Energie-Unternehmen: Interview mit Dipl.-Ing. Nick Zippel, Sager & Deus GmbH Gebäude- und Umwelttechnik

„Wir haben in unserem Handwerk gigantische Möglichkeiten.“

Herr Zippel, Sie haben Ihren Betrieb konsequent auf umwelt- und klimaschonende Heizungs- und Sanitärtechnik ausgerichtet. Warum?

Zippel: Als Umwelttechnikingenieur habe ich mich schon frühzeitig auch privat mit Umweltschutz- und Energiefragen beschäftigt. Als ich dann am 1. April 2006 zusammen mit Jesko Mohr und Torben Kühl die SAGER & DEUS GmbH gegründet habe, wollten wir einen neuen Weg einschlagen. Üblicherweise ist es ja so, dass Heizungs- und Sanitärbetriebe standardmäßig konventionelle Lösungen anbieten. Umwelt- und klimaschonende Technik gibt es in der Regel nur optional, auf Nachfrage des Kunden. Wir haben den Spieß daher einfach umgedreht und schlagen unseren Kunden von vorneherein umweltfreundliche und energiesparende Lösungen wie zum Beispiel die dezentrale Stromversorgung durch Photovoltaik oder Blockheizkraftwerke vor. Konventionelle Technik gibt es dagegen bei uns nur auf Nachfrage.

Bild; Bildrechte: N. Zippel

War es nicht schwierig, über diesen Weg Kunden zu gewinnen?

Zippel: Man muss als junges Unternehmen schon für viel Wirbel sorgen, um die Leute neugierig zu machen. Wir veranstalten seit unserer Gründung 2006 in Hamburg zum Beispiel Energiewende-Frühstücke, Energiewende-Abende oder wir bieten Betriebsbesuche an, wo wir mit 20, 30 Leuten zu Solarfabriken oder Herstellern von Blockheizkraftwerken fahren. Wir zeigen, wie spannend es ist, sich mit Energie zu beschäftigen, so dass uns immer mehr Anfragen erreichen. Selbst heute erleben wir immer noch, dass es viele Leute einfach aufregend finden, wenn wir denen sagen 'Mensch, lass uns mal radikal rangehen und werd' dein eigener Energieerzeuger.'  Wir haben aber nicht nur in der Öffentlichkeit für viel Wirbel gesorgt, sondern sind auch bei unseren Kunden von der ersten Stunde an anders herangegangen: Das heißt, wir haben uns erst einmal die Energiebilanz von jedem Gebäude angesehen. Wie viel Energie wird dort auf der Strom- und auf der Wärmeseite verbraucht? Was kann das Objekt aus sich heraus schon bringen? Wie sieht es zum Beispiel mit der Sonneneinstrahlung aus? Wie steht das Gebäude? Wie steht es zu anderen Objekten? Wir planen also nicht nur aufgrund von VDI-Norm oder anderen Richtlinien, sondern schauen uns die Objekte einzeln an. Dazu setzen wir zum Beispiel auch Datenlogging ein. Das heißt, wir messen über mehrere Monate die Energieströme in den Gebäuden, um zu sehen, wie viel Heiz-, Warmwasser- und Zirkulationsenergie in welchem Zeitraum verbraucht wird.

Sie kombinieren auch verschiedene Gewerke.

Zippel: Ja. Sanitär, Elektro, Heizung und Lüftung wachsen immer mehr zusammen. Allein durch unsere Wartungskunden stellen wir fest, dass der Bedarf an Full-Service-Angeboten groß ist. Von den 131 Mitarbeitern, die mittlerweile bei uns beschäftigt sind, sind daher 111 Mitarbeiter mit dem Thema Heizungs- und Elektrotechnik, 12 Mitarbeiter mit der Sanitärtechnik und 8 Mitarbeiter mit der Lüftungstechnik beschäftigt.

Auch wenn alle über Umwelt- und Klimaschutz reden – ausschlaggebend ist doch letztlich der Preis. Oder ist das bei Ihren Kunden anders?

Zippel: Da müssen wir uns nichts vormachen: Bei einem guten Teil unserer Kunden verbauen wir immer noch gute moderne konventionelle Technik - selbst dann, wenn die ursprünglich wegen der Umweltthemen zu uns gekommen sind. Da ist dann schon der Preis ausschlaggebend. Aber! Der Anteil der Kunden, die sich nicht nur am Preis orientieren, ist in den letzten zehn Jahren sehr, sehr stark gestiegen. Für mittlerweile gut ein Drittel unserer Kunden ist der Klimawandel mittlerweile glücklicherweise ein Thema. Und das ist ein gesellschaftlicher Wandel, der uns fast schon euphorisch stimmt. Mittlerweile kommen auch Kunden aus dem eher konservativen Lager, die mit Umwelt- und Klimaschutz bislang wenig am Hut hatten.

