„Ich wollte der Bank zeigen, dass ich es ernst meine.“

Interview mit Katharina Guntermann

Portraitfoto Katharina Guntermann

Katharina Guntermann
Fräulein Burger GmbH
(Bildrechte: Sarah Heuser/HiPi)

Noch eine Gründung in der unsicheren Gastronomie. Und dann noch ein Burgerladen. Kann das gutgehen? Ja, sagte die Bank zu Katharina Guntermann und gab damit den Startschuss für ihr Unternehmen „Fräulein Burger“.

Frau Guntermann, ein Fastfood-Restaurant mitten in Berlin. Ganz schön mutig, oder?

Guntermann: Mutig ist es schon, aber die Idee war ja, nicht einfach nur ein ganz normales Fastfood-Restaurant zu eröffnen. Meine Vision war, bessere Burger zu machen. Und das erste Burger-Restaurant zu sein, das tatsächlich ausschließlich Bio-Produkte verwendet und den ökologischen Gedanken auch in solchen Dingen wie kompostierbaren Verpackungen oder Ökostrom weiterführt. Meine neun Mitarbeiter und ich bereiten jeden Burger frisch für den Gast zu, mit Gemüse und Fleisch von regionalen und ökologisch arbeitenden Bauernhöfen. Vom Ketchup bis zu den Burger-Patties aus frisch gewolftem Rindfleisch ist alles vor Ort mit Bio-Zutaten selbstgemacht.

Sie haben sich zwei Jahre lang auf Ihre Gründung vorbereitet. Warum so lange?

Guntermann: Ich wollte der Bank gegenüber nicht den Eindruck erwecken, dass das nur so eine spontane Idee ist, sondern dass ich es ernst meine und die Erfolgsaussichten realistisch einschätzen kann. Ich wusste, dass ich letztlich einen Banker überzeugen musste, um die notwendige Finanzierung zu bekommen.

Also habe ich erst einmal zwei Jahre lang in kleinen und größeren  Restaurants gearbeitet, um zu erfahren, wie hoch die Wareneinsätze sind, an was man alles denken muss. Außerdem habe ich in der Zeit Betriebswirtschaft für Systemgastronomie studiert, um mit dem ganzen Daten- und Zahlenmaterial in der Branche umgehen zu können und um meinen Businessplan zu schreiben. Ich habe mir Branchenkennzahlen besorgt und konnte auf der Grundlage ziemlich realistisch meine Kosten und Umsätze einschätzen.

Als Gründer hat man ja gerne die Vorstellung, dass mindestens 100 Gäste am Tag ins Geschäft kommen. Von daher sollte man schon wissen, mit wie vielen Kunden man tatsächlich im Durchschnitt rechnen kann. Nur so gewinnt man halbwegs festen Boden unter den Füßen. Dazu kamen dann noch die vielen praktischen Erfahrungen, die ich in den zwei Jahren gesammelt habe.

Ich hatte ein sehr fundiertes Konzept.

Wie sind Sie an das Thema Finanzierung herangegangen?

Guntermann: Ich habe mich sehr gut informiert, zum Beispiel im Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums, aber auch auf anderen Internetseiten. Ich habe mit Unternehmensberatern gesprochen und geeignete Kreditmöglichkeiten recherchiert, weil es klar war, dass ich doch eine relativ hohe Summe brauche. Da bin ich dann auch auf den ERP-Gründerkredit - Startgeld gestoßen. Der war von den Konditionen und Zinsen her genau das Richtige und die maximale Kreditsumme von 100.000 Euro hat genau dem entsprochen, was ich benötigt habe.

Das erste Gespräch mit dem Kreditberater der Bank: Wie haben Sie das in Erinnerung?

Guntermann: Als sehr positiv. Dadurch, dass ich mich gut vorbereitet hatte, bin ich da relativ sicher reingegangen. Der Kreditberater bei der Berliner Volksbank war von Anfang an überzeugt von dem Konzept und hatte im Endeffekt nur ein paar Fragen zum Standort und den Baumaßnahmen. Dadurch, dass ich größere Umbauten finanzieren musste und ein bestimmtes Design wollte, war es schon eine ganz ordentliche Summe für ein Restaurant.

