Die Zahl der Unternehmerinnen in Deutschland soll in den nächsten Jahren steigen. Das steht auf dem Wunschzettel der Bundesregierung. Dafür hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Ende Oktober die Initiative „FRAUEN unternehmen“ gestartet.

Portraitfoto Brigitte Zypries

Iris Kronenbitter
Leiterin der bundesweiten gründerinnenagentur (bga)
(Bildrechte: bga)

Mehr Unternehmerinnen in Deutschland!?

Das BMWi hat für die Initiative "FRAUEN unternehmen" eine nationale Koordinierungsstelle bei der bundesweiten gründerinnenagentur (bga) eingerichtet. Die Leiterin der bga, Iris Kronenbitter, stellt die Ziele und Inhalte der neuen Initiative vor.

Frau Kronenbitter, warum wurde die Initiative „FRAUEN unternehmen“ gestartet?

Kronenbitter: Ein zentraler Grund ist natürlich, dass es in Deutschland immer noch viel zu wenig Unternehmerinnen gibt. Laut Mikrozensus liegt der Anteil von Frauen an allen beruflich Selbständigen bei etwas über einem Drittel. Und das, obwohl Frauen heutzutage Top-Qualifikationen besitzen, um ein Unternehmen zu führen.

Ein weiterer Grund für „FRAUEN unternehmen“ ist, dass Unternehmerinnen nach wie vor viel zu wenig in der Öffentlichkeit und auch in Fachkreisen wahrgenommen werden. Sehen Sie sich die Besetzung von wirtschaftsbezogenen Podiumsdiskussionen oder Gremien an oder auch die Wirtschaftsberichterstattung in den Medien: Frauen werden Sie dort nur in Ausnahmefällen finden. Es sei denn, es handelt sich um ein frauen- bzw. unternehmerinnenspezifisches Thema.

Das muss sich ändern. Wir haben es bei den von Frauen geführten Unternehmen schließlich nicht nur mit Klein- oder Teilzeitunternehmen zu tun, sondern auch mit größeren mittelständischen Unternehmen, die einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum in Deutschland leisten. Es gibt im Bereich der erfolgreichen innovativen und exportorientierten Mittelständler den Begriff der Hidden Champions. So könnte man im Grunde auch die vielen Unternehmerinnen bezeichnen, die trotz ihres Erfolgs nicht wahrgenommen werden.

Die Initiative „FRAUEN unternehmen“ möchte vor allem auch mehr Frauen dazu motivieren, sich selbständig zu machen. Wie soll das gelingen?

Kronenbitter: Die Tatsache, dass Unternehmerinnen in unserer Gesellschaft kaum in Erscheinung treten, hat auch Konsequenzen für die Berufsplanung von Mädchen und jungen Frauen. Wenn wir an allgemeinbildenden Schulen, Berufsschulen und Hochschulen mit Schülerinnen und Studentinnen sprechen, ist denen die berufliche Option, sich selbständig zu machen, in der Regel nicht bewusst. Viele wissen gar nicht, was es eigentlich heißt, beruflich selbständig zu sein. Das ist auch kein Wunder, denn zum einen fehlt es an Vorbildern und zum anderen sind die gängigen Informationen zur Berufsausbildung und Karriereplanung auf abhängige Beschäftigungsverhältnisse ausgerichtet.

„FRAUEN unternehmen“ möchte daher Mädchen und jungen Frauen, aber auch Frauen, die über neue berufliche Perspektiven nachdenken, zeigen, was es heißt, Unternehmerin zu sein. Welche Vorteile bietet die unternehmerische Selbständigkeit gegenüber einer abhängigen Beschäftigung? Welche Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten habe ich dadurch? Es geht darum, bei möglichst vielen Frauen den Unternehmerinnen-Geist zu wecken. Einen wichtigen Beitrag dazu werden die im Rahmen von „FRAUEN unternehmen“ ausgewählten rund 180 Vorbild-Unternehmerinnen leisten.

 

Was macht diese Unternehmerinnen zum Vorbild?

Kronenbitter: Es handelt sich um Frauen, die mit ihren Unternehmen schon seit vielen Jahren erfolgreich am Markt sind. Es sind allesamt begeisterte und überzeugte Unternehmerinnen, die es zu schätzen wissen, unabhängig zu sein und ihre Geschäftsideen nach eigenen Vorstellungen umzusetzen. Und sie engagieren sich bereits in ihrem Umfeld, indem sie zum Beispiel an Schulen über ihre Erfahrungen berichten.

Im Rahmen von „FRAUEN unternehmen“ sollen sie zeigen: Es gibt uns Unternehmerinnen, wir sind erfolgreich und wir stehen unsere Frau. Praktisch wird es so aussehen, dass sie in ihrer Funktion als Rollenvorbilder mehr noch als bisher Schulen und Hochschulen besuchen werden und dort über ihr unternehmerisches Selbstverständnis und ihren unternehmerischer Alltag berichten werden. Darüber hinaus werden sie an regionalen Veranstaltungen wie zum Beispiel der Wirtschaftsförderungen oder den Industrie- und Handelskammern teilnehmen. Und natürlich stehen sie für Interviews in den Medien zur Verfügung.

Welche Aufgabe hat die bundesweite gründerinnenagentur (bga) im Rahmen der Initiative?

Kronenbitter: Für „FRAUEN unternehmen“ wurde eine nationale Koordinierungsstelle geschaffen und die ist bei der bga angesiedelt. Unsere Aufgabe ist es, die Vorbild-Unternehmerinnen in ihren regionalen Aktivitäten zu unterstützen und zu vernetzen. Sei es, dass wir Kontakte und Ideen untereinander weitervermitteln oder Anfragen von Medien, Kammern, Wirtschaftsförderungen oder Schulen und Hochschulen an die Unternehmerinnen weiterleiten.

Alle Aktivitäten der Vorbild-Unternehmerinnen werden wir sichtbar machen und auch im Gründerinnenportal www.existenzgruenderinnen.de veröffentlichen, das wir gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium anbieten.

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