Kooperationsvielfalt für Tech-Start-ups

In der technologieorientierten Start-up-Szene sind Kooperationen mit gestandenen Unternehmen oder Forschungseinrichtungen weit verbreitet. Dabei können solche Kooperationen durchaus unterschiedlich aussehen.

„Für uns waren die unternehmerischen und universitären Partner ein wichtiger Anstoß zur Gründung. Zwar waren wir mit unserem Team schon relativ gut und breit aufgestellt, mussten aber relevante Kontakte und unternehmerisches Know-how erst aufbauen und auch weitere Erfahrungen in der Praxis sammeln“, sagt Johannes Jacop. Er hat im Jahr 2008 mit Dr. Christian Schneider die Yatta Solutions GmbH gegründet. „Der Unternehmensaufbau war für uns natürlich eine große Herausforderung. Deshalb haben wir frühzeitig den Kontakt zu erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern gesucht, zum Beispiel über den UnternehmerRat der Universität Kassel. Das hat uns sehr geholfen.“ Neben handfesten Tipps zur Unternehmensführung, die das Gründerteam damals erhielt, entstand darüber auch eine erste Kooperation mit einem mittelständischen Softwareunternehmen, das am Markt bereits fest verankert war.

Kooperationsziel: Praxistest

Der Zweck der Kooperation: Entwicklung und Einsatz der Software Tools von Yatta in großen Softwareprojekten aus der Praxis. Die Tools sollten dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und Kosten zu sparen. „Aus diesem Grund sind wir für die weitere Produktentwicklung schon sehr früh eine Kooperation eingegangen. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Lehrstühlen für Software Engineering haben wir uns den Zugang zu wissenschaftlicher Exzellenz und Know-how gesichert. Aber erst durch unsere unternehmerischen Partner konnten wir unsere Entwicklung lösungsorientiert und kundennah gestalten.“ Partner waren etablierte Softwarehäuser, die technische Lösungen für Großunternehmen entwickeln. „Hier konnten wir unser technologisches Know-how beisteuern und unsere Produkte schon während der Entwicklung auf die Praxis ausrichten und ihre Relevanz unter Beweis stellen. Zudem konnten unsere Partner von dem Einsatz erheblich profitieren.“

Die Kooperationen haben daher nicht nur zu ersten erfolgreichen Referenzprojekten geführt, sondern auch zu einem besseren Produkt und zu langfristigen Geschäftsbeziehungen.

Je nach Zweck und Ziel: vielfältige Kooperationen

Der frühzeitige Einsatz in der Praxis und die daraus resultierende Anpassung des Produkts an Kundenbedürfnisse ist dabei nur eine von mehreren Varianten. Wie weitere Kooperationen zwischen jungen und etablierten Unternehmen aussehen können, weiß Dr. Alex von Frankenberg. Er ist Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, der junge Technologie-Unternehmen mit Hilfe von Venture Capital auf den Weg bringt. "Weit verbreitet sind zum Beispiel auch Forschungskooperationen. Man forscht dabei zwar gemeinsam, aber jeder in seinem Bereich. Größere Unternehmen suchen dafür oftmals gezielt kleine und junge Unternehmen, um entsprechende Förderermittel beantragen zu können. Es gibt eine Reihe von Förderprogrammen, die explizit verlangen, dass kleine und mittlere Unternehmen mit  im Boot sind. Und die profitieren nicht nur von den finanziellen  Mitteln, sondern auch vom Know-how des erfahrenen und größeren Partners. Mit dessen Hilfe kommen sie schneller voran, als wenn sie allein marschieren.“

Bei der dritten Variante, so Alex von Frankenberg, geht es um die Beteiligung eines etablierten Unternehmens an einem Start-up. Für den Junior-Partner ist dabei nicht allein die Finanzspritze interessant, sondern auch die Chance, auf diesem Weg geschäftlich näher an den Senior heranzurücken. Diese Nähe kann letztlich dazu führen, dass das junge Unternehmen übernommen wird: Variante 4. „Für die Gründer kann das durchaus spannend sein. Man gibt zwar seine Eigenständigkeit auf. Aber fachlich können sie so ihre Technologie besser voranbringen und an einem noch größeren Rad drehen“, so Alex von Frankenberg.

Für diejenigen Start-ups, die ihre Eigenständigkeit bewahren wollen, kommt als fünfte Variante auch eine Kooperation mit Großunternehmen oder Konzernen in Frage, die sogenannte Inkubatoren zur Verfügung stellen. In diesen Gründungs- oder Business-Inkubatoren können die Gründerinnen und Gründer nicht nur die Büro- und Forschungsinfrastruktur nutzen, sondern erhalten auch fachliche und betriebswirtschaftliche Unterstützung aus dem "Mutterunternehmen". Deren Interesse ist, den Anschluss an Innovationen nicht zu verpassen und auf dem Laufenden zu bleiben. Nicht selten beobachten die Mitarbeiter des High-Tech Gründerfonds auch, dass das Image eine gewisse Rolle spielt. Großunternehmen wollen zeigen, dass sie auf bestimmten Märken aktiv sind.

