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Kleinunternehmerinnen und -unternehmer: besser ohne Umsatzsteuer?

Wer mit seiner beruflichen Selbständigkeit startet und erst einmal keine hohen Einnahmen hat, kann die sogenannte Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Damit ist vieles einfacher.

Die Kleinunternehmerregelung bietet eine ganze Reihe von Vorteilen: Sie brauchen keine Umsatzsteuer ans Finanzamt abzuführen. Sie müssen auch keine monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben. Und da Ihre Rechnungen keine Umsatzsteuer enthalten, haben Sie gegenüber Privatkunden einen Wettbewerbsvorteil: Im Vergleich zu Unternehmen, die ihre Rechnungen mit Umsatzsteuer ausweisen müssen, sind Sie günstiger

Allerdings hat die Kleinunternehmerregelung auch einen Haken: Wenn Sie Waren oder Leistungen einkaufen, können Sie die in den Rechnungen aufgeführte Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer absetzen. Sollten Sie also in absehbarer Zeit größere Investitionen planen (Büroausstattung, Kfz, häufige berufliche Reisen), ist es vermutlich sinnvoller, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten. In dem Fall gilt für Sie - wie für jeden Unternehmer - die reguläre Umsatzbesteuerung. Das bedeutet, Sie müssen monatlich eine Umsatzsteuer-Voranmeldungen auf elektronischem Weg über das Webportal ELSTER an das Finanzamt übermitteln. In Ihren Rechnungen weisen Sie die Umsatzsteuer aus und im Rahmen der Umsatzsteuer-Voranmeldungen ziehen sie die Vorsteuer ab.

Beachten Sie: Wenn Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, dürfen Sie auf Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen. Stattdessen sollten sie folgenden Hinweis aufnehmen: „Keine Umsatzsteuer, da Kleinunternehmer nach § 19 UStG."

Übrigens: Wenn Sie sich dazu entschließen, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten, gilt das für fünf Kalenderjahre. Darauf weist der Deutsche Steuerberaterverband hin. Überlegen Sie sich diesen Schritt daher gut

Für wen ist die Kleinunternehmerregelung?

Voraussetzung ist, dass Sie - aus steuerlicher Sicht - Kleinunternehmer(in) sind. Dazu gehören Einzelunternehmen bzw. Freiberufler, aber auch Teams in der Rechtsform einer GbR oder Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), die

  • im Jahr der Gründung voraussichtlich einen Umsatz (nicht zu verwechseln mit Gewinn!) von nicht mehr als 17.500 Euro erwirtschaften.

Für die Folgejahre gilt:

  • Kleinunternehmen dürfen im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen haben und
  • im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen.

Wichtig zu wissen für Gründer: Die Umsatzgrenze von 17.500 Euro bezieht sich immer auf ein ganzes Jahr. Wer mit der Selbständigkeit während des Jahres startet, muss den voraussichtlichen Umsatz also auf zwölf Monate hochrechnen. Daran denken viele Gründer nicht, wenn sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen, so die Erfahrung der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen.

Und: Bei beiden Beträgen handelt es sich um Bruttobeträge. Die Umsatzsteuer muss immer mit einberechnet werden.

Praxisbeispiel:

Eine Designerin hat sich im Oktober 2012 selbständig gemacht. Sie schätzt ihren monatlichen Umsatz auf durchschnittlich 1.200 Euro plus 7 Prozent Umsatzsteuer (84 Euro). Auf das Gesamtjahr hochgerechnet, sind das 15.408 Euro. Damit liegt sie unter der Umsatzschwelle von 17.500 Euro und kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Im zweiten Jahr ihrer Selbständigkeit erzielt sie einen Umsatz von 16.000 Euro. Dazu rechnet sie noch 7 Prozent hinzu und kommt auf einen Bruttoumsatz von 17.120 Euro. Das heißt, sie kann weiterhin die Kleinunternehmerregelung nutzen. Im dritten Jahr ihrer Selbständigkeit laufen die Geschäfte langsam an, so dass sie einen Nettoumsatz von 35.000 Euro erwirtschaftet. Rechnet sie 7 Prozent Umsatzsteuer hinzu, kommt sie auf insgesamt 37.450 Euro. Mit diesem Betrag liegt sie unter 50.000 Euro, so dass für dieses Jahr noch die Kleinunternehmerregelung gilt. Ab dem folgenden Jahr, muss sie allerdings zur regulären Besteuerung wechseln und auf ihren Rechnungen Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen. Aber selbst wenn sie in diesem Jahr auf einen Gesamtumsatz von über 50.000 Euro gekommen wäre, hätte dies für das laufende Jahr keine Konsequenzen. Die Kleinunternehmerregelung würde trotzdem noch gelten. Es sei denn, die Designerin hätte bereits zu Beginn des Jahres einschätzen können, dass ihr Umsatz die Grenze von 50.000 Euro überschreitet. In dem Fall wäre sie bereits für das laufende Jahr umsatzsteuerpflichtig geworden.

„Bei der Umsatzgrenze von 50.000 Euro kommt es immer auf die Prognose an", so BStBK-Vizepräsident Dr. Herbert Becherer. Diese Prognose muss zu Beginn des Jahres erstellt werden. Liegt sie unter 50.000 Euro, gilt die Kleinunternehmerregelung für das laufende Jahr, selbst wenn der tatsächliche Umsatz später davon abweicht.

Kleinunternehmerregelung beantragen

Jede Gründerin und jeder Gründer erhält vom Finanzamt einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Gewerbetreibende bekommen diesen Fragebogen in der Regel im Rahmen ihrer Gewerbeanmeldung zugeschickt. Freiberufler wenden sich direkt an das Finanzamt. In Zeile 7.3 des Fragebogens kreuzen Sie an, ob Sie die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen. Oder ob Sie auf die Kleinunternehmer-Regelung verzichten, obwohl Sie die Umsatzgrenze von 17.500 Euro voraussichtlich nicht überschreiten. In dem Fall sind Sie an diese Entscheidung fünf Jahre gebunden. In diesem Zeitraum können Sie nicht zur Kleinunternehmer-Regelung wechseln. Der Wechsel von der Kleinunternehmerregel zur Regelbesteuerung ist dagegen jederzeit möglich. Ein formloses Schreiben ans Finanzamt reicht aus.

Bereits selbständige Kleinunternehmer können jederzeit für das Folgejahr die sog. Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Ein formloses Schreiben ans Finanzamt genügt.

Umsatzgrenze überschritten

Wenn Sie im Laufe des Jahres feststellen, dass die Umsatzgrenze von 50.000 Euro überschritten wird, müssen Sie mit Beginn des kommenden Jahres in Ihren Rechnungen die Umsatzsteuer ausweisen und im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt abführen.

Beispiel:

Ein Gründer eröffnet am 1. September 2014 seinen Online-Shop. Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung hat er angekreuzt, dass er die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen wird. Wider Erwarten läuft das Geschäft von Anfang so gut, dass er die Umsatzgrenze von 17.500 Euro überschreitet und einen Umsatz von 19.500 Euro erzielt. Das bedeutet: Ab 1. Januar 2015 muss er seinen Kunden jeweils 19 Prozent Umsatzsteuer in Rechnung stellen. Sollten im Jahr 2015 die Umsätze zurückgehen, so dass er insgesamt nicht mehr als 17.500 Euro (inkl. Umsatzsteuer) erwirtschaftet, kann er - wenn er möchte - ab 2016 wieder die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen.

Bildrechte: Deutscher Steuerberaterverband e.V.

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