Existenzgründung

BMWi-Expertenforum

Als Existenzgründerin und Existenzgründer hat man täglich mit neuen Fragen zu tun.

Hilfestellung und Orientierung bietet hier das BMWi-Expertenforum. Die Expertinnen und Experten beantworten Ihre Frage und weisen Ihnen den weiteren Gründungsweg. In unserem eMagazin stellen wir Ihnen jeweils einen der über 40 Experten vor.

Ernst Rabenstein

Ernst Rabenstein ist Steuerberater und Gesellschaftergeschäftsführer der Kempf+Partner StB-GmbH, Heilsbronn, sowie Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer Nürnberg. Er hält darüber hinaus Vorträge auf Existenzgründungsmessen zu steuerlichen Themen.

Im BMWi-Expertenforum beantwortet er Fragen zu den Themen

  • Einkommensteuer
  • Körperschaftsteuer
  • Umsatzsteuer
  • Gewerbesteuer
  • Erbschaft- und Schenkungsteuer
  • steuerlichen Fragen zu GmbH, Personengesellschaften und Rechtsformwahl
  • Buchhaltung, Kostenrechnung und Gewinnermittlungen

Wir stellen Ihnen hier einige Fragen vor, die von Herrn Rabenstein im BMWi-Expertenforum beantwortet wurden. In der Rubrik „Steuern“ können Sie ihm sowie seinen Kollegen Ihre Frage stellen.
Zum Expertenforum

 

FrageIch bin aktuell Bezieher von ALG I und möchte mich gerne selbständig machen. Ich möchte zunächst über eine Nebentätigkeit als Selbständiger den Schritt in die Selbständigkeit als Berater wagen. Ich gehe davon aus, dass ich unter der Einkommensgrenze als Kleinunternehmer bleibe und nicht umsatzsteuerpflichtig bin. Mein geplantes Unternehmen besteht aus reiner Beratung / Assistenztätigkeit. Was muss ich gegenüber dem Finanzamt tun? Welche finanziellen Vorleistungen sind zu erbringen bzw. wie rechne ich dann gegenüber dem Finanzamt bei Umsätzen im Sinne der Kleinunternehmerregelung ab?


Antwort

Wenn Sie jetzt ALG beziehen, müssen Sie Ihre Selbständigkeit bei der Arbeitsagentur anzeigen, auf diese Problematik gehe ich nicht ein.

Zunächst zur Unterscheidung:
Bei der Umsatzsteuer gibt es den Begriff des Kleinunternehmers. Dies liegt dann vor, wenn Ihr Umsatz (= Einnahmen) des laufenden Jahres den Betrag von 17.500 Euro nicht überschreitet. Wenn Sie die Kleinunternehmerregelung wählen, fällt keine MwSt an. Sie dürfen auf Rechnungen an Ihre Kunden auch keine MwSt verrechnen. Sollten Ihre Kunden ausschließlich Unternehmer sein, ist dies nicht sinnvoll, da die Kunden die von Ihnen verrechnete MwSt wieder vom Finanzamt erstattet bekommen und gleichzeitig Sie aus Ihren Kosten die ausgewiesene MwSt als Vorsteuer vom Finanzamt erstattet erhalten - sofern Anfangsinvestitionen notwendig sind, kann dies sich rechnen. Es kommt also darauf an, wer Ihre Kunden sind, Unternehmer oder Endverbraucher.
Bei der Kleinunternehmerregelung ist keine MwSt an das Finanzamt abzuführen, da ja auch keine anfällt.

Zu unterscheiden ist die Einkommensteuer auf Ihren Gewinn. Gewinn = Betriebseinnahmen abzüglich Ausgaben im Zusammenhang mit Ihrer Tätigkeit. Bei der Einkommensteuer bleibt der Grundfreibetrag - liegt bei ca. 8.000 Euro für Ledige - von der Einkommensteuer frei. Dieser Betrag erhöht sich noch um z.B. gezahlte Krankenversicherungsbeiträge.

Für Ihr Einkommen aus der selbständigen Tätigkeit müssen Sie nach Ablauf des Kalenderjahres eine Einkommensteuererklärung und eine Gewinnermittlung abgeben.

Wenn Sie sich selbständig machen, müssen Sie dies über eine Gewerbeanmeldung bei Ihrer Gemeinde anzeigen und dann kommt vom Finanzamt ein Fragebogen, in diesem wird auch die Frage nach der Umsatzsteuer - Kleinunternehmer - zu beantworten sein, auch das Einkommen wird abgefragt.

Quelle: Ernst Rabenstein StB
Kempf + Partner Steuerberatungsgesellschaft mbH
Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer Nürnberg

April 2014

nach oben

FrageIch plane, mich als Übersetzerin selbständig zu machen. Momentan bin ich in diesem Bereich noch als Kleinunternehmerin auf Freelancer-Basis und nebenberuflich tätig. Momentan erhalte ich etwa 50 Prozent meiner Aufträge aus den USA. Falls ich mich selbständig machen würde, würde ich also mindestens die Hälfte meiner Aufträge aus den USA erhalten.

Sind diese Einnahmen umsatzsteuerpflichtig oder gilt hier der Begriff „nicht steuerbar“? Wenn die Einnahmen nicht umsatzsteuerpflichtig sind, wie gehe ich bei der Steuererklärung vor?


Antwort

Ihre Übersetzungs-Leistungen sind sogenannte Sonstige Leistungen nach dem Umsatzsteuergesetz. Diese Leistungen sind, wenn der Auftraggeber in den USA sitzt, in Deutschland nicht umsatzsteuerbar, es fällt also keine MwSt in Deutschland an. In der deutschen Umsatzsteuererklärung sind diese Umsätze nicht anzugeben, in der Einkommensteuererklärung selbstverständlich als Einnahmen zu versteuern.

