„Wir haben beide schulpflichtige Kinder und wollten daher ein kleines überschaubares Lokal, das nur an bestimmten Tagen geöffnet ist.“

Interview mit Susan Bach und Christina Walk

Portraitfoto Christina Walk

Christina Walk
LaTaparia
(Bildrechte: privat)

Spanische Leckereien, kurz: Tapas, bieten Susan Bach und Christina Walk in ihrer „LaTaparia“ an. Ihr Lokal haben Sie nur an bestimmten Tagen im Jahr geöffnet, damit noch genug Zeit für die Familie bleibt.

Frau Bach, Sie haben zusammen mit Ihrer Freundin, Christina Walk, im Frühjahr 2013 die „LaTaparia“ gegründet. Wie kamen Sie auf die Idee?

Bach: Wir kochen beide sehr gern und besuchen auch Kochkurse. Irgendwann hatte Christina dann die Idee, ein kleines Lokal zu eröffnen und Tapas anzubieten. Wir haben also unser Hobby zum Beruf gemacht. Und weil wir beide große Familien mit schulpflichtigen Kindern haben, wollten wir kein Restaurant mit täglichen Öffnungszeiten, sondern ein kleines überschaubares Lokal, das nur an bestimmten Tagen im Jahr geöffnet ist. Dabei soll es übrigens auch bleiben.

Wie sahen Ihre ersten Schritte aus?

Walk: Wir haben mit einem Brainstorming angefangen und uns Antworten auf die klassischen fünf W-Fragen überlegt. Also: Was wollen wir verkaufen? Wo wollen wir unsere Taparia eröffnen? Wie sieht unsere Zielgruppe aus? Wer hilft uns dabei? Wie finanzieren wir unser Vorhaben? Auf dieser Basis haben wir dann im Internet weiter nach Informationen recherchiert und zum Beispiel festgestellt, dass es hier in Emmendingen noch gar kein spanisches Lokal gab.

Sie haben die Vorbereitung auf Ihre Teilzeitgründung sehr ernst genommen.

Bach: Ja, absolut. Gerade im Lebensmittel- und Gastronomiebereich gibt es sehr viele Auflagen, von der Gesundheitsschulung bis hin zur Abnahme der Küche durch das Gesundheitsamt. Wenn da irgendwas nicht stimmt, erhält man keine Genehmigung. Von daher sind wir sehr sorgfältig vorgegangen und haben auch ein Existenzgründungsseminar der Industrie- und Handelskammer Emmendingen besucht. Zugute kamen uns aber auch unsere beruflichen Erfahrungen. Ich bin auf Grund meiner vorherigen Berufstätigkeit ziemlich fit in Sachen Organisation, Online-Recherche und überhaupt im Umgang mit Computern. Und Christina Walk kümmert sich als Betriebswirtin um alle kaufmännischen und finanziellen Fragen und hält den Kontakt zum Finanzamt.

Mussten Sie für die Finanzierung einen Kredit aufnehmen?

Walk: Nein. Das wollten wir auch nicht. Wir mussten zwar einiges in die Küchenausstattung investieren, aber das konnten wir aus eigener Tasche finanzieren. Außerdem brauchen wir für unsere Taparia keine Miete zu bezahlen, weil wir einen privaten Raum und Innenhof nutzen können. Darüber hinaus haben wir sehr viel selber gemacht, um Kosten zu sparen: alte Möbel aufpoliert, restauriert und neu gestrichen, so dass unser Hof jetzt mit alten Fässern und alten Möbeln ausgestattet ist und eigentlich voll und ganz unseren Vorstellungen einer gemütlichen spanischen Taparia entspricht.

Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie in Ihrer LaTaparia?

Bach: Das hängt von der Jahreszeit ab. Jetzt haben wir gerade Winterpause, weil unsere Taparia keine Heizung hat. Von April bis Oktober ist dann in Emmendingen wieder Veranstaltungssaison, und dann werden wir unsere Öffnungszeiten mit den Veranstaltungsterminen koppeln. In diesem Zeitraum ist jede von uns etwas fünf Stunden pro Woche für unser Lokal auf den Beinen. Je nach Veranstaltung kann es auch mehr sein. Hinzu kommt noch der Cateringservice, den wir anbieten. Je nach Auftrag kommt da noch einiges an Stunden dazu.

