Existenzgründung

BMWi-Expertenforum

Als Existenzgründerin und Existenzgründer hat man täglich mit neuen Fragen zu tun.

Hilfestellung und Orientierung bietet hier das BMWi-Expertenforum. Die Expertinnen und Experten beantworten Ihre Frage und weisen Ihnen den weiteren Gründungsweg. In unserem eMagazin stellen wir Ihnen jeweils einen der über 40 Experten vor.

Joachim Brüser

Joachim Brüser ist Inhaber der Unternehmensberatung Brüser BDU - Beratung zur Unternehmensentwicklung. Nach einer Banklehre und einem BWL-Studium hat er mehrere Jahre in Kreditabteilungen von Banken und bei einem Bankenverband als Berater für Vorstände gearbeitet. Er begleitet sowohl Neugründungen als auch Betriebsübernahmen. Kleine und mittelständische Betriebe und Unternehmen berät er bei der Weiterentwicklung ihrer Unternehmenskonzepte, bei Finanzierungsfragen und bei geplanten Nachfolge-Regelungen. Die Unternehmensberatung Brüser BDU wird in der Empfehlungsliste für Berater der KfW-Bankengruppe geführt.

Im BMWi-Expertenforum beantwortet er Fragen zu den Themen

- Unternehmenssuche/Käufersuche
- Unternehmensbewertung
- Möglichkeiten der Eigentumsübertragung
- Business-Plan für eine Übernahme
- Kaufpreis-Finanzierung

Wir stellen Ihnen hier einige Fragen vor, die von Joachim Brüser im BMWi-Expertenforum beantwortet wurden. Weitere bereits beantwortete Fragen finden Sie in der Rubrik „Unternehmensnachfolge“ im BMWi-Expertenforum.

 

FrageMuss man bei einem Unternehmenskauf die ursprünglichen Markterschließungskosten dem jetzigen Besitzer bei der Übernahme zurückbezahlen?


Antwort

Selbstverständlich muss man nicht (separat) irgendwelche Markterschließungskosten an den Verkäufer eines Betriebes / einer Praxis bezahlen. Eine sehr einfache Überlegung ist ja aus Ihrer Sicht: Ob diese speziellen Aufwendungen überhaupt sinnvoll und zielführend waren, ist von Ihnen nicht mehr beeinflussbar. Und für unsinnige Maßnahmen würden Sie ohnehin kein Geld bezahlen.

Viel wichtiger aber ist grundsätzlich (und dies ist auch Inhalt zahlreicher Beiträge hier im Portal): Auch für eine Physiotherapiepraxis wird der Wert bzw. der Übernahmepreis durch den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg - im Klartext vom zu erzielenden Betriebsergebnis - bestimmt.

Letztlich fließen hier ja auch frühere Markterschließungskosten des bisherigen Inhabers ein: Hat er die Praxis gut am Markt etablieren können? Hat er ein stabiles Netzwerk an Zuweisern? Gibt es regelmäßige Kooperationen? Wird die Praxis auch von Patienten empfohlen? Dann werden die Honorareinnahmen und die ausgewiesenen Überschüsse "stimmen". Und dann lässt sich ein Praxiswert ermitteln, der sowohl für den alten Inhaber, wie auch für Sie als interessierte Nachfolgerin fair ist.

Ich erlaube mir den Zusatzhinweis: Bitte lassen Sie sich dazu unbedingt beraten und unterstützen, eine solche Transaktion inkl. der Kaufpreis-Finanzierung ist durchaus anspruchsvoll und hat nichts mit Ihrer Fach-Qualifikation zu tun.

Quelle: Joachim Brüser
Unternehmensberater CMC/BDU

Januar 2014

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FrageDerzeit plane ich den Unternehmenskauf einer Nachhilfeschule (Einzelunternehmen bei der IHK als Nachhilfeunterricht, Gewerbe, angemeldet). Nun bin ich auf der Suche nach einem Umsatzmultiplikator bzw. Erfahrungssatz für diese Branche.


Antwort

Ein Umsatzmultiplikator ist definitiv nicht der richtige Ansatz für die Ermittlung oder Überprüfung des Unternehmenswertes (er genügt im Übrigen auch nicht als Vorlage bei einer Bank für die Kaufpreisfinanzierung). Wie hier im Portal schon häufig ausgeführt: Benötigt wird eine Unternehmenswertermittlung nach dem Ertragswertverfahren - dabei steht das nachhaltige Betriebsergebnis (der Gewinn) im Mittelpunkt und nicht der Umsatz.

