Beirat: Sparringspartner für junge Unternehmen

Gerade in den ersten Unternehmensjahren werden wichtige Weichen gestellt. Wer dabei auf den Sachverstand "gestandener" Unternehmer zählen kann, vermeidet Fehlentscheidungen.

„Praktisch sieht es so aus, dass wir uns alle drei Monate mit unserem Beirat treffen, um Erfahrungen auszutauschen und Probleme auf strategischer Ebene zu diskutieren", sagt Jochen Schwill, Mitgründer der Next Kraftwerke GmbH. Das junge Unternehmen hat ein virtuelles Kraftwerk entwickelt, das innerhalb kürzester Zeit auf eine Vielzahl dezentraler Stromerzeugungsanlagen zugreifen, sie miteinander vernetzen und den Strom je nach Bedarf ins Netz einspeisen kann. Mit der Gründung im Jahr 2009 entstand zugleich auch die Idee, einen Beirat zu gründen:  "Wir wollten mit unserer Technologie etwas ganz Neues auf dem Energiemarkt anbieten. Aber wir wussten praktisch nicht, wie dieser Markt und der Stromhandel funktionieren, weil keiner von uns vorher in der Energiewirtschaft gearbeitet hatte. Also haben wir erfahrene Unternehmer gesucht, die die etablierten Prozesse kennen und uns sagen, wie wir am besten vorgehen. Wir hätten natürlich auch Unternehmensberater beauftragen können, aber uns lag viel daran, mit Menschen zu arbeiten, die das Unternehmen strategisch langfristig begleiten und uns ab und zu beraten."

Passgenauer Sachverstand fürs Unternehmen

Mit Unterstützung ihrer Investoren und der Hochschule Köln bekamen sie Kontakt zu Führungskräften aus Wirtschaft und Wissenschaft. Daraus entstand ein dreiköpfiger hochkarätiger Beirat, der dem jungen Unternehmen mittlerweile seit vier Jahren zur Seite steht: Thorsten Dirks ist  Geschäftsführer eines internationalen Mobilfunkanbieters. Insofern ist er zwar branchenfremd, aber beim  Mobilfunkmarkt gibt es sehr viele Parallelen zum liberalisierten Strommarkt. Dr. Thomas Niedrig war lange Zeit Leiter des Stromhandels bei einem großen Energieversorgers und ist inzwischen als Berater in der Forschungsförderung aktiv. Und Dr. Henning Pfaffhausen berät Unternehmen zur Energieversorgung und Elektromobilität und war viele Jahre bei einer internationalen Unternehmensberatung im Bereich Energiewirtschaft tätig. Insgesamt also geballte unternehmerische Kompetenz. Und genau darauf komme es auch an, betonen die Autoren der Studie "Beiräte im Mittelstand", die die Deloitte & Touche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zusammen mit der Universität Bamberg erstellt hat.

Denn ein Beirat hat vor allem die Aufgabe, unternehmerische Impulse zu geben. Und dazu braucht es die Kompetenzen von Funktionsfachleuten wie zum Beispiel Produktionsleitern oder Marketingverantwortlichen. Hinzu kommen nicht selten spezifische Branchen- oder Länderkenntnisse. Entscheidend ist: Die Kompetenzen des Beirats müssen zum Unternehmen passen.

Positive Wirkungen der Beiratsarbeit auf den Unternehmenserfolg

Externe Beratung und Empfehlungen

26 %

Steigerung von Klarheit und Nachhaltigkeit

23 %

Vorgabe von Zielsetzungen und Strategie

21 %

Integration in Informationsfluss und Orientierungsprozess

19 %

Bewahrung der Familienharmonie

4 %

Netzwerk

3 %

Branchenkenntnisse

3 %

Management von Übergangsphasen

1 %

  • 0 %
  • 5 %
  • 10 %
  • 15 %
  • 20 %
  • 25 %
  • 30 %
  • 35 %
  • 40 %
  • 45 %
  • 50 %

Quelle: Beiräte im Mittelstand. Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. (Hrsg.). 2010

Für viele mittelständische Unternehmen haben Beiräte einen großen Anteil am Unternehmenserfolg, stellt die Deloitte-Studie fest. Auch gegenüber Kapitalgebern sorgen sie für ein gutes Standing des Unternehmens. Neben den direkt erfolgssteigernden Wirkungen verweisen die in der Studie befragten Experten vor allem auf die Wirkung bei der Risikoprävention. Das heißt, selbst wenn der Beirat den Erfolg des Unternehmens mitunter nur mäßig steigert, kann er dennoch durch kritisches Hinterfragen der Unternehmensführung frühzeitig vor sich abzeichnenden Krisen warnen.


Gefragte Eigenschaften bei der Beiratsbesetzung

Quelle: Beiräte im Mittelstand. Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. (Hrsg.). 2010

Gegenseitige Interessen klären

Bei der Suche nach geeigneten Beiratsmitgliedern helfen Unternehmernetzwerke, persönliche Empfehlungen oder auch Empfehlungen von Investoren. Wichtig ist, die Erwartungen des Unternehmens an seinen zukünftigen Beirat genau zu klären. Auch muss über den zeitlichen Aufwand, der auf die einzelnen Beiratsmitglieder zukommt, und eine eventuelle finanzielle Vergütung gesprochen werden. Wobei für den einzelnen Beirat nicht das Honorar, sondern idealerweise die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen im Vordergrund stehen sollte. Bei dem Energie-Start-up scheint dies zu klappen:  „Ich freue mich immer auf die Treffen mit unserem Beirat“, sagt Jochen Schwill. „Sich einmal im Quartal hier zu versammeln und gemeinsam auf strategischer Ebene zu diskutieren, wie es weitergehen kann. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass unsere Beiräte, die ihr Wissen und strategischen Erfahrungen an uns weitergeben, ohne sich mit den lästigen Details beschäftigen zu müssen, auch großen Spaß daran haben.“

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