Die Gastronomie ist aber doch eher eine Branche, um die viele Banken einen Bogen machen.

Guntermann: Ja, das stimmt schon. Während meiner Vorbereitungen habe ich, egal wem ich davon erzählt habe, immer zu hören bekommen: „Gastronomie? Das wird schwierig mit dem Kredit.“ Hinzu kam noch, dass ich eigentlich aus dem Kulturmanagement komme. Ich bin also eine Quereinsteigerin.

Die Tatsache, dass es trotzdem geklappt hat, hängt sicher damit zusammen, dass ich ein sehr fundiertes Konzept ausgearbeitet hatte und meine ganzen Berechnungen sehr gut nachvollziehbar waren. Von Vorteil war auch, dass es nicht bei einem kleinen Restaurant bleiben soll, sondern Filialen in mehreren Städten geplant sind.

Aber Sie hatten noch nicht einmal bankübliche Sicherheiten.

Guntermann: Ich hatte weder Haus noch Auto noch sonst irgendetwas. Aber der Gründerkredit - Startgeld ist mit einer Haftungsfreistellung verbunden. Von daher musste ich nur 20 Prozent der Kreditsumme besichern. Und die hatte ich in Form von Eigenkapital. Das waren die 25.000 Euro Gründungskapital, die ich für die Gründung der GmbH gespart hatte.

Das hört sich so an, als wenn alles reibungslos gelaufen ist. Gab es nichts, was Ihnen Kopfzerbrechen bereitet hat?

Guntermann: Doch natürlich. Das Hauptproblem waren sicherlich die Baumaßnahmen. Die Baugenehmigung hatte sich wegen der Ferienzeit um zwei Monate verzögert. Das heißt, die Handwerker konnten erst zwei Monate später anfangen. Hinzu kam, dass es sich bei dem Gebäude um einen denkmalgeschützten Altbau handelt. Da gab es auf der Baustelle fast täglich neue Überraschungen. Alles in allem konnte ich mein Restaurant erst ein halbes Jahr später als geplant eröffnen und musste aber trotzdem in der Zeit schon Miete zahlen. Da war ich öfter am Rande der Verzweiflung. Aber irgendwie hat es dann schließlich doch geklappt.

Hatten Sie für diese unvorhergesehenen Probleme einen finanziellen Puffer in Reserve?

Guntermann: Ja, ich hatte sogar eine relativ große Reserve eingeplant, und die ist dann auch komplett für die Baumaßnahmen draufgegangen. Zum Glück waren die Umsätze von Anfang an sehr gut und konnten die geringe Liquidität nach dem Bau ausgleichen.

Jetzt sind Sie ein Dreivierteljahr am Markt, wie man so schön sagt. Wie war die bisherige Anlaufphase?

Guntermann: Die war sehr gut. Eigentlich lief vom ersten Tag an schon sehr viel über Mundpropaganda. Außerdem sind die Medien sehr schnell auf mich aufmerksam geworden, was vielleicht auch am Standort liegt, weil in Berlin-Mitte viele Menschen in der Medienbranche tätig sind. Insofern habe ich das Glück, dass ich schon schwarze Zahlen schreiben kann.

Und wie soll es weitergehen?

Guntermann: Ich werde mir jetzt erst einmal zwei Jahre Zeit geben, um mein Unternehmen auf ein festes Fundament zu stellen. Dann ist ein zweites Restaurant in Berlin geplant. Und danach, wenn alles gut läuft, wird es „Fräulein Burger“ nach und nach vielleicht auch in anderen Städten geben.

„Man muss sich Zeit nehmen, den Businessplan selbst schreiben, die Zahlen verstehen und sich in der Branche gut auskennen.“

Dr. Alexander von Frankenberg über die Finanzierungskonditionen

Bildrechte: Sarah Heuser/HiPi

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