Wenn Sie vorab eine überschlägige Berechnung zur Überprüfung der Kaufpreisvorstellung des jetzigen Inhabers anstellen möchten: Durchschnittlicher Gewinn der letzten drei Jahre ./. kalkulatorisches Jahreseinkommen für den Inhaber (bei einem Einzelunternehmen zahlt sich der Inhaber eben kein echtes Gehalt, das was er als Privatentnahme tätigt, muss also in anderer Form berücksichtigt werden).

Damit haben Sie dann zumindest geklärt, was an Überschuss noch zur Verfügung steht, um damit die Kaufpreisfinanzierung sicherzustellen (Zinsaufwand + Tilgung).

Quelle: Joachim Brüser
Unternehmensberater CMC/BDU

November 2013

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FrageIn ein paar Jahren möchte ich gerne die Apotheke meines Chefs kaufen. Haben Sie einen Tipp, wie eine Vereinbarung hierzu zum jetzigen Zeitpunkt aussehen könnte - ggf. auch wo ich weitere Informationen zu diesem Thema finde? Würden Sie ein Vorkaufsrecht empfehlen oder gibt es andere Möglichkeiten? Sollte man bereits jetzt über einen Kaufpreis sprechen? Die Problematik ist, je besser ich aktuell arbeite, umso mehr muss ich später bezahlen.


Antwort

"In ein paar Jahren" die Apotheke des Chefs kaufen ist zunächst sicher eine schöne Idee - allerdings lässt das in jede denkbare Richtung Unwägbarkeiten und Unplanbarkeit bestehen.

Natürlich könnten Sie schon jetzt mit dem Apotheker eine Vereinbarung über den Kaufpreis schließen - das kann aber nur eine unverbindliche Absichtserklärung sein, birgt damit Risiken zumindest aber Unsicherheit:
Was ist, wenn die Apotheke künftig schlechter läuft - wollen Sie sie dann überhaupt noch zum vereinbarten Übernahmepreis haben? Was ist, wenn sich neuer, zusätzlicher, starker Wettbewerb ergibt - ist der Standort dann überhaupt aufrecht zu erhalten?
Was passiert, wenn sie sich deutlich positiver entwickelt (weil Sie bspw. mehr und besser arbeiten, für höhere Umsatzerlöse sorgen etc.) und dem jetzigen Chef macht genau deshalb jemand ein höheres Angebot - können / wollen Sie dann auf eine höhere Kaufpreisforderung einsteigen? Selbst ein Vorkaufsrecht kann ja nur "unverbindlich" festlegen, dass Sie als Erste gefragt werden aber einen zu hohen oder für Sie unfinanzierbaren Kaufpreis können Sie trotzdem nicht akzeptieren. Gedankenspiele können halt für unzählige Szenarien entwickelt werden.

Wenn es Ihnen und dem Chef ernst ist, könnten Sie Folgendes machen: Ihr Chef lässt jetzt schon einmal eine Wertermittlung in einfacher Form machen, damit der denkbare Kaufpreis zumindest annäherungsweise konkret aufgezeigt wird. Für Sie wäre das eine erste persönliche Entscheidungsbasis, außerdem könnten Sie mit Ihrer Hausbank einmal ein informelles Gespräch (sagen Sie ausdrücklich dazu, dass es Ihnen klar ist, dass das noch kein Darlehensantrag ist) führen, ob die auf dieser Basis -Kaufpreis ./. Eigenkapital- vom Grundsatz her das Vorhaben begleiten würden. Dann bekommen Sie schon einmal handfeste Informationen aber auch ein "Gefühl" bzgl. der Finanzierbarkeit. Wenn Ihr Chef sich dann darauf einlässt, diese Wertermittlung zunächst einmal festzuschreiben, einen höheren Kaufpreis also ausschließt und Ihnen auf dieser Basis ein Vorkaufsrecht einräumt, hätten Sie zumindest ein wenig Sicherheit. Für beide Seiten gilt: Lassen Sie sich gemeinsam von einem erfahrenen und qualifizierten Berater begleiten - das verhindert Irritationen und sorgt für einen konstruktiven, zielgerichteten Prozess.

Quelle: Joachim Brüser
Unternehmensberater CMC/BDU

Juli 2013

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