Kooperationen vorbereiten

Start-ups haben relativ wenig Ressourcen, nicht nur finanziell, sondern auch personell. Generell sollten sich Gründerinnen und Gründer daher zunächst zwei Fragen stellen, so Alex von Frankenberg: "Was haben wir, und was haben wir nicht? Und: Wie können wir das, was wir nicht haben, durch eine Kooperation bekommen? Dabei muss übrigens am Ende nicht unbedingt die Kooperation mit einem etablierten Unternehmen herauskommen. Als Partner kommen auch Universitäten oder andere Start-ups in Frage."

Eine weitere wichtige Frage, die im Vorfeld jeder Kooperation beantwortet werden muss, ist: Wie viel Zeit haben wir?  Denn, so Alex von Frankenberg:  "Ein typischer Fehler ist, die zeitlichen Zyklen zu unterschätzen. Wenn ein großes Unternehmen kooperieren will, müssen sehr viele Leute mit eingebunden werden und zustimmen. Diese Leute muss man alle unter einen Hut kriegen. Dann wechselt einer und der nächste muss eingebunden werden. Plötzlich ist schon ein dreiviertel Jahr vergangen, bevor es überhaupt losgegangen ist. Viele Start-ups haben diese Zeit aber nicht und müssen schnell vorankommen, Erfolge zeigen, Produkte fertig stellen und auf den Markt bringen. Da kann eine Verzögerung schon sehr kritisch sein."

Gerade für diejenigen Gründerinnen und Gründer, die bislang noch keine  Konzernerfahrung haben, kann es daher sinnvoll sein, Mittler einzuschalten, die nicht nur den Kontakt zu geeigneten Ansprechpartnern herstellen, sondern auch beurteilen können, mit welcher Intensität auf Kooperationsanfragen reagiert wird. Dabei stehen verschiedene Mittler zur Verfügung: "Es gibt viele Professoren mit tollen Industriekontakten. Geschäftspartner kommen aber ebenso in Frage. Förderprogramme wie EXIST und die dahinter stehenden Personen haben gute Kontakte zu Großunternehmen. Und der High-Tech Gründerfonds hat auf Grund seiner Gesellschafterstruktur mit vielen Konzernen zu tun."

Tipp

Vom Junior- zum Senior-Partner

Die unsichere Start-up-Phase hat Yatta inzwischen weit hinter sich gelassen. Die Kooperation - gerade in jungen Unternehmensjahren - hat aber nicht nur zum wirtschaftlichen Erfolg der Gründer beigetragen, sondern auch deren Umgang mit der heutigen Start-up-Generation geprägt, betont Johannes Jacop: „Wir haben uns die Agilität und den Drive eines Start-ups bewahrt. Dazu gehört vor allem auch das Streben danach, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen und ständig nach Verbesserungen zu suchen.“

Inzwischen ist das ehemalige Start-up fest am Markt etabliert. Das Unternehmen ist nach wie vor offen für Kooperationen und engagiert sich zudem für andere Start-ups. Johannes Jacop setzt sich mittlerweile auch ehrenamtlich für die Gründerszene ein: als Mitglied im UnternehmerRat der Universität Kassel, bei den Wirtschaftsjunioren sowie im Gründer- und Mentorennetzwerk Forum Kiedrich, das wachstumsorientierte Unternehmensgründungen mit Mentoren und Business Angels zusammenbringt.

„Heute stehen wir jungen Start-ups als Sparringspartner für ihre Ideen zur Verfügung. In erster Linie unterstützen wir Ideen aus der Region oder Softwareunternehmen mit universitärem Hintergrund“, so Jacop. Aus Sicht des älteren Partners fällt auf, dass der Zeitaufwand für das Engagement und F&E-Kooperationen nicht unerheblich ist: „Aber ich betrachte es auch als Investition. Der Blick über den eigenen Tellerrand schärft den Blick. Deshalb lohnt es sich für jeden Einzelnen sich mit Gründerinnen und Gründern zu beschäftigen oder mit Partnern Ideen offen zu diskutieren. Und wenn hieraus die eine oder andere Kooperation, das eine oder andere Geschäft entsteht, haben alle was davon. Genauso wie bei uns damals.“

Dr. Alexander von Frankenberg über die Finanzierungskonditionen

Bildrechte: High-Tech Gründerfonds

Weitere Informationen

Ende