Existenzgründung

BMWi-Expertenforum

Als Existenzgründerin und Existenzgründer hat man täglich mit neuen Fragen zu tun.

Die Experten des BMWi-Expertenforums beantworten Ihre Frage und weisen Ihnen den weiteren Gründungsweg. In unserem eMagazin stellen wir Ihnen jeweils einen der über 40 Experten vor.

German Drechsler

German Drechsler ist Geschäftsführer der THINK Unternehmensentwicklungs-GmbH und Mitglied im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Gemeinsam mit den Partnern der THINK-Gruppe berät er seit fast 20 Jahren kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von der Gründung, über die Wachstumsphase bis hin zur Krisenberatung und Nachfolgeregelung. German Drechsler ist u.a. zertifizierter Unternehmensberater CMC/BDU, ehrenamtlicher Handelsrichter, Wirtschaftsautor und als Gründungscoach und Runder-Tisch-Berater der KfW Bankengruppe für KMU tätig. Im Rahmen von Veranstaltungen und Webinaren der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel mbH engagiert er sich besonders für Existenzgründerinnen und –gründer, u.a. als Coach bei Beratungsgesprächen und als Referent für betriebswirtschaftliche Themen. Im Jahr 2006 war er darüber hinaus Bundesvorsitzender der „Wirtschaftsjunioren Deutschland“ (WJD).

Im BMWi-Expertenforum beantwortet er Fragen zu:
- Strategieentwicklung
- Finanzierung und Bankenverhandlung
- Vertriebsaufbau und -durchführung
- Marketingberatung
- Managementberatung
- Organisationsberatung (Arbeitsabläufe, Zeit- und Selbstmanagement usw.)

Wir stellen Ihnen hier einige Fragen vor, die von German Drechsler im BMWi-Expertenforum beantwortet wurden. Weitere bereits beantwortete Fragen finden Sie in der Rubrik „Unternehmensführung“ des BMWi-Expertenforums. Dort haben Sie darüber hinaus die Möglichkeit, Ihre Frage an Herrn Drechsler oder an einen der anderen Experten zu stellen.

Bildrechte: THINK Unternehmensentwicklungs GmbH

 

FrageMein Vater ist seit einigen Jahren selbständig, macht seine Preise aber nach "Gefühl". Ich würde nun gerne wissen, wie wir unsere Preise richtig kalkulieren können. In erster Linie bringen die Leute Messer, Scheren, Sägeblätter u.ä. zu uns und wir schärfen sie dann. Wie können wir akzeptable Preise festlegen, damit wir Gewinne erwirtschaften, aber die Preise auch nicht so hoch sind, dass ein Neukauf günstiger wäre?


Antwort

Zunächst ist es fürwahr nicht ganz so optimal, die Preise nach "Gefühl" zu machen, birgt dies doch mitunter die Gefahr, dauerhaft nicht kostendeckend zu arbeiten, mit all den daraus resultierenden Konsequenzen. Insoweit ist Ihr Ansatz, die Preise auf Basis einer echten Kalkulationsgrundlage zu ermitteln, genau der Richtige und wir möchten Ihnen nachfolgend einen ersten - einfachen - Ansatz an die Hand geben.

Um nunmehr festzustellen, ob Sie zu Marktpreisen einen Gewinn erwirtschaften, sind zunächst die eigenen betrieblichen Kosten im Detail festzustellen. Dazu gibt es eine Vielzahl von Planungsinstrumenten, z.B. zu finden unter der Rubrik Gründungsplanung.

Wichtig ist, dass Sie keine Kosten vergessen und dabei auch an den "Unternehmerlohn" bzw. die Privatentnahme Ihres Vaters denken, inkl. einem kleinen Puffer für "Unvorhergesehenes" und etwaige Investitionen, denn die verwendeten Maschinen zur Schärfung unterliegen ja auch einer "Abnutzung" und müssen irgendwann einmal erneuert, repariert, erweitert etc. werden.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass mit dem Unternehmerlohn/Privatentnahmen alle privaten Kosten von Lebenshaltung über Versicherungen bis hin zu etwaigen Darlehensraten gedeckt werden müssen und das mit zu erwirtschaften ist.

Wir empfehlen, dass Sie sowohl die betrieblichen als auch die privaten Kosten anhand der Kontoauszüge und des Kassenbuchs eines kompletten Jahres ermitteln.
Gleichen Sie diese zusätzlich mit den Buchhaltungskonten/-unterlagen ab. Damit sollten die Gesamtkosten tatsächlich vollständig erfasst sein.