Für die Umsatzsteuer gilt folgendes, hier ist zu unterscheiden:
Leistungen an Unternehmer: Wenn für einen Unternehmer die sonstige Leistung erbracht wird, ist Ort der Leistung USA. Hier haben Sie auf der Rechnung einen Hinweis zu erbringen, dass der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet, also der Kunde in den USA die Umsatzsteuer für Sie in den USA abführt, ob er einen Vorsteuerabzug wie in Deutschland hat, weiß ich nicht. § 3a Abs. 2 UStG.

Leistungen an Privatpersonen: Hier müssen Sie in den USA die Mehrwertsteuer bezahlen, Sie müssen sich dazu in USA registrieren lassen und die Umsatzsteuer für diese Leistungen in USA abführen. § 3a Abs. 4 Nr. 3 UStG.

Quelle: Ernst Rabenstein StB
Kempf + Partner Steuerberatungsgesellschaft mbH
Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer Nürnberg

September 2014

nach oben

FrageIch möchte Dienstleistungen wie Kinderschminken, Kinderbetreuung bei Events, Eventplanung und „Sweet Candy Tables“ für Wedding Planer und Privatpersonen anbieten. Durch die Mitarbeit in einer Kinder-Eventagentur weiß ich, dass dieses Kleingewerbe im Eröffnungsjahr 17.500 Euro und im Folgejahr 50.000 Euro Umsatz nicht übersteigen wird. Reicht es, eine einfache Buchführung zu machen?


Antwort

Für das von Ihnen anzumeldende Kleingewerbe ist bei dieser Größenordnung als Gewinnermittlungsart die Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG anzuwenden. Dafür reicht es aus, wenn Sie die Einnahmen und Ausgaben aufzeichnen, also in einer Art vereinfachten Buchführung. Es geht dabei immer nach tatsächlicher Zahlung bzw. tatsächliche Vereinnahmung der Einnahmen, also Erfassung der reinen Zahlungsvorgänge.

Ihre beschriebene Vorgehensweise ist korrekt.

Quelle: Ernst Rabenstein StB
Kempf + Partner Steuerberatungsgesellschaft mbH
Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer Nürnberg

Mai 2014

nach oben

FrageIch habe eine kostenpflichtige Bildungsapp auf den Markt gebracht. Ist es in diesem Kontext richtig, als Kleinunternehmer ein Gewerbe anzumelden? Die Einstellung einer App in den App-Store ist m.E. für eine Privatperson nicht möglich. Ein Fantasiename verpflichtet zur gleichzeitigen Anmeldung im Handelsregister?
Was passiert, wenn die App nicht wie erhofft nachgefragt wird? Muss man dann nach vier Jahren den Vorsteuerabzug zurückzahlen samt Steuerersparnis durch Verlustverrechnung mit Einkünften aus der freiberuflichen Tätigkeit? Oder kann man evtl. wegen der Nichteinschätzbarkeit des Umsatzes beim Finanzamt erst mal nur eine EÜR zur Verrechnung abliefern? Wie kommt man dann aber der Verpflichtung der App Stores nach, eine DUNS-Nummer und evtl. auch eine Umsatzsteuer-ID zu melden?


Antwort

Ich gehe davon aus, dass Sie bei den App-Stores Ihre richtige Adresse und Namen angeben müssen, auch wegen der Abrechnung. Dann vertreiben Sie die App unter Ihrem Namen, auch wenn Sie vorher einen Fantasienamen stellen.

Sollten Sie am Markt mit einer anderen Bezeichnung als Ihrem Namen auftreten wollen, dann müssen Sie sich als e.K. eintragen lassen. Ob das wegen der offenen Annahme am Markt und den anderen Fragen sinnvoll ist, müssen Sie selbst entscheiden, ist ja auch mit weiteren Kosten verbunden.

Beim Finanzamt müssen Sie unter Ihrem Namen eine Tätigkeit anmelden, kurzes Schreiben an das Finanzamt genügt mit Hinweis auf Ihre Tätigkeit. Dann erhalten Sie eine Steuernummer und beantragen Sie bitte eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.). Diese müssen Sie dann dem Vertreiber Ihrer App vorlegen. Die DUNS-Nr. erhalten Sie nicht vom Finanzamt, diese müssen Sie über die entsprechende Plattform beantragen.

Sofern Sie sich für die Option zur Umsatzsteuer entscheiden, haben Sie Vorsteuerabzug. Die MwSt für Ihre Umsätze wird nach meinem Sachstand vom App-Store einbehalten und über das Reverse Charge Verfahren beim Finanzamt vom Store abgeführt, deshalb auch die Vorlage der USt-IdNr. Wenn Umsätze erzielt werden und die Umsatzerzielung dem Finanzamt nachgewiesen werden kann, ist die Vorsteuer aus den Investitionen nicht zurückzuzahlen.

Für die Einkommensteuer ist eine Einnahme-Überschuss-Rechnung dem Finanzamt einzureichen. Sollte nach einigen Jahren das Finanzamt zum Ergebnis kommen, dass aufgrund Verluste ein Totalüberschuss aus der Tätigkeit nicht zu erzielen ist, kann es sein, dass die Tätigkeit als sogen. „Liebhaberei“ eingestuft wird und sie die Verluste steuerlich nicht verwerten können, also evtl. bereits erhaltene Steuergutschriften wieder zurückzahlen müssen.

Bei der Umsatzsteuer heißt es „Einnahmenerzielung“ und bei der Einkommensteuer „Gewinnerzielungsabsicht“.

Quelle: Ernst Rabenstein StB
Kempf + Partner Steuerberatungsgesellschaft mbH
Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer Nürnberg

Januar 2014

nach oben