Eigenkapital fürs Unternehmen:
der Mikromezzaninfonds-Deutschland

Als der Mikromezzaninfonds im Herbst 2013 an den Start ging, hat niemand damit gerechnet, dass die Nachfrage so groß sein würde. Offensichtlich hat die Förderung bei Gründerinnen, Gründern und Kleinunternehmen genau „ins Schwarze getroffen“.

Die gute Nachricht: Gründerinnen und Gründer sowie Inhaber von kleinen jungen Unternehmen haben häufig gute Geschäftsideen. Die schlechte Nachricht: Sie finden selten eine Bank, die die Realisierung ihrer Ideen finanziert. Zum einen, weil sie in der Regel über wenig Eigenkapital verfügen, zum anderen, weil sie keine Sicherheiten haben. Und genau hier setzt der Mikromezzaninfonds an. „Er wurde eingerichtet, um die Eigenkapitalbasis von Klein- und Kleinstunternehmen zu stärken, die keine Fremdfinanzierung erhalten“, sagt Susanne Hauck von der Investitions- und Förderbank Niedersachsen – NBank. „Der Fonds richtet sich dabei insbesondere an Unternehmen, die von Frauen oder von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund geführt werden oder die aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründet wurden. Aber es kommen auch alle anderen Gründerinnen, Gründer und jungen Unternehmen in Frage. Inzwischen haben sogar einige Start-ups aus der Hightech- und Life-Science-Branche eine Beteiligung erhalten.“ Die NBank verwaltet den Mikromezzaninfonds im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, das das Förderinstrument aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds ESF und dem ERP-Sondervermögen im September 2013 aufgelegt hat.

Frauen vorn

Genehmigte Beteiligungen

Frauen*

314

Migranten**

230

Gründungen aus der
Arbeitslosigkeit

205

Sonstige

433

Legende: Gesamt: 1.182
  • 0
  • 100
  • 200
  • 300
  • 400
  • 500

*  Umfasst Unternehmensleitung oder Gründung unter Beteiligung von Frauen
** Umfasst Unternehmensleitung oder Gründung unter Beteiligung von Migranten

Quelle: Investitions- und Förderbank Niedersachsen - NBank, Stand: 19. März 2015

Seitdem ist die Nachfrage ungebrochen hoch. Sie zeigt, dass der Mikromezzaninfonds genau den Nerv der Gründerinnen, Gründer und Unternehmen trifft: „Insgesamt haben seit dem Start des Mikromezzaninfonds bundesweit 1.182 Unternehmen eine Beteiligung oder die Zusage für eine Beteiligung erhalten. Ausfälle gab es bislang dagegen nur rund 20“, freut sich Susanne Hauck.

Mikromezzaninfonds erhöht Eigenkapital

Der Mikromezzaninfonds gehört zusammen mit dem ERP-Gründerkredit - StartGeld und dem Mikrokredit zu den Förderangeboten des Bundes, die sich speziell an Kleinunternehmen richten. Susanne Hauck zu den Unterschieden: „Während es sich beim ERP-Gründerkredit - StartGeld oder auch beim Mikrokredit jeweils um Darlehen handelt, ist das Mikromezzaninkapital eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital.

Der Vorteil ist: Aus Sicht einer Bank oder Sparkasse ist eine Mikromezzaninbeteiligung kein Fremdkapital, sondern wirtschaftliches Eigenkapital, das dem Unternehmen langfristig zur Verfügung steht. Der Mikromezzaninfonds verbessert also die Eigenkapitalquote von Unternehmen und erhöht damit deren Chancen, einen Kredit von der Bank oder Sparkasse zu bekommen. Der Fonds für Kleinunternehmen richtet sich daher auch an Gründerinnen, Gründer und Unternehmen, die im Rahmen der Aufbauphase noch weitere Investitionen planen und dafür zusätzliche Kreditmittel benötigen.

Wie viele Beteiligungen wurden ausgezahlt? (2013-2014)

IV. Quartal 2013

116

I. Quartal 2014

240

II. Quartal 2014

178

III. Quartal 2014

239

IV. Quartal 2014

186

Legende: Gesamt: 959
  • 0
  • 50
  • 100
  • 150
  • 200
  • 250

Quelle: Investitions- und Förderbank Niedersachsen - NBank, 2015

Immerhin beteiligt sich der Mikromezzaninfonds an Unternehmen in Höhe von bis zu 50.000 Euro. Damit hat er mehr zu bieten als das Förderdarlehen "Mein Mikrokredit", das in der Regel nur kleine Darlehen von 10.000 bis 20.000 Euro zur Verfügung stellt. Er ist allerdings niedriger als der ERP-Gründerkredit – StartGeld, der Investitionen von bis zu 100.000 Euro finanziert.

Späte Tilgung sorgt für Zahlungsfähigkeit

Eine weitere Besonderheit ist die späte Tilgung, also die Rückzahlung der Mikromezzaninbeteiligung. „Eine Mikromezzaninbeteiligung muss erst ab dem siebten Jahr getilgt werden. Das heißt, das Unternehmen muss in den ersten sieben Jahren nur den jährlichen Zins von 8 Prozent bezahlen und in diesem Zeitraum keine Rückzahlungen leisten. Das schont die Liquidität, also die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Beim ERP-Gründerkredit - StartGeld und auch beim Mikrokredit setzt die Tilgung bereits wesentlich früher ein“, so Susanne Hauck.

Auch wenn der Zinssatz von acht Prozent pro Jahr auf den ersten Blick recht hoch erscheint, ist er bei näherem Hinsehen eher günstig. „Bei Gründern oder Unternehmern, die weder genug Eigenkapital noