„Je professioneller ich ein Unternehmen gründe und voranbringe, desto leichter wird mein Alltag. Ganz gleich, ob ich nebenberuflich oder hauptberuflich selbständig bin.“

Interview mit Gaby Lingath, Link SEO – Suchmaschinenoptimierung

Für sie war es ein unternehmerischer Testlauf: Die Diplom-Designerin Gaby Lingath hatte sich zunächst neben ihrer Festanstellung beruflich selbständig gemacht. Ein Jahr später wurde sie zur Vollzeitunternehmerin. Inzwischen ist sie mit ihrem jungen Unternehmen im Online-Marketing erfolgreich.

Frau Lingath, Sie sind seit 2010 Vollzeit-Unternehmerin, haben aber bereits ein Jahr zuvor im Nebenerwerb mit Ihrer Selbständigkeit begonnen. Warum?

Lingath: Ich muss zunächst sagen, dass ich bereits in den Neunzigerjahren im Marketingbereich freiberuflich tätig gewesen bin und das auch sehr geschätzt habe. Aber als ich dann ein Kind erwartete, habe ich die finanzielle Sicherheit vermisst und daher eine Festanstellung mit regelmäßigem Einkommen bevorzugt. Das Problem war, dass es dann, in den 2000er Jahren, nachdem die „Internetblase“ geplatzt war, viele befristete Arbeitsverträge im Online-Marketing gab. Der häufige Arbeitsplatzwechsel war auf die Dauer zermürbend. Was gut war: Ich habe damals festgestellt, dass mir Online-Marketing sehr liegt und konnte mir gut vorstellen, in diesem Bereich selbständig zu arbeiten.

Trotzdem sind Sie erst einmal mit „halber Kraft“ gestartet.

Lingath: Ja, schließlich ist so ein Schritt in die berufliche Selbständigkeit immer auch ein finanzielles Risiko. Und wenn dann die Verantwortung für Kinder hinzukommt, geht man da besonders vorsichtig heran. Deshalb habe ich eine auf ein Jahr befristete 20-Stundenstelle angenommen, um einerseits finanziell abgesichert zu sein und andererseits genug Zeit zu haben, um meine Selbständigkeit aufzubauen. Meinem Arbeitgeber hatte ich bereits beim Unterschreiben des Arbeitsvertrages gesagt, dass ich mich nebenberuflich selbständig machen werde. Er hat dann auch sein Einverständnis erklärt, so dass ich am selben Tag beim Finanzamt eine Steuernummer für meine freiberufliche Tätigkeit beantragt habe.

Wie haben Sie sich dann auf die Gründung vorbereitet? Sie hatten ja schon Erfahrungen aus Ihrer früheren Selbständigkeit.

Lingath: Ich habe trotzdem fast alles an Informationsangeboten in Anspruch genommen, was es 2009 und 2010 für Gründer gab. Ich bin zur Gründermesse deGUT in Berlin gegangen und habe mich mit ganz vielen Leuten unterhalten: ob mit der „Gründerinnenzentrale“ oder Vertreterinnen der bundesweiten gründerinnenagentur. Ich habe einen Existenzgründungskurs besucht und meinen Businessplan bereits 2009 geschrieben. Perspektivisch stand bei mir immer die hauptberufliche Gründung im Mittelpunkt. Und deshalb war es ganz wichtig für mich, von vornherein strategisch zu planen und mich mit meinen Fähigkeiten, Fertigkeiten, den Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen und dann zu sehen: Was habe ich? Was kann ich in mein Business hineingeben? Und was fehlt mir? Ich habe mir damals natürlich auch den Arbeitsmarkt angesehen und gemerkt, wie gut ich ausgebildet war und was ich zu bieten hatte – vor allem im Online-Marketing. Dann habe ich überlegt: Wo ist die Marktnische, in die ich am einfachsten und mit geringen Mitteln in den Markt einsteigen kann? Wo ist der Wettbewerb noch nicht so groß? Womit kann ich mich am ehesten profilieren? Im Ergebnis habe ich mich dann für die Suchmaschinenoptimierung, SEO, entschieden. Damit habe ich 2009 angefangen. In meinem Businessplan habe ich dann mein Konzept weiterentwickelt, mit dem Ziel, aus meinem Teilzeit-Unternehmen ein Vollzeit-Unternehmen zu machen. Mittlerweile biete ich auch SEO und Social-Media-Beratung an und bin als Referentin tätig.

Im Herbst 2010 kam dann der Wechsel in die hauptberufliche Selbständigkeit. Haben Sie dazu noch zusätzliche Beratung in Anspruch genommen?

Lingath: Erst einmal nicht, aber im Verlauf des ersten Jahres als Vollzeitselbständige gab es doch Fragen, bei denen ich an meine Grenzen gestoßen bin. Zum Beispiel, ob die Kleinunternehmerregelung bezüglich der Umsatzsteuer für mich sinnvoll ist oder nicht. Ich hatte auch Schwierigkeiten bei der Preisgestaltung, die sich anfangs verheerend auf den gesamten Umsatz ausgewirkt haben. Oder auch die Fragen der Haftpflichtversicherung und nicht zuletzt die der Absicherung fürs Alter. Ich habe einfach gemerkt, dass es wichtig war, mein Unternehmen nicht allein voranzutreiben, sondern sich von kompetenten Coaches oder Beratern begleiten zu lassen. Obwohl ich zuerst eigentlich gedacht hatte, dass ich es allein schaffe. Schließlich bin ich gelernte Kauffrau, habe einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre und habe in England Management studiert. Aber in der Gründungsphase kommen doch sehr viele Fragen auf, so dass es wichtig ist, sich rechtzeitig Unterstützung zu suchen. Ich habe also zum Beispiel auf Informationsveranstaltungen für Gründer immer geschaut, wer mir sympathisch ist und wer mich weiter begleiten könnte und habe mir auf diese Weise meine Coaches, Berater und Beraterinnen gesucht. Und so mache ich es heute noch. Es ist mir einfach wichtig, dass auch von außen ein Blick auf das Unternehmen geworfen wird.

Sie sind jetzt schon einige Jahre erfolgreich selbständig. Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen?

Lingath: Empfehlen kann ich das Gründercoaching Deutschland der KfW, um damit die Kosten für ein begleitendes Coaching zu finanzieren. Außerdem sollte man die vielen Informations- und Beratungsangebote nutzen. Es wird gerade in der Gründerszene viel Wissen vermittelt. Das hilft Fehler zu vermeiden.
Ich denke, wer seine Energie und sein Wissen zu 100 Prozent in sein Geschäft investiert, hat viel schneller Erfolg als jemand, der sich zurücklehnt und sagt: Ich habe ja noch ein Einkommen, da ist es nicht so schlimm, wenn es schiefgeht.
Ein gewisses kaufmännisches Verständnis ist eine gute Grundlage, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen. Grundlagen des Marketings sind auch sehr wichtig: Wie steige ich in den Markt ein? Wer sind meine Kunden und wie erreiche ich sie? Und dann die entscheidende Frage: Möchte ich langfristig tatsächlich nebenberuflich selbständig bleiben? Es ist doch so: Je professioneller ich ein Unternehmen gründe und voranbringe, desto leichter wird mein Alltag. Wenn ich es schaffe, bestimmte Fehler zu vermeiden, dann habe ich einen ruhigeren Alltag. Ganz gleich, ob ich nebenberuflich oder hauptberuflich selbständig bin.

Bildrechte: Miriam Tamayo

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