Kooperation "light": Mentoring

Unternehmerisches Erfahrungswissen an junge Unternehmerinnen und Unternehmen weitergeben. Darum geht es kurz gefasst beim Mentorenprogramm der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden. Nicht selten wird hier auch der Grundstein für spätere Kooperationen gelegt.

Zwei Jahre nach der Gründung ihrer Sprachenschule hatten Karen Sternberger und Astrid Schmitt Bilanz gezogen. Das Ergebnis war zwiespältig. "Wir hatten zwar schon viel erreicht, aber ausgerechnet  bei dem Angebot, das eigentlich unser Alleinstellungsmerkmal ist, hakte es noch. Unsere Idee war, Business-English für individuelle Anforderungen anzubieten, sei es für fachspezifische Unternehmenspräsentationen, zur Kundenakquise oder Messeauftritte. Aber irgendwie kamen wir nicht weiter." Bis sie im vergangenen Jahr am Mentorenprogramm der IHK Wiesbaden teilgenommen haben. „Da hatten wir ein richtiges ‚Aha-Erlebnis‘ als uns unsere Mentorin sagte, dass wir nicht einfach nur eine Sprachenschule betreiben, sondern mit unserem Business-English wirklich etwas Besonderes anzubieten haben: ein exklusives Coaching-Angebot, das wir entsprechend vermarkten und deutlich hochpreisiger verkaufen müssen." Karen Sternberger und Astrid Schmitt arbeiten nun daran, den Auftritt ihrer Sprachenschule komplett neu auszurichten. Mit ihrer Mentorin, Marianne Brandt, die damals für das "Aha-Erlebnis" gesorgt hat, stehen sie nach wie vor in Kontakt. 

Erfahrungswissen für junge Unternehmen

Marianne Brandt gehört zu den über 30 Unternehmerinnen, Unternehmern und Führungskräften, die sich am Mentorenprogramm der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden beteiligen. Als Coach und Organisationsberaterin ist sie prädestiniert dafür, ihre Erfahrungen auch als Mentorin weiterzugeben. "Dabei muss ich mich natürlich von meiner Beratungstätigkeit abgrenzen. Als Mentorin fertige ich zum Beispiel keine Konzeptionen oder Marketingstrategien an. Stattdessen bleibt es beim Gespräch: Ich spreche mit meinen Mentees über ihre Probleme, helfe ihnen, Lösungen zu finden und biete ihnen dafür mein Wissen und meine Erfahrungen an. Inhaltlich geht es dabei meist um die klare Positionierung des Unternehmens am Markt, um Wachstumsstrategien oder die Unternehmerpersönlichkeit und natürlich immer auch um die Kundenakquise.“ Hinzu komme bei Bedarf die Vermittlung zu Lieferanten oder anderen Geschäftskontakten.

Je nachdem, wo der Schuh drückt, stehen die Wiesbadener Mentoren jungen Unternehmen zur Seite und geben praktische Tipps. Viele der Unternehmer, die im Programm als Mentoren aktiv sind, können sich noch gut daran erinnern, wie sie sich in den ersten Jahren der beruflichen Selbständigkeit um alles selbst kümmern mussten. „Deswegen können sie sich gut in die Lage von Gründerinnen und Gründer hineinversetzen", sagt  Aline Schütz von der IHK Wiesbaden. Bei ihr und ihrer Kollegin laufen die Fäden für das Mentorenprogramm zusammen. Sie bringen junge Unternehmen, die nicht älter als fünf Jahre sind, mit ehrenamtlichen Mentoren aus der Wirtschaft zusammen. "In den ersten fünf Jahren zeigt sich in der Regel, ob man mit seinem Unternehmen am Markt bleibt oder wieder schließen muss. Je nachdem, wie ich als junger Unternehmer entscheide, kann sich das positiv oder negativ auf den weiteren Bestand des Betriebs auswirken. Vielen fehlt dabei allerdings der notwendige Erfahrungshintergrund, um auf Probleme angemessen zu reagieren. Und genau da kommen unsere Mentoren ins Spiel. Sie stehen dem unternehmerischem Nachwuchs für die Dauer von sechs bis zwölf Monaten mit ihren Erfahrungen zur Seite", so Aline Schütz.

Erst Mentoring, dann Kooperation?

Auch Thomas Pargen, Volkswirt und seit zehn Jahren Inhaber eines Servicecenters für Drucker, engagiert sich ehrenamtlich als Mentor. "Ich kooperiere bereits seit mehreren Jahren mit der IHK, engagiere mich dort im Starter- und Mittelstandsausschuss und betreue als Mentor junge Unternehmen zu Vertriebsfragen." Die Arbeit mit seinen Mentees sieht er dabei nicht als Kooperation im klassischen Sinne an, auch wenn er dabei nicht ganz leer ausgeht. "Als Gegenleistung für meine Hilfe erhalte ich über die Kammer Zugang zu einem sehr großen und interessanten Unternehmernetzwerk. Über meine Mentees erfahre ich, was sich so am Markt in den verschiedenen Branchen tut.  Und hin und wieder bekomme ich auch ganz interessante Impulse für die Weiterentwicklung meines eigenen Unternehmens. Aber keine Frage: Aus Sicht des Mentors ist das unter dem Strich eher ein Geben als ein Nehmen."

Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn nicht selten bekommen die Mentees durch die Teilnahme am Mentoring ein Gespür dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen funktionieren kann. Bei Karen Sternberger jedenfalls ist der Funke übergesprungen: "Wir achten jetzt viel mehr darauf, mit anderen Unternehmen Erfahrungen oder auch Serviceleistungen auszutauschen. Außerdem gehören wir inzwischen zum Netzwerk unserer Mentorin und kooperieren dort mit unseren Partnern auf Augenhöhe.“

Dr. Alexander von Frankenberg über die Finanzierungskonditionen

Bild: IHK Wiesbaden

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