Interview mit Myriam Kasten, Photographie

„Im Grunde ist die Umsatzsteuer nur so ein durchlaufender Posten, der auf dem Geschäftskonto geparkt wird, ohne dass er einem gehört.“

Myriam Kasten ist freiberufliche Fotografin mit einem eigenen Fotostudio in Duisburg. Zu ihren Kunden gehören vorwiegend Hochzeitspaare, Familien und gelegentlich auch Unternehmen. Als sie sich vor sieben Jahren selbständig gemacht hat, hat sie sich für die Kleinunternehmerregelung entschieden.

Frau Kasten, Sie haben zu Beginn Ihrer Selbständigkeit die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen. Wie kam es zu der Entscheidung?

Kasten: Ich war beim Thema Steuern anfangs sehr unbedarft und habe mir erst einmal einen Steuerberater gesucht, der mir alles erklärt hat. Ich war und bin ja nach wie vor eine Ein-Personen-Show, wie man so schön sagt, und habe keine Angestellten. Anfangs hatte ich auch noch kein eigenes Studio, sondern bin von anderen Fotografen oder von privaten Auftraggebern gebucht worden. Über meinen Steuerberater habe ich dann von der Kleinunternehmerregelung erfahren. Er hat mir gesagt, wie viel Umsatz ich als Kleinunternehmerin erwirtschaften darf, dass ich auf meinen Rechnungen keine Mehrwertsteuer ausweisen muss, aber auch keine Vorsteuer geltend machen darf. Das passte alles ganz gut zu meiner damaligen Situation. Also habe ich auf dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung angekreuzt, dass ich die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehme.

Dass Sie damit auch keine Anschaffungen steuerlich absetzen konnten, war für Sie nicht entscheidend?

Kasten: Nein, eine Kamera hatte ich ja schon, und mehr Anschaffungen brauchte ich erst einmal nicht. Das hat sich dann erst im Laufe der Zeit geändert, als die Geschäfte immer besser liefen. Mein Umsatz war dann irgendwann so hoch, dass ich nicht mehr unter die Kleinunternehmerregelung fiel. Hinzu kam, dass ich damals auch ein eigenes Fotostudio eröffnen wollte. Das war natürlich mit einigen Investitionen für Fotolampen, Blitzlampen, Fotostudioausrüstung usw. verbunden, für die ich im Einkauf Vorsteuer mit bezahlen musste. Die konnte ich dann durch den Wechsel zur Regelbesteuerung beim Finanzamt absetzen.

Mit dem Wechsel zur Regelbesteuerung mussten Sie auch Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben. Das mussten Sie als Kleinunternehmerin nicht.

Kasten: Ja, als Kleinunternehmerin musste ich bzw. mein Steuerberater nur jeweils eine Umsatzprognose für das kommende Jahr und eine Erklärung über die tatsächlichen Umsätze des abgelaufenen Jahres abgeben. Mit dem Wechsel zur Regelbesteuerung sind die Prognosen weggefallen, aber dafür sind die quartalsweisen Umsatzsteuervoranmeldungen hinzugekommen. Darin wird dem Finanzamt mitgeteilt, wie viel Umsatzteuer ich bei meinen Einkäufen bezahlt habe und wie viel ich durch meine Aufträge eingenommen habe.

Ich stelle also alle drei Monate meine Ein- und Ausgangsrechnungen zusammen, gebe sie meinem Steuerberater, der die Umsatzsteuervoranmeldung macht und mir dann sagt, wie viel ich ans Finanzamt überweisen muss. Dabei darf er die Umsatzsteuer, die mir in Rechnung gestellt wurde, von der abziehen, die ich eingenommen habe. Ich zahle also nur die Differenz.

Das hört sich nicht so an, als ob Ihnen das Thema Umsatzsteuer jemals Kopfzerbrechen bereitet hat.

Kasten: Im Gegenteil. Das war gar nicht so einfach. Ich musste wirklich lernen, ganz anders mit dem Geld umzugehen. Wenn ein Kunde mein Honorar plus 19 Prozent Umsatzsteuer bezahlt, landet der komplette Rechnungsbetrag ja erst einmal auf meinem Geschäftskonto. Das fühlt sich natürlich gut an, aber man muss dann doch im Hinterkopf behalten, dass die Umsatzsteuer oder zumindest ein Teil davon alle drei Monate ans Finanzamt weitergeleitet werden muss. Im Grunde ist die Umsatzsteuer nur so ein durchlaufender Posten, der auf dem Geschäftskonto geparkt wird, ohne dass er einem gehört. Das muss man sich immer wieder bewusst machen, dass es nicht das eigene Geld ist. Das kann gerade in der ersten Zeit nach dem Wechsel zur Regelbesteuerung schwierig werden. Wenn man vielleicht mit 2.000, 3.000 Euro Umsatz knapp über der Kleinunternehmerschwelle liegt, also insgesamt noch nicht so viel verdient und dann alle drei Monate die eingenommene Umsatzsteuer abführen muss: Da hat man dann manchmal das Gefühl, dass auf dem Geschäftskonto nichts übrig bleibt.

Was haben Ihre Kunden beim Wechsel zur Regelbesteuerung gesagt?

Kasten: Ich habe sehr viele Privatkunden. Und die mussten nach meinem Wechsel zur Regelbesteuerung tatsächlich tiefer in die Tasche greifen. Für meine gewerblichen Kunden spielte die Regelbesteuerung keine Rolle. Die können die Umsatzsteuer ja beim Finanzamt absetzen. Aber wenn ich einem Hochzeitspaar sage, das kostet 500 Euro plus 95 Euro Umsatzsteuer, dann können die nichts absetzen. Das bedeutet: Für Privatkunden bin ich tatsächlich teurer geworden, auch wenn ich selbst gar nichts davon habe. Die Alternative ist, dass ich mein Honorar auf 420 Euro reduziere. Dann kommen noch rund 80 Euro Umsatzsteuer hinzu, so dass meine Kunden im Endeffekt weiterhin 500 Euro bezahlen. Aber das ist für mich natürlich ein Verlust. Also da muss man schon überlegen, wie man sein Honorar am besten gestaltet, um wettbewerbsfähig zu bleiben und trotzdem über die Runden zu kommen.

Bildrechte: Myriam Kasten

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