Gründungs-Know-how für innovative „Energie-Gründungen“

Ob erneuerbare Energien oder Energieeffizienz: Für innovative und technologieorientierte Gründerinnen und Gründer gibt es gezielte Hilfestellung.

Vor welchen besonderen Herausforderungen Start-ups im Energiebereich stehen, weiß Leonie Groß. Sie leitet den Climate-KIC Accelerator „Green Garage“ in Berlin. „Gründungsteams in den erneuerbaren Energien beziehungsweise klimarelevante Gründungsvorhaben insgesamt bewegen sich in ganz neuen Märkten. Das ist mit Herausforderungen und Fragestellungen verbunden, die sich nicht immer so genau beantworten lassen. Nehmen Sie das Beispiel e-Mobility. Da kann man bisher für den deutschen Markt nicht wirklich vorhersagen, wann der Durchbruch kommt. Ähnlich verhält es sich mit Smart Homes. Das bedeutet für unsere Start-ups nicht nur, die Märkte zu beobachten und Entwicklungen zu antizipieren, sondern auch, auf politische Entscheidungen zu achten.“

In der „Green Garage“ haben Gründerinnen und Gründer daher die Möglichkeit, auf Partner und Investoren zu treffen, die sie dabei unterstützen, ihren Markt richtig einzuschätzen und ihre Produkt bis zur Marktreife zu entwickeln. Neben dem Berliner „Green Garage“-Standort gibt es einen weiteren bei der UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der Technischen Universität München.

Achtzehn Monate lang können junge Energie- bzw. Klima-Start-ups aus ganz Deutschland die Arbeitsräume oder auch „nur“ das Veranstaltungsangebot von Climate-KIC Acelerator in Berlin oder München nutzen. Dabei werden sie mit bis zu 95.000 Euro finanziell unterstützt. Voraussetzung ist: Das Geschäftsmodell muss einen innovativen Beitrag zur Kohlendioxidreduzierung leisten. Und: Die Bewerberteams müssen sich vor einer Jury erfolgreich präsentieren.

Wer den Zuschlag erhält, durchläuft ein dreistufiges unternehmerisches Fitnessprogramm. Neben Coachings und Workshops sind dabei die Kontakte zu Partnern aus ganz Europa entscheidend. Leonie Groß: „Wir sind europaweit aktiv und bieten unseren Teams den Zugang zu einem europäisches Netzwerk an, das aus Universitäten, Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen besteht. Und mit unseren 'Start-up Tours' bieten wir zum Beispiel Reisen ins Silicon Valley, nach Boston oder Israel an, um andere Märkte und Investoren kennenzulernen.“

Insgesamt wurden 50 Teams seit 2011 an den Standorten Berlin und München betreut. Eine Besonderheit in Berlin ist übrigens die Lage auf dem EUREF-Campus. Dort haben sich Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit dem Ziel angesiedelt, Konzepte für die Stadt der Zukunft zu entwickeln. Gründungsteams, die in den erneuerbaren Energien „unterwegs“ sind, befinden sich hier also in guter Nachbarschaft.

Das European Institute of Innovation & Technology (EIT)

Das EIT wurde 2008 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Budapest. Ziel ist es, die Innovationskapazität der EU-Mitgliedstaaten zu steigern und damit einen Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum in Europa zu leisten. Dazu werden unter dem Dach des EIT Vertreter aus Bildung, Forschung und Innovation in den sogenannten „Wissens- und Innovationsgemeinschaften“ - Knowledge and Innovation Communities (KICs) - eng miteinander vernetzt. Die Finanzierung erfolgt über Horizont 2020.

KIC InnoEnergy SE

Ebenfalls unter dem Dach des EIT, dem European Institute of Innovation & Technology, befindet sich KIC InnoEnergy SE. Das europäische Unternehmen setzt sich für Bildung, Innovation sowie Gründungen und den Aufbau neuer Geschäftsfelder im Energiebereich ein und investiert in innovative Energielösungen. Daran beteiligt sind rund 30 Anteilseigner, wie Hochschulen, Forschungszentren und Unternehmen in ganz Europa.

An der deutschen Tochtergesellschaft sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Universität Stuttgart, der Energieversorger EnBW und das Steinbeis Europa-Zentrum beteiligt. Ziel ist es, die Entwicklung marktfähiger Technologien für eine nachhaltige Energieversorgung in Europa zu unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Förderung von Start-ups. Dr. Christian Müller, Geschäftsführer der KIC InnoEnergy Germany GmbH: „Wir bieten Gründerinnen und Gründern im Energiebereich ein Basispaket an, das eine bis zu zweijährige Begleitung durch einen Business-Coach beinhaltet.“ Damit sollen unternehmerische Kompetenzen aufgebaut und ein erfolgreicher Marktauftritt ermöglicht sowie weitere Finanzierungsquellen erschlossen werden.

Je nach Produkt und Entwicklungsphase erhalten die Gründerinnen und Gründer auch Kontakt zu den KIC InnoEnergy-Partnern aus Industrie und Forschung. „Wir haben zum Beispiel gerade ein Start-up aus der Universität Stuttgart, das eine spektroskopische Messmethode entwickelt hat, um den Materialzustand von Brennkesseln in Kraftwerken zu testen. Die arbeiten jetzt zusammen in einem Projekt an der Universität Stuttgart, um dieses Spektroskop zur Marktreife zu bringen. Die Projektfinanzierung übernehmen wir dabei zum großen Teil“, so Dr. Müller. Darüber hinaus greift KIC ausgewählten Start-ups in der Frühphase mit einem eigenen Investmentfonds unter die Arme.

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