Interview mit Wolfgang Zeuschner, Industrie- und Handelskammer Potsdam.

„In jeder Kooperationsvereinbarung sollten mögliche strittige Punkte geklärt werden, um spätere Konflikte zu vermeiden oder aber zu regeln.“

Wolfgang Zeuschner, Gründungsberater bei der Industrie- und Handelskammer Potsdam und dort zuständig für die IHK-Kooperationsbörse.

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Herr Zeuschner, wenn zwei Unternehmen kooperieren, sollten sie idealerweise eine schriftliche Vereinbarung treffen. Was sollte die auf jeden Fall enthalten?

Zeuschner: An erster Stelle steht der Zweck der Kooperation und deren Ziel. Jeder Kooperationspartner hat ja eigene Ziele – aber was ist das gemeinsame Ziel? Das sollte präzise formuliert werden. Genauso wie der Leistungsumfang:  Wollen beide Partner gemeinsam Werbung treiben? Wie erfolgt die Auftragskoordination bei dieser Kooperation? Möchte einer der Kooperationspartner externe Dienstleister oder Gewerke beauftragen? Und wenn ja: Wie weit darf das gehen? Nicht dass die Kooperationsleistung des Partners nur noch durch Subunternehmer erledigt wird. Natürlich muss auch vereinbart werden, wann die Kooperation beginnt, welche Dauer die Kooperationsbeziehung haben sollte und ob es Kündigungsmöglichkeiten gibt, wenn einer der Partner aussteigen möchte.

Apropos aussteigen: Wie sollte man sich auf Probleme einstellen. Die gibt es sicher in jeder Partnerschaft mal.

Zeuschner: In jeder Kooperationsvereinbarung sollten mögliche strittige Punkte geklärt werden, um spätere Konflikte zu vermeiden oder aber zu regeln. Probleme könnte es immer dann geben, wenn eine Kooperation nicht das gewünschte Ziel erreicht. Wenn möglicherweise Verluste eintreten. Dann könnte es zum Streit zwischen den einzelnen Partnern kommen. Wer hat Schuld daran? Wer trägt die Verluste? Darum sollte auch festgehalten werden, was passiert, wenn das Ding schiefgeht, einschließlich der Haftung und Gewährleistung.

Wenn sich neu gegründete junge Unternehmen mit größeren etablierten Unternehmen zusammentun, hat dies nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken. Welche zum Beispiel?

Zeuschner: Geld ist immer ein Thema. Wenn beide Partner zum Beispiel Geld einbringen, um ein bestimmtes Projekt umzusetzen. Wie viel das jeweils ist, wird im Vertrag festgelegt. So weit, so gut. Aber was passiert, wenn im Zuge der Kooperation plötzlich festgestellt wird: Wir brauchen da noch eine halbe Million Euro zusätzlich? Da ist der ganz kleinere Partner natürlich überfordert. Oder nehmen Sie das Thema Know-how. Bei Kooperationen ist es oft so, dass das kleine Unternehmen vor allem über ein Know-how verfügt, das es in diese Kooperation einbringt. Dabei sollte es natürlich aufpassen, dass dieses Know-how nicht vom großen Partner vereinnahmt wird und möglicherweise – was auch vorkommen kann – Schlüsselmitarbeiter aus dem kleinen Unternehmen ins größere abgeworben werden.

Was empfehlen Sie gegen diese denkbaren Probleme?

Zeuschner: Wer wann wie viel Geld zahlen muss, sollte im Vertrag genau fixiert sein. Und um zu verhindern, dass Schlüsselmitarbeiter in das Großunternehmen wechseln, sollte man zusätzlich Klauseln zum Wettbewerbsverbot einbringen. Unter dem Strich ist es so: Man sollte gerade als kleiner Partner  auf Nummer „Sicher“ gehen und sich von der Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer beraten lassen. Bei größeren Vorhaben empfiehlt es sich in jedem Fall, einen Rechtsanwalt hinzuziehen.

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