Auch für junge Unternehmen ein Thema: Ausbildung

Wer ausbildet, gewinnt damit zukünftige Mitarbeiter, die genau zu den Anforderungen des Unternehmens passen. Mit einem speziellen Programm unterstützt das BMWi kleine und mittlere Unternehmen bei der Azubi-Suche.

Das niedersächsische Lüneburg ist nicht gerade das, was man einen gefragten Standort für junge IT-Start-ups nennt. IT-Fachkräfte auf Jobsuche zieht es eher nach Berlin, München oder Hamburg. Patrick Pietruck, Geschäftsführer der web-netz GmbH, einer Agentur für Online-Marketing, Beratung und Schulung in Lüneburg, ist es trotzdem gelungen einen qualifizierten Mitarbeiterstab aufzubauen. „Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei uns in der Ausbildung. Und das, obwohl es für den Bereich Online-Marketing eigentlich gar keinen Ausbildungsgang gibt. Aber wir haben uns überlegt, den Ausbildungsberuf der Kauffrau/des Kaufmanns für Marketing-Kommunikation auf uns umzumünzen. Zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg haben wir die Ausbildungsinhalte an unseren Bedarf angepasst. Auf diese Weise haben wir im letzten Jahr 19 hochqualifizierte Mitarbeiter aufgebaut. Allesamt Berufseinsteiger, die bei uns eine Ausbildung absolviert haben.“

Azubis werden knapp

So wie für Patrick Pietruck gewinnt das Thema Ausbildung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) immer mehr an Bedeutung. Kein Wunder, bei dem immer knapper werdenden Angebot an Fachkräften. Allerdings gestaltet sich auch die Suche nach geeigneten Auszubildenden zunehmend schwierig. Nicht nur, weil die Zahl der Jugendlichen zurückgeht, sondern auch weil diejenigen, die einen Ausbildungsplatz suchen, sich eher bei größeren Unternehmen bewerben, die in der Region bekannt sind. Dass es für KMU selbst in größeren Städten auf dem Ausbildungsmarkt immer enger wird, bekommt auch Benjamin Gund zu spüren. Er ist Inhaber von helm & more, einem Fachgeschäft für Motorrad- und Rollerhelme in München. „Ideal wäre ein Azubi, den man sich als Fachkraft ausbildet. Aber als kleines Unternehmen ist es schwierig, jemanden zu finden. In einem jungen Unternehmen, wo man in der ersten Zeit vielleicht sogar nur zu zweit ist, muss man sicher sein, dass man auch miteinander auskommen kann. Da geht es nicht nur darum, welche Noten jemand hat, sondern auch, wie er als Mensch ist.“

Je schwieriger es wird, einen geeigneten Auszubildenden zu finden, desto größer der Aufwand - gerade für kleinere Unternehmen. „Aber genau für die sind wir doch da“, sagt Nicole Radovcic, die zusammen mit ihren fünf Kollegen in der Industrie- und Handelskammer zu Köln für die „Passgenaue Vermittlung“ zuständig ist.

Hilfe bei der Suche nach Azubis

Das Programm „Passgenaue Vermittlung Auszubildender an ausbildungswillige Unternehmen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt kleine und mittlere Unternehmen bei der Suche nach Azubis, die genau zu den Bedürfnissen der Unternehmen passen. So wie Nicole Radovcic und ihre Kollegen, stehen bundesweit rund 185 Beraterinnen und Berater bei den Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammer sowie bei einigen Kammern der Freien Berufe den Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite: vom kleinen Ein-Personen-Betrieb bis hin zur mittelständischen GmbH mit bis zu 250 Mitarbeitern. „Die Unternehmen können uns entweder anrufen und zu uns kommen. Oder wir kommen in die Unternehmen. Wir erstellen dann gemeinsam ein detailliertes Anforderungsprofil aus dem hervorgeht, wie sich das Unternehmen seinen Auszubildenden vorstellt. In welchem Unternehmensbereich soll er oder sie zum Beispiel eingesetzt werden? Welche Qualifikationen soll er oder sie mitbringen. Welche Rolle spielt das Alter? Es gibt Unternehmer, die würden sich gerne um einen sechszehnjährigen Schulabgänger kümmern. Ein anderer braucht jemanden, der auch schon mal am Empfang sitzen kann und dem Chef ein bisschen den Rücken frei hält. Da wäre ein etwas älterer und selbstbewussterer Bewerber besser geeignet. Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer sind auch die Noten nicht so wichtig wie andere Fertigkeiten: etwa Kommunikationsfähigkeit, die Zuverlässigkeit oder die Selbständigkeit.“

Zeit- und Kostenersparnis durch „Passgenaue Vermittlung“
Keine Stellenanzeigen.
Keine aufwändige Suche nach geeigneten Auszubildenden.
Keine aufwändigen Bewerbergespräche.

