbst im Idealfall nur eine bestimmte Menge an Produkten pro Tag verkaufen kann.

Wie wichtig ist für Sie Branchenerfahrung?

Gruner: Darauf legen wir sehr viel Wert, weil wir mit branchenfremden Gründern leider viel Pech gehabt haben. Außerdem sollte jeder Gründer kaufmännisches Basiswissen mitbringen. Es reicht einfach nicht aus, Meister seines Fachs zu sein. Ein Grundwissen an Buchführung, Steuern, rechtlichen Grundlagen usw. lässt sich zum Beispiel in den Gründungskursen erwerben, die die Kammern anbieten. Das ist sozusagen die Mindestausstattung, die jeder Gründer haben sollte.

Wie sieht es mit dem Eigenkapital aus?

Gruner: Es gibt hin und wieder Gründerinnen und Gründer, die davon ausgehen, dass sie ihr Vorhaben vollkommen ohne Eigenkapital stemmen können. Aber das ist schwierig, denn in der Anlaufphase muss ja doch das eine oder andere Tal durchschritten werden. Und da sollte der Gründer auf eigene finanziellen Reserven zurückgreifen können. Aber es gibt auch Ausnahmen: Wenn das Projekt und die Idee stimmen, und wenn kurzfristig mit schwarzen Zahlen zu rechnen ist, dann würden wir auch ohne Eigenkapital finanzieren. Zumal wir als Kreditinstitut beim ERP-Gründerkredit – Startgeld durch die Haftungsfreistellung der KfW etwas abgesichert sind.

Wie nimmt man Kontakt zu seiner Bank auf?

Gruner: Der klassische Weg ist normalerweise per Mail oder per Anruf. Dabei sollte schon möglichst genau feststehen, wie hoch der Kapitalbedarf ist. Wir erhalten manchmal Anfragen nach dem Motto: ‚Wie viel würden Sie mir denn geben?‘ Das ist natürlich keine Grundlage für die Planung einer Existenzgründung. Man muss also schon genau wissen, was an Investitionen und Betriebsmitteln, also beispielsweise an Waren, Roh- und Werkstoffen, anfällt. Das heißt, der Businessplan sollte fertig sein. Den kann man uns dann zusenden. Wir schauen uns den an und melden uns, um einen Termin zu vereinbaren.

Kann man zu diesem Termin einen Berater mitbringen?

Gruner: Ja, allerdings sollte der Gründer derjenige sein, der das Wort führt. Er darf auch nicht gleich umfallen, wenn mal eine schwierige Frage kommt. Und er sollte einen guten Tag haben. Wir haben in der Regel nur diese eine Stunde oder zwei Stunden, in denen wir uns ein Bild über den Gründer machen können. Wenn man sich da nicht fit fühlt, entsteht womöglich bei uns ein falsches Bild.

Gibt es Ihrer Ansicht nach eigentlich den idealen Finanzierungsmix für eine Gründung?

Gruner: Es kommt darauf an, in welcher Größenordnung finanziert werden soll. Wer als Startkapital nicht mehr als 100.000 benötigt und wenig Betriebsmittel braucht, für den ist der ERP-Gründerkredit Startgeld ideal. Bei Volumina bis 250.000 Euro nutzen wir den ‚Berlin Start‘ der Investitionsbank Berlin, der in Verbindung mit einer Bürgschaft der Bürgschaftsbank Berlin-Brandenburg vergeben wird. Ähnliche Programme werden im Übrigen auch in anderen Bundesländern angeboten. Bei Kreditsummen, die darüber hinausgehen, kommen das ERP-Kapital für Gründung und der ERP-Gründerkredit Universell in Frage. Sie merken schon: Wir arbeiten vor allem mit öffentlichen Förderprogrammen. 97 Prozent unserer Gründungsfinanzierung bestehen nur aus Förderdarlehen.

Bei älteren Gründern heißt es oft, dass Kreditinstitute etwas zurückhaltend sind. Stimmt das?

Gruner: Sagen wir so: Eine Kreditprüfung hat immer viele Facetten. Wenn ein 60-jähriger Gründer zu uns kommt, der einen Kredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren beantragen möchte, ist das finanziell gesehen für uns in der Tat ein Risiko. Und wenn wir die Laufzeit verkürzen, ist die monatliche finanzielle Belastung für Zinszahlung und Tilgung für ihn wiederum zu hoch. Andererseits haben ältere Gründerinnen und Gründer den Vorteil, dass sie sehr viel Berufs- und Lebenserfahrung mitbringen. Die haben in ihrer Branche in der Regel als ‚zweiter Mann‘ oder ‚zweite Frau‘ in einem Unternehmen gearbeitet und kennen viele Lieferanten und Kunden in der Branche. Da sind sie sicherlich den jüngeren Gründern deutlich überlegen. Die sind zwar putzmunter, Ende 20 und haben viele Ideen, werden aber vielleicht zehn Jahre brauchen, bis sie im Markt wirklich akzeptiert werden. Also da spielen immer viele Faktoren eine Rolle.

Die Frage, die wir Gründerinnen und Gründer ab 55 aber eigentlich immer stellen ist: ‚Wie soll es weitergehen, wenn Du Dein Unternehmen nach ein paar Jahren aufgebaut hast?‘ Das heißt: Wir erwarten, dass es da schon jemanden gibt, der auf die Nachfolge vorbereitet wird und das Unternehmen am Tag x übernehmen kann.

Für den Fall, dass ein Gründer von Ihnen abgelehnt wird: Teilen Sie ihm die Gründe mit?

Gruner: Ja, klar. Wenn er einen negativen Schufaeintrag hat, kann man leider nichts mehr machen. Aber wenn es nur um formale Dinge geht, geben wir ihm in der Regel noch eine Chance nachzubessern. Obwohl wir dann schon etwas vorgewarnt sind. Denn wenn einer am Anfang schon viele Fehler macht oder Dinge vergisst, kann es natürlich sein, dass er nachher als Unternehmer auch die eine oder andere wichtige Sache übersieht.

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