Startkapital – (k)eine Frage des Alters?

Mit zunehmendem Alter verfügen viele Berufstätige über finanzielle Rücklagen. Damit haben sie das nötige Kleingeld für den Start in die Selbständigkeit. Solche Startbedingungen sind allerdings nicht die Regel, denn nicht selten ist der Kapitalbedarf höher. Doch welche Rolle spielt das Alter beim Gespräch mit der Bank?

Die gute Nachricht ist: Obwohl Gründerinnen und Gründer in der zweiten Lebenshälfte eher Projekte mit hohem Finanzierungsvolumen anstoßen, haben sie aufgrund ihres angesparten Eigenkapitals in der Regel nur einen kleinen Fremdkapitalbedarf bis zu maximal 10.000 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Gründerinnen und Gründer ab dem mittleren Alter: Schlüsselfaktor für die Wirtschaft“ des RKW. Die weniger gute Nachricht ist: Rund ein Viertel der „Best Ager“ benötigt mehr als 25.000 Euro Startkapital, so die KfW.  An für sich sollte das kein Problem sein, schließlich gibt es Förderprogramme und Bankkredite für Existenzgründer. Aber welche Rolle spielt das Alter des Gründers für die Bank?

Pluspunkte: Berufliche Vita und Kontakt zur Bank

„Das Alter ist kein K.-o.-Kriterium für eine Kreditentscheidung“, betont Thomas Fürst vom  ExistenzgründungsCenter der Stadtsparkasse München, das auch ältere Gründerinnen und Gründer zu seinen Kunden zählt. „Entscheidend sind das Gründungsvorhaben, eine überzeugende Unternehmerpersönlichkeit und die berufliche Eignung des Kreditnehmers“. Gerade hier können Gründerinnen und Gründer mit langjähriger Berufs- und Lebenserfahrung punkten, vor allem wenn sie berufliche Erfolge oder auch langjährige verlässliche Beziehungen zu ihrer Bank vorweisen können. Selbstverständlich schaut sich eine Bank oder Sparkasse die Ausgangsposition des Gründers genau an, so Fürst: „Warum gründet sie oder er? Warum gerade jetzt?“ Dazu gehört auch der Blick auf die Vermögenslage. Fürst: „Nicht nur als mögliche Sicherheit für einen Kredit. Sondern auch als Hinweis: Wer es in der Vergangenheit geschafft hat, erfolgreich zu wirtschaften, wird das in Zukunft wohl auch tun.“

Aber: Je höher der Kreditbetrag und je älter der Gründer, desto stärker fällt das Thema „Alter“ ins Gewicht. Das bestätigt auch Dr. Noemí Fernández Sánchez, Projektleiterin im RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft e.V.: „Gerade bei höheren Kreditsummen gehen die Banken davon aus, dass die geschäftsaktive Zeit nicht ausreicht, um das entliehene Geld zurückzahlen. Die Kräfte können nachlassen oder es kann zu längeren Ausfällen durch Krankheiten kommen.“

Jüngeren Partner ins Boot holen

Schon bei der Vorbereitung der Unternehmensgründung und den Kreditverhandlungen sollte daher geklärt werden, wer das Unternehmen im Notfall oder aber nach einer bestimmten Zeit übernimmt. Wer kann in diesem Fall für Zins und Tilgung aufkommen? Thomas Fürst: „Eine Möglichkeit ist, dass der Gründer gemeinsam mit Tochter oder Sohn startet. Damit steht die Nachfolge schon von vornherein fest. Solch eine Konstellation kann sich jedoch nur zufällig ergeben, die lässt sich nicht planen, da die Kinder meist schon ihren eigenen beruflichen Weg eingeschlagen haben. Wenn aus der Familie kein Kandidat in Frage kommt, sollte man über eine Teamgründung nachdenken: mit Partnern, die eine eigene Expertise mitbringen, einen Teil des Risikos übernehmen und die das Unternehmen auch allein weiterführen könnten. Wer keinen Partner „zur Hand“ hat, kann beispielsweise über die bundesweite Unternehmensbörse nexxt-change des BMWi und der KfW fündig werden. Die Online-Börse enthält sowohl Inserate von Gründerinnen und Gründern, die an einer Unternehmensnachfolge interessiert sind als auch von Unternehmensinhabern, die einen Nachfolger suchen. Viele potenzielle Unternehmensnachfolger sind bereit, erst einmal als Teilhaber einzusteigen und vom Profi zu lernen, bis sie das Ruder allein übernehmen.

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