Unternehmerisches Know-how tanken

Trotz langjähriger beruflicher Erfahrungen: Gründerinnen und Gründern ab dem mittleren Lebensalter fehlt es – wie ihren jüngeren Gründungs-Kollegen auch – meist an unternehmerischem Know-how.

Dazu gehören beispielsweise Marketing- und Vertriebskenntnisse. An erster Stelle der zehn wichtigsten Gründungsprobleme steht allerdings die Kundengewinnung. Das hat das RKW in einer Umfrage unter Gründern ab dem 45. Lebensjahr ermittelt. „Das Ergebnis deckt sich mit unseren Erfahrungen“, bestätigt Andre Scheifers vom Startercenter der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid. Sie bietet „Best Agern“ Informationen rund um das Thema Gründung, unter dem Titel „Mit 50+ noch mal durchstarten und sein eigener Chef sein? Na klar!“ an.

Nach der großen Resonanz auf die Auftaktveranstaltung im vergangenen Jahr geht die Veranstaltung nun „in Serie“. Scheifers: „Dabei machen wir klar, dass zur Kundengewinnung eine eigene kleine Marktrecherche nötig ist: Gibt es ein Interesse an meinem Produkt bzw. meiner Dienstleistung? Wie viel ist ein potenzieller Kunde bereit, für Produkt oder Leistung zu bezahlen?“ Sich diese Fragen im Rahmen der Gründungsvorbereitung zu stellen, sei, so Scheifers, bei Gründern keineswegs  selbstverständlich, egal ob alt oder jung.

Die zehn wichtigsten Probleme im Gründungsprozess

Kundengewinnung

44,7 %

zu wenig Eigenkapital

42,1 %

Fehlendes Know-how im Bereich Marketing/Vertrieb

29,6 %

Angst zu scheitern

28,9 %

unzureichendes Wissen in rechtlichen Fragen

25,0 %

fehlendes Know-how im Bereich Controlling/Rechnungswesen

25,0 %

hohe psychische Belastung

21,7 %

fehlendes Know-how im Bereich Finanzierung

21,1 %

unzureichendes Wissen über Beratungsangebot

20,4 %

fehlende Unterstützung im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis

19,1 %

  • 0 %
  • 10 %
  • 20 %
  • 30 %
  • 40 %
  • 50 %

Quelle: RKW-Umfrage 2010 in: Gründerinnen und Gründer ab dem mittleren Alter: Schlüsselfaktor für die Wirtschaft. RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e. V., Eschborn 2013.

Wobei man bei Gründerinnen und Gründern „45 plus“ kaum von typischen Problemen oder typischen unternehmerischen Defiziten sprechen kann. Vielmehr spiegeln sie auf Grund ihrer Vielzahl und Unterschiedlichkeit die gesellschaftliche Vielfalt wider. Was das für die Startvoraussetzungen ins Unternehmerleben bedeutet, zeigen vor allem die ganz unterschiedlichen Ausgangspositionen von ehemaligen Führungskräften und von langzeitarbeitslosen Gründungsinteressierten.

Dr. Alexander von Frankenberg über die Finanzierungskonditionen

Bildrechte: IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid

Gute Startposition: ehemalige Führungskräfte

Gründungen durch ehemalige Führungskräfte verlaufen nach aller Erfahrung glatt. Sie bringen meist die notwendige unternehmerische Einstellung mit und brauchen nur punktuelle Informationslücken zu schließen. Außerdem profitieren sie von ihrem beruflichen Netzwerk und können schon erste Aufträge vorweisen. Das Problem liegt eher woanders, so Andre Scheifers: „Das sind Gründer, die oftmals in größeren Unternehmen eine leitende Position mit 30, 60 oder noch mehr Mitarbeitern hatten. Und die muss man zuweilen etwas bremsen. Schließlich bringt es nichts, in der Startphase gleich 20 Mitarbeiter einzustellen, wenn letztlich nicht genug Arbeit da ist. Das heißt, die müssen erst einmal lernen, eine Nummer kleiner zu denken“.

Dr. Alexander von Frankenberg über die Finanzierungskonditionen

Bildrechte: L. Hunshelm CSE

Nicht nur unternehmerische Defizite: arbeitslose Gründungsinteressierte

Ganz anders sieht es bei Gründerinnen und Gründern aus, die ihre Arbeitslosigkeit durch eine berufliche Selbständigkeit beenden möchte. Hier liegen die Gründungshürden wesentlich höher: „Je länger man arbeitslos ist, desto mehr verliert man den Anschluss an das berufliche Umfeld. In Frage kommende Ratgeber, Kooperationspartner oder auch Auftraggeber sind bei Gründerinnen und Gründern, die längere Zeit arbeitslos waren, verloren gegangen. Das bedeutet, dass sie solche Kontakte reaktivieren oder neu aufbauen müssen“, weiß Iris Hermann vom Jobcenter Augsburg-Stadt. Sie ist Koordinatorin der BeschäftigungsINitiative Süd 50plus in Bayerisch-Schwaben, einer von bundesweit rund 80 Beschäftigungspakten, die im Rahmen der Initiative "Perspektive 50plus" gründungsinteressierte und beschäftigungssuchende Arbeitslose berät. Die Initiative wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. „Wir haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass sich unsere Kunden über sich und ihre Pläne mehr Gedanken machen als jüngere Arbeitslose. Sie gestehen sich eher ein, dass sie ein Problem haben, wenn sie nicht wissen, was zum Beispiel Marketing ist.“ Und werden dann vom Jobcenter zu geeigneten Fortbildungen vor Ort gelotst.

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