Steht das Anforderungsprofil, wählen die passgenauen Vermittler aus einem Bewerberpool geeignete Kandidaten aus. Die haben sie auf Informationsveranstaltungen, Ausbildungsmessen und ihren Besuchen von Abschlussklassen kennengelernt. In intensiven Gesprächen wird dann erst einmal festgestellt, welche jugendlichen - oder nicht selten auch erwachsenen Bewerber - tatsächlich zu dem Anforderungsprofil passen. „Wir schicken den Unternehmen wirklich nur die Bewerber, die genau ihren Vorstellungen entsprechen. Vor allem kleinere Unternehmen mit einem bis fünf Mitarbeitern haben ja nicht die Kapazitäten, sich immer wieder Bewerbungsunterlagen anzusehen, auszusortieren und Vorstellungsgespräche zu führen.“

Außerdem überlegen die passgenauen Vermittler gemeinsam mit den Unternehmen, wie sie gegenüber den Jugendlichen an Attraktivität gewinnen können. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Ausbildung abwechslungsreich ist, dass es für Azubis Fortbildungsangebote gibt. Es gibt auch ganz unkonventionelle Ideen. „Wir haben hier zum Beispiel ein Unternehmen, das liegt ein bisschen weiter außerhalb. Da hat der Inhaber dem Azubi einen Roller besorgt. Solche Geschichten lassen sich die Unternehmen dann einfallen“, so Nicole Radovcic.

Bei den Unternehmen kommt der Service gut an und der Bedarf ist groß. Allein in der IHK Köln wurde die Zahl der Vermittler seit 2010 von einem auf sechs erhöht, um die hohe Nachfrage zu decken.

Audiostatement Prof. Dr. Tobias Kollmann

Bild: Peter Boettcher

Gute Entscheidung: Azubis in KMU

Auch wenn manche Jugendliche zunächst skeptisch waren, hört Nicole Radovcic von vielen Auszubildenden, dass es doch die richtige Entscheidung war. „In einem kleinen Betrieb ist die Betreuung viel intensiver. Ein Jugendlicher, der vielleicht mehr Unterstützung braucht, ist dort oft besser aufgehoben. In einem Unternehmen mit 100 Auszubildenden geht man als einzelner Azubi schnell unter, weil der Kontakt zum Ausbilder nicht so eng ist. Der Ausbilder in einem kleinen Unternehmen merkt viel schneller, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Dieser Vorteil ist vielen Jugendlichen vorher nicht so bewusst. Das merken sie erst, wenn sie im Unternehmen mit der Ausbildung beginnen.“ Passgenaue Vermittler wie Nicole Radovcic stehen den Unternehmen und Azubis übrigens auch nach Abschluss des Ausbildungsvertrags zur Verfügung und können bei Problemen auch mit diversen Unterstützungsprogrammen des Bundes helfen.

Ausbildung im Verbund

Eine weitere Möglichkeit, um seine Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu vergrößern, ist die „Ausbildung im Verbund“. Vor allem für kleine Betriebe ist es nicht selbstverständlich, alle gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte abzudecken. Bei einem Ausbildungsverbund schließen sich daher mindestens zwei Betriebe zusammen, um gemeinsam auszubilden. Der oder die Auszubildende verbringt einen bestimmten Zeitraum jeweils in dem einen oder dem anderen Betrieb, um dort die Fertigkeiten zu erlernen, die der Partnerbetrieb nicht vermitteln kann. Ein Einzelhandelsgeschäft, das einen Ausbildungsplatz für eine Kauffrau für Büromanagement anbieten möchte, aber sein Rechnungswesen nicht im eigenen Haus durchführt, kann zum Beispiel mit seinem Steuerberater vereinbaren, dass der Azubi dort einen Teil der Ausbildung absolviert. Ansprechpartner zur Ausbildung im Verbund sind die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern.

Stark für Ausbildung

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Die BMWi-Initiative „Stark für Ausbildung“ macht Ausbilder fit für den Umgang mit „schwierigen“ Jugendlichen, um auch deren Potenzial zu nutzen. Das Infoportal bietet dazu ein „Ausbilderhandbuch“ an.
www.stark-fuer-ausbildung.de

 

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