Hochschulen: Partner für junge Unternehmen

Als Kooperationspartner für junge Unternehmen kommen auch Hochschulen, vor allem Fachhochschulen, in Frage. Und das bei weitem nicht nur für technologieorientierte Start-ups.

„Es ist immer sinnvoll für junge Unternehmen, mit Hochschulen zu kooperieren“, findet Dr. Thomas Lekscha. Er muss es wissen, denn er ist der Leiter Wissens- und Technologietransfer der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Nach seiner Erfahrung sind junge Unternehmen häufig nicht in der Lage, ihre innovativen Ideen allein in die Tat umzusetzen. „Jedenfalls nicht so konsequent  und erfolgreich wie möglich. Hier können gerade Hochschulen und vor allem Fachhochschulen mit ihrem Potenzial an interdisziplinärem Wissen jungen Unternehmen eine ideale Anlaufstelle und Hilfe sein.“

Know-how der Hochschule nutzen

Die Kooperation mit einer Hochschule biete sich desto eher an,  je komplexer ein Geschäftskonzept ist, nimmt Dr. Henning Müller den Faden auf. Er ist Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT)¹ bei der Handwerkskammer Oldenburg. „Kooperationen mit Hochschulen sollte man dabei nicht mit Nachhilfe für betriebswirtschaftliche Themen verwechseln. Da bieten unter anderem Gründungsinitiativen, Wirtschaftsförderungen und Kammern umfassende Unterstützungsangebote.“ Es geht vielmehr um fachlichen Input rund um die Geschäftsidee oder das konkrete Angebot. Dafür lässt sich in vielen Fällen die vorhandende Wissensbasis an den Hochschulen nutzen. Und das muss nicht nur für rein technische Bereiche wie Fahrzeug- oder Maschinenbau gelten. Wer sich beispielsweise im Kontext Gesundheit und Pflege selbständig macht, kann für seine Marktforschung auf Daten der Gerontologieforschung zurückgreifen. Dr. Henning Müller: "Gründer, die im Gesundheitshandwerk Produkte und Serviceleistungen für ältere Menschen anbieten möchten, sollten wissen, wie die demografische Entwicklung hierzulande in den nächsten Jahren aussehen wird. Welche Probleme müssen gelöst werden? Welche Erwartungen haben Menschen an Produkte und Dienstleistungen im Alter? Das sind Fragen, die für viele soziale Berufe eine entscheidende Rolle spielen, nicht allein, was die Art und Qualität ihrer Angebote angeht, sondern auch die Höhe der Nachfrage, mit der sie kalkulieren müssen. Ob der praktische Einsatz intelligenter Assistenzsysteme oder die Nutzung von Akzeptanz- und Nutzungsstudien: Das Feld ist in der Tat weit.“ Neben Studien und Gesprächen mit Wissenschaftlern, können Unternehmen auch auf ganz praktisches Know-how der Hochschulen zugreifen. Um die zunehmende Fülle an Daten zum Stromverbrauch und anderen immobilienbezogenen Daten in den Griff zu bekommen, hat sich zum Beispiel ein Unternehmen, das umfassende Hausmeister- und Servicedienste, kurz: Facilitymanagement, anbietet, mit der Jade Hochschule in Wilhelmshaven in Verbindung gesetzt, um Hilfestellung bei der Entwicklung einer Datenbank zu bekommen. Der Vorteil für die Hochschule: Durch den Kontakt zur den Unternehmen erhalten die Wissenschaftler wichtige Impulse, um neue  praxisorientierten Problemlösungen zu entwickeln.

Kooperationsthemen gebe es so viele wie Sand am Nordseestrand, so Dr. Thomas Lekscha. Natürlich kommt es immer darauf an, welche Schwerpunkte die jeweilige Hochschule in ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit setzt: „Unsere Hochschule bietet zum Beispiel Kooperationen fachbereichsübergreifend an. Von der Betriebswirtschaft über die Ingenieurwissenschaften bis hin zur Seefahrt und Tourismuswirtschaft steht Unternehmen ein breites Spektrum an Know-how zur Verfügung.“ Dabei muss dieses Know-how nicht unbedingt schon „in der Schublade“ bereitliegen. Es kann auch sein, dass erst durch die Anfrage eines Unternehmens eine Studie angestoßen wird. Oder aber die Hochschule bringt gemeinsam mit dem Unternehmen ein Forschungsvorhaben auf den Weg und bemüht sich dafür um eine Förderung.

Offene Türen auch für Nicht-Akademiker

In der Praxis, weiß Thomas Lekscha, hält allerdings nicht jedes Unternehmen eine Kooperation mit einer Hochschule für eine gute Idee. “Vor allem Unternehmer und Unternehmerinnen ohne akademischen Hintergrund fremdeln hier eher. Der Wissens- und Technologietransfer der Hochschulen und die Innovationsberater der Kammern arbeiten aber daran, auch diese Zielgruppe anzusprechen.“ Ganz anders sieht es bei jungen Unternehmen aus, die aus einer Hochschule heraus gegründet wurden. Sie seien den Umgang mit Wissenschaftlern gewohnt und scheuten sich nicht, die gewonnenen Kontakte auch nach dem Studium weiter zu nutzen. „Die Erfahrung zeigt, dass diese Unternehmen die Hochschule vor Ort oft als einen festen Bestandteil ihrer Arbeit und ihres Konzeptes mit einplanen.“ Häufiges Resultat sind feste Bindungen und damit langjährige erfolgreiche Kooperationen.

Grundsätzlich steht allen Unternehmen die Tür für eine Zusammenarbeit mit einer Hochschule - vorzugsweise in ihrer Region - offen. "Vor allem Fachhochschulen zeichnen sich durch ihre praxisbezogenen Studiengänge und ihren guten Kontakt zu Unternehmen aus", weiß Dr. Henning Müller. Um in Kontakt mit dem fachlich geeigneten Ansprechpartner zu kommen, sollten sich Unternehmen mit der jeweiligen Wissens- und Technologietransferstelle der Hochschule in Verbindung setzen oder auch mit der jeweiligen Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer oder Wirtschaftsförderung.

Große Vorarbeiten sind für eine erste Kontaktaufnahme nicht erforderlich. Dr. Thomas Lekscha: „Sinnvoll ist es, die wichtigsten Fragen vorab zusammenzustellen bzw. eine Ideenskizze zum geplanten Vorhaben zum ersten Gespräch mitzubringen. Keine wissenschaftliche Ausarbeitung also. Der 'Feinschliff' kommt dann schon gemeinsam mit den Gesprächspartnern der Hochschule.“

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Weitere Informationen und Downloads

  • BISTECH - Beratungs- und Informationsplattform für Technologietransfer im Handwerk
    www.bistech.de
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