Wenn Sie die Gesamtkosten ermittelt haben, dann können Sie diese auf zu erwirtschaftende Tages- bzw. Stundenkosten herunter brechen. Bitte beachten Sie dabei, dass Sie vorher "freie" Tage (Wochenende, Feiertage, Urlaub, Puffer Krankheit etc.) und unproduktive Zeiten (Mittagspausen, Kundengespräche, Instandhaltung Maschinen, Büroarbeiten, Einrichtungs-/Umrüstzeiten etc.) berücksichtigen bzw. heraus rechnen. Das Ziel ist herauszufinden, wie viele - kalkulatorische - Produktivstunden pro Tag zur Verfügung stehen.

So könnte es z.B. sein, dass max. 200 abrechenbare Arbeitstage (in Ihrem Bundesland 2013 = 251 Arbeitstage abzgl. wie vorgenannt) zur Verfügung stehen und an jedem dieser Tage z.B. max. 5 Produktivstunden. Also dann auf das Jahr bezogen rund 1000 Stunden. Wenn Sie dann die jährlichen Gesamtkosten durch diese Stunden teilen, dann wissen Sie schon mal grob, welche Kosten pro Produktivstunde erwirtschaftet werden müssen.

Stellen Sie danach fest, wie viele Schärfungen durchschnittlich pro Jahr/Monat/Tag (mit der aktuellen Tendenz nach oben oder unten!) durchgeführt werden, z.B. über die Rechnungen. Wie viel Zeit wurde dafür jeweils benötigt und was wurde dabei durchschnittlich pro Schärfung in Rechnung gestellt? Zusätzlich sollten Sie vorher auch ermitteln, wie viel an etwaigen "Materialeinsatz" pro Schärfung entsteht. Danach haben Sie schon mal einen durchschnittlichen Tages-/Stundenumsatz und abzüglich den etwaigen Materialeinsatz einen groben "Rohertrag".

Um dies an einem Bespiel grob deutlich zu machen: Wenn Sie nach der Auswertung zu dem Ergebnis kommen, dass für eine Schärfung durchschnittlich 15 Min. gebraucht werden und dafür jeweils durchschnittlich 10 Euro (netto) in Rechnung gestellt wurden, dann würde das einen max. Stundenumsatz von 40 Euro bedeuten. Unterstellen wir nun einmal mögliche/kalkulatorische tägliche 5 Produktivstunden, dann wären das max. 200 Euro Umsatz pro Tag abzgl. z.B. 10% Materialeinsatz = 180 Euro Rohertrag, den Sie dann zur Deckung der - vorher ermittelten - Tageskosten zur Verfügung hätten.

Sind nun z.B. die Tageskosten aber bei 250 Euro, dann würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass Sie pro Stunde rund 56 Euro erwirtschaften müssten (56 Euro/Stunde x 5 Stunden = 280 Euro Umsatz abzgl. 10% Materialeinsatz = 252 Euro Rohertrag) und insoweit eine Schärfung durchschnittlich 14 Euro (Netto) kosten müsste.

So können Sie dann grob mit Ansatz der tatsächlich möglichen Produktivstunden den notwendigen Stundenverrechnungssatz berechnen, um Ihre vorher ermittelten Kosten auch tatsächlich zu decken.

Sie erkennen dann auch ziemlich schnell, wie gut oder schlecht Ihre Auslastung ist. So könnte es dann z.B. auch sein, dass Sie zwar die 5 Produktivstunden am Tag - kalkulatorisch - zur Verfügung haben, derzeit aber "nur" durchschnittlich 3 Stunden abgerechnet werden können. Dann müssten Sie entweder die Preise für eine Schärfung entsprechend erhöhen oder die Auslastung erhöhen oder die Kosten senken!

Dies bedeutet mitunter jedoch auch im Umkehrschluss, dass der Preis umso geringer sein kann, je höher die Auslastung ist. Wenn Sie z.B. tatsächlich derzeit schon 6 Stunden durchschnittlich pro Tag abrechnen. Dies würde dann im Ergebnis bedeuten: Liegt der ermittelte Preis für eine Schärfung über dem eines Neukaufs, sind zwei Dinge zu prüfen: "Ob und wo können Kosten eingespart werden?" und "Wie kann die Absatzmenge erhöht werden?"

Darin liegt letztlich die Entscheidung die Selbständigkeit fortzuführen, auf eine Nebenbeschäftigung zu kürzen oder sie ggf. auch gänzlich aufzugeben.

Wir empfehlen Ihnen, auf jeden Fall mit dem Steuerberater zu sprechen, der die wirtschaftliche Situation des Unternehmens gut kennen sollte und Ihnen sicherlich noch weiterführende gute Tipps zu diesem Thema geben kann.

Quelle: German Drechsler
THINK Gruppe, BDU
THINK Unternehmensentwicklungs GmbH

November 2013

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FrageIch habe im September 2013 ein Gewerbe angemeldet und werde dann hoffentlich nächste Woche endlich meinen Onlineshop publizieren können, den ich von meiner privaten Wohnung aus betreiben werde. Ich habe mich bei meiner bisherigen Rechtsschutzversicherung um Tarife für Selbständige erkundigt und bin nun sehr unschlüssig, ob ich den Tarif der privaten Rechtsschutzversicherung kündigen und den Tarif für Selbständige wählen soll, da dieser dann mit über 400 Euro pro Jahr dreimal so teuer wäre wie der jetzige. Halten Sie es für eine "Pflicht" als Selbständige eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen oder kann ich mir das sparen?


Antwort

In der Tat ist eine Rechtschutzversicherung keine Pflichtversicherung, jedoch gibt es natürlich für Selbständige eine Reihe von Risiken, die zu Rechtsstreitigkeiten und damit zu unkalkulierbaren Kosten führen können. Als Onlineshop-Betreiber können z.B. Abmahnungen zu einem teuren Rechtsstreit führen.

Gleichwohl gibt es aber auch viele Selbständige und kleine Unternehmen, die gänzlich ohne Rechtsschutzversicherung auskommen - insbesondere dann, wenn keine Arbeitnehmer beschäftigt werden oder keine klassischen "Werkverträge" abgeschlossen werden etc.

Daneben stellt sich auch immer die Frage, welches etwaige Risiko mit einer Rechtschutzversicherung abgedeckt werden soll - denn dann stellt sich auch weitergehend die Frage, ob es eine umfängliche Police sein muss oder nur bestimmte Risiken abgedeckt werden müssen, z.B. bei einer Verkehrsrechtsschutz.

Für Sie gilt es daher, sich im ersten Schritt über Ihre konkreten Risiken klar zu werden und dann zu entscheiden, ob jedes einzelne Risiko nach Ihrer Ansicht hoch genug ist, um es zu versichern bzw. welche unbedingt versichert werden sollten. Wenn Sie eben z.B. keine Arbeitnehmer dauerhaft einstellen, dann brauchen Sie hier auch keine Rechtsschutzversicherung!

Danach sind auf jeden Fall Angebote von verschiedenen Versicherungsgesellschaften einzuholen, um sich ausführlich über die Prämienhöhe und die Konditionen zu informieren - ggf. sollten Sie dazu auch externe Hilfe zu Rate ziehen, denn die Besonderheiten liegen oft im "Kleingedruckten".

Dazu auch das Stichwort "Ausschlüsse": Bei jeder Versicherungsgesellschaft gibt es zu jeder Versicherung Ausschlüsse von bestimmten Rechtsfällen, die im konkreten Schadensfall zu "bösen Überraschungen" führen können.

Des Weiteren werden niedrige Prämien oft indirekt mit hohen Selbstbeteiligungskosten und/oder (zu) langen Vertragslaufzeiten finanziert.

Suchen Sie nach Rechtsschutzversicherungen mit einer kurzer Laufzeit von maximal einem Jahr und ohne bzw. mit einer geringen Selbstbeteiligung.

Fakt ist auf jeden Fall, dass der Versicherungsmarkt für den "Normalmenschen" sehr unübersichtlich ist und direkte Vergleiche aufgrund der Verschiedenartigkeit der Angebote kaum selbst machbar sind. Und "Rechtsschutzversicherung" ist halt nicht gleich "Rechtsschutzversicherung" - insoweit kann auch keine pauschale Aussage getroffen werden, ob Sie eine Rechtschutzversicherung - speziell für Selbständige - überhaupt brauchen, welche Art der Rechtsschutzversicherung Sie brauchen (also welcher Sachverhalt versichert sein soll) und was eine angemessene Prämie dafür ist!

Daher empfehlen wir, sich nicht allein auf Ihre bisherige Versicherungsgesellschaft und das vorliegende Angebot zu verlassen, sondern einen unabhängigen Versicherungsmakler oder Versicherungsberater zu Rate zu ziehen.