Portraitfoto Susan Bach

Susan Bach
LaTaparia
(Bildrechte: Alex Jung)

Wie machen Sie Kunden auf sich aufmerksam?

Walk: Wir haben in vielen Geschäften Flyer ausgelegt. An dem Tor zu unserem Taparia-Hof haben wir einen Anschlag, auf dem steht, wann wir wieder geöffnet haben. Da geht viel Laufkundschaft vorbei. Außerdem lassen wir gerade eine eigene Internetseite aufbauen, bei der uns mein Mann unterstützt. Das wäre sonst zu teuer für uns gewesen.

Haben Sie den Eindruck, dass die Kunden auf Ihre Werbemaßnahmen reagieren?

Bach: Ja, und wir merken auch, dass sich unser Angebot in der Stadt herumspricht und vor allem die „gehobene“ Kundschaft anzieht. Unsere Kunden sind begeistert von der Qualität des Essens und erzählen das weiter. Wir haben sogar schon Stammgäste. Von daher sind wir ganz zufrieden.

Haben Sie auch Mitarbeiter?

Walk: Unsere Familien helfen uns, ohne die würden wir das gar nicht schaffen. Unsere Kinder sind im Teenageralter und finden unsere Idee klasse. Und unsere Männer unterstützen uns auch. Wir schreiben vor jedem Arbeitseinsatz immer eine Liste und verteilen die Aufgaben: die einen spülen ab, die anderen räumen die Tische ab usw.

Ist Ihr Plan aufgegangen, trotz Selbständigkeit noch ausreichend Zeit für die Familie zu haben?

Bach: Unter dem Strich ja. Aber wenn wir zum Beispiel Samstag und Sonntag geöffnet haben, verbringen wir vorher viel Zeit mit der Zubereitung. Wir sind dann fünf Tage nur mit Kochen und Einkaufen beschäftigt. Das wird für die Familien natürlich etwas eng. Aber insgesamt hält es sich in Grenzen, es ist noch überschaubar.

Haben Sie mit Ihren Familien einen Plan gemacht, um die Aufgaben im Haushalt aufzuteilen?

Walk: Bei mir hat sich das so ergeben, dass ich gesagt habe: ‚Hört zu, an diesem Wochenende habe ich keine Zeit. Ihr müsst den Hund versorgen. Um euer Essen müsst ihr euch auch selber kümmern. Entweder kommt ihr zu uns in die Taparia oder ihr macht euch selbst was.‘ Das ist kein Problem.

Bach: Bei mir ist es genauso. Meine Familie weiß, dass es kein großes Mittagessen gibt, wenn wir in unserer Taparia sind.

Wie waren Ihre bisherigen Erfahrungen? Auf was sollten andere Teilzeitgründer besonders achten?

Bach: Die Höhe der Umsätze ist sehr unterschiedlich. Wir haben zum Beispiel an dem einem Samstag sehr hohe Umsätze gemacht und an dem darauffolgenden Samstag nur sehr niedrige. Wir können auch nicht sagen, woran das liegt. Von daher sollte man nicht zu blauäugig herangehen. Man kann nicht damit rechnen, dass der Umsatz gleich hoch bleibt. Man muss sich auch Zeit geben, bis man in die schwarzen Zahlen kommt und die Einnahmen alle laufenden Kosten decken.

Walk: Wichtig ist auch, dass man sich vorab ausreichend informiert und überlegt, ob man Kapital benötigt, wie hoch die Kosten sind, was an Investitionen auf einen zukommt. Außerdem sollte man unbedingt Geduld mitbringen. Im ersten Jahr kann man einfach noch keinen Riesenumsatz erwarten. Aber man sollte Vertrauen in die eigene Qualität haben, denn die spricht sich herum. Am Anfang heißt es einfach: Durchhalten! Und das schafft man nur, wenn man Spaß an dem Ganzen hat.

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