Geschäftsfeld: Vernetzung und Steuerung

Die „Musik“ wird zukünftig nicht nur beim Anlagenbau oder der Zulieferung für Kraftwerksbetreiber spielen. Der Trend geht vielmehr in Richtung Vernetzung, Steuerung und Systemmanagement.

Darin sieht Dr. Karl-Friedrich Ziegahn vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die derzeit größte Herausforderung: „Ich sehe zum Beispiel Chancen für Start-ups, die Programme für produzierende Unternehmen entwickeln, um deren Strombedarf während der Produktionszeiten besser auf das Stromangebot abzustimmen. Oder auch Programme, die alle relevanten Energieströme erfassen. Der Überschussstrom kann beispielsweise in Form von Wärme gespeichert und wieder abgerufen werden, um nicht nur zu heizen, sondern auch mit einem entsprechenden Absorptionswärmetauscher Kälte zu erzeugen. Das Ganze erfordert ein professionelles Datenmanagement und ist ein typisches Big-Data-Thema. Ich denke, gerade hier bestehen gute Chancen für Start-ups, Fuß zu fassen.“

Stromnetze leistungsfähiger machen

Für Prof. Dr. Rik De Doncker, Direktor des E.ON Energy Research Centers an der RWTH Aachen liegt der Schlüssel zum Erfolg der Energiewende vor allem in leistungsfähigen Stromnetzen. „Wir erwarten, dass auf allen Spannungsebenen Energie erzeugt wird. Heutzutage geschieht das nur in großen Kraftwerken, die diese Energie ins Hochspannungsnetz einspeisen. Wenn wir aber Energie mit Sonne, Windkraft, Wasserkraft oder Bioenergie erzeugen, dann sind das meistens kleine Einheiten, die überall verstreut sind. Dafür sind die Netze nicht ausgelegt.“ Hier liege, so De Doncker, viel Neuland, das Start-ups noch erobern könnten. Vor allem mit Innovationen zu elektrischen Energie-Wandlungssystemen und Automatisierungstechnik, um Netze und Gebäude flexibler und effizienter zu betreiben. „Große Firmen haben natürlich sehr viele Kompetenzen und sehr viel Kapital und Forschungsinfrastruktur, um entsprechende Forschungen voranzutreiben. Aber kleine Unternehmen sind darin flexibler, und zwar da, wo die großen zu viel Risiko sehen. Für ein Start-up eine ideale Situation.“

Dezentrale Lösungen auf dem Vormarsch

Insgesamt sind dezentrale Lösungen gefragt. Lokal handeln – global denken! Dieser Leitspruch der Umweltbewegung gilt heutzutage gerade in der Energiebranche. Nur so kann die marktgerechte Integration der Erneuerbaren gelingen, ist Crispin Leick überzeugt. „Statt riesiger Stromspeicher könnten 'Smart Microgrids' zur Lösung beitragen, also die intelligente Vernetzung von Stromerzeugung, Speicherung und Nutzung auf lokaler Ebene. Das fängt beim Haus oder beim Unternehmen an, betrifft dann einen Straßenzug oder einen Stadtteil und schließlich eine ganze Stadt bis hin zur Region. Wer daher in eine Firma investiert, die einen Energiemanager für das Haus entwickelt hat, der sorgt zunächst dafür, dass der über eine Photovoltaikanlage erzeugte und nicht verbrauchte Strom in einer Batterie gespeichert werden kann. Wenn man die Idee weiterspinnt, könnte so ein Energiemanager auch Zugriff auf die Wettervorhersage haben und optimal planen, wann und wie er die Batterie auflädt und entlädt. Zumal er ja die Daten darüber hat, was der Haushalt typischerweise an einem Tag an Strom verbraucht.“

Herausforderung: Datenmanagement

Und genau das wirft wiederum Probleme auf, die zeigen, dass die Energiewende nicht nur technische Lösungen erfordert, entgegnet Dr. Ziegahn: „Gerade beim Stichwort 'Smart Home' stellt sich die Frage, wie Datenschutz und Datensicherung gewährleistet werden können. Es geht um das Management großer Datenmengen, und das ist mit ziemlichen Problemen verbunden: Wenn ich im Haushalt Kaffeemaschinen, Waschmaschinen und so weiter je nach der Verfügbarkeit von Strom steuern will, brauche ich Daten, die mir zeigen, wie sich der Endverbraucher verhält. Damit greife ich natürlich unmittelbar in seine Privatsphäre ein. Die Frage ist daher: Wie lässt sich Datenmanagement betreiben, ohne die Grundprinzipien der Datensicherheit und des Datenschutzes zu verletzen? Ich sehe hier durchaus unternehmerische Chancen für Politik- und Sozialwissenschaftler, Juristen und Wirtschaftswissenschaftler, sich zusammenzutun und etwa Kommunen oder Unternehmen zu beraten.“

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