Dieser wird Sie umfassend beraten und Ihnen die Angebote der verschiedenen Versicherungsgesellschaften im Detail erläutern - ohne Ihnen ein bestimmtes Produkt verkaufen zu müssen (sei es wegen der Abschlussprämie oder auch die Erfüllung von Abschlussvorgaben). Ggf. wird für die Beratung eine abschlussunabhängige Gebühr erhoben. Diese kostet Sie aber weniger als eine nicht auf Ihre Wünsche und Risiken angepasste Versicherung.

Quelle: German Drechsler
THINK Gruppe, BDU
c/o THINK Unternehmensentwicklungs GmbH

Oktober 2013

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FrageIch studiere Geschichte und Archäologie. Neben meinem Studium möchte ich gerne als Teilzeitunternehmer tätig werden. Das Unternehmen soll sich mit dem Verkauf von E-Books befassen. Dies soll alles über das Internet stattfinden. Wie muss ich vorgehen, um E-Books verkaufen zu können? Wie und wo kann ich bereits bekannte E-Books (z.B. E-Books aus der Weltliteratur) für den Verkauf erwerben? Wissen Sie, wo ich mich darüber informieren kann?


Antwort

Ihrer Frage entnehme ich, dass Sie sich noch nicht intensiv mit dem Gründungsvorhaben befasst haben. Ich empfehle Ihnen dringend, einen vollständigen Businessplan zu erstellen - auch wenn Sie die selbständige Tätigkeit nur in Teilzeit ausüben möchten. Darin ist u.a. die Frage nach dem Einkauf zu behandeln - diese Kostenposition wird den größten Posten in Ihrer Kalkulation ausmachen. Noch größere Risiken sehe ich allerdings im Bereich Verkauf - wer sind Ihre Kunden genau und warum sollten diese nicht z.B. bei Amazon oder anderen großen Anbietern einkaufen? Reicht Ihr geplantes Marketing aus, um einen Kundenstamm aufzubauen? Wie hoch ist der Investitions- und Kapitalbedarf? Zusammengefasst sollten Sie also erst ermitteln, ob eine Gewinnerzielung überhaupt möglich ist, BEVOR Sie Geld in eine Selbständigkeit investieren.

Ihre Frage: Wie muss ich vorgehen, um E-Books verkaufen zu können?
Da sie selbständig tätig werden, ist die Beantragung eines Gewerbescheins beim Gewerbeamt der für Ihren Betriebssitz zuständigen Stadt oder Gemeinde zwingend. Dieser kostet je nach Gemeinde zwischen 15 - 60 Euro. Vom Finanzamt erhalten Sie automatisch einen Fragebogen vom Finanzamt zur steuerlichen Erfassung. Da Sie aufgrund der Nebentätigkeit nur geringe Umsätze generieren werden, können Sie die s.g. Kleinunternehmerregelung wählen. Mit dieser müssen Sie Mehrwertsteuer weder ausweisen noch abführen. Beim Kleinunternehmer ist Brutto gleich Netto. Auf Rechnungen müssen Sie den Kunden darauf hinweisen, da dieser die Mehrwertsteuer nicht vom Finanzamt zurückfordern kann. Den Gewinn versteuern Sie bei einem Einzelunternehmen über Ihre Einkommensteuererklärung. Evtl. wird noch Gewerbesteuer fällig - jedoch gibt es als Einzelunternehmer einen Freibetrag von 24.500 Euro. Alle diesbezüglichen Fragen sollten Sie mit Ihrem Steuerberater klären.

Ihre Frage: Wie und wo kann ich bereits bekannte E-Books (z.B. E-Books aus der Weltliteratur) für den Verkauf erwerben? Wissen Sie, wo ich mich darüber informieren kann?
Als Unternehmer können Sie E-Books z.B. über Großhändler oder (Fach-)Verlage beziehen. Grenzen Sie die Suche nach dem geplanten Segment ein und suchen Sie sich die entsprechenden Adressen über das Internet heraus. Damit können Sie sich einen ersten Überblick über das Angebot verschaffen und anschließend direkt den Kontakt zu möglichen Lieferanten aufnehmen.
Für Brancheninfos und weitergehende Informationen bieten sich Fachverbände an, z.B. der "Börsenverein des Deutschen Buchhandels".

Quelle: German Drechsler
THINK Gruppe, BDU
c/o THINK Unternehmensentwicklungs GmbH

Juni 2013

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