Und die kommen, weil sie nun ihr Herz für die Energiewende entdeckt haben?

Zippel: Nein, sicher nicht alle. Die kommen zunächst einmal, weil wir eine hohe technische Kompetenz ausstrahlen. Bei Umwelt- und Energietechnik handelt es sich um moderne innovative Anlagen, die ein entsprechendes betriebliches Know-how erfordern. Unsere Mitarbeiter sind daher technisch immer auf dem aktuellen Stand.

Inzwischen hat sich aber auch herumgesprochen, dass man durch die richtige Technik viel Geld sparen kann. Nehmen Sie zum Beispiel ein Blockheizkraftwerk. Der Motor wird mit Windgas, Holzpellets oder einem anderen Brennstoff betrieben. Die erzeugte Energie wandelt der Generator in elektrischen Strom um und die anfallende Abwärme wird durch den Wärmetauscher als Heizenergie brauchbar gemacht. Und genau das ist der Vorteil gegenüber herkömmlichen Brennwertkesseln oder Großkraftwerken, die nur Wärme über Brennwertkessel mit Gas oder Strom, zum Beispiel über kohlebetriebene Großkraftwerke, aber keine Wärme bzw. Strom erzeugen. Ein solches Blockheizkraftwerk rentiert sich für fast jedes Gebäude ab zehn Wohneinheiten und für jeden Industriekunden, der über 300.000 Kilowattstunden verbraucht. Das heißt, es kann noch vor Ablauf der Abschreibungszeit refinanziert werden.

Es gibt immer mehr Kunden, die darüber nachdenken zum Beispiel ein Blockheizkraftwerk mit einer Photovoltaikanlage und einem Stromspeicher zu kombinieren und dann noch ein Energielast-Management einzuführen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man so heute auf 100 % Autarkie kommen. Oder man nutzt Wind- oder Solargas, also synthetisches Methan, das aus überschüssigem Strom regenerativer Energien hergestellt wird. Damit braucht man kein fossiles Erdgas mehr einzusetzen.

Sie sind Mitglied der Hamburger Umweltpartnerschaft. Welche Rolle spielt die Vernetzung mit anderen Unternehmen für Sie?

Zippel: Als Mitglied der Hamburger Umweltpartnerschaft, die die Hamburger Umweltbehörde ins Leben gerufen hat, können wir das Umweltpartner-Logo nutzen, was bei den Kunden gut ankommt. Außerdem bewegen wir uns in einem Netzwerk von etwa 1.000 Unternehmen aus ganz verschiedenen Branchen. Das bietet eine gute Möglichkeit, andere tolle Ansätze kennen zu lernen und eigene eingefahrene Gleise zu überdenken. Außerdem hoffe ich, dass wir gemeinsam in den nächsten Jahren Energiekonzepte oder auch Einkaufsringe vorantreiben können. Damit können wir zeigen, dass 1.000 Umweltpartner durchaus eine Größe sind, die die Energiewende hier in Hamburg mitgestalten können.

Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, die sich in Ihrer Branche selbständig machen möchten?

Zippel: Die Energiewende ist so, wie wir sie hier erleben, seit zehn Jahren extrem erfolgreich. Wir haben in den letzten drei, vier Jahren sogar noch einmal einen richtigen Schub erlebt. Ich glaube, dass in den nächsten zehn bis 20 Jahren die dezentrale Energieversorgung und die Verbesserung der Infrastruktur, viele neue Ideen für pfiffige Gründer mit sich bringen.

Man muss als junges Unternehmen aber auch am Ball bleiben und sich weiterbilden. Verbände wie zum Beispiel der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung bieten Seminare an. Aber auch die Lieferanten unterstützen Unternehmen mit Know-how.

Ganz wichtig ist: Nicht mit der Masse schwimmen. Auch außergewöhnliche Ideen ausprobieren, Veranstaltungen durchführen oder sich aktiv einmischen. Und sich mit aktuellen Themen beschäftigen, wie zum Beispiel den steigenden Energiekosten. Was mich wirklich wundert ist, dass viele Gründerinnen, Gründer und junge Unternehmen gar nicht sehen, was für gigantische Möglichkeiten wir in unserem Handwerk haben. Wir können letztendlich die Energiepreise beeinflussen, indem wir selber produzieren. Wenn man einmal verstanden hat, was zurzeit die Preistreiber im Bereich Energie sind, muss man auf die Leute mit vernünftigen fundierten Argumenten zugehen. Ich würde jedem Gründer empfehlen: Nutze alle Informationen über die dezentrale Energieversorgung und mach dich schlau. Lies Studien. Da gibt es jede Menge Ideen und Handlungsspielraum für Gründerinnen und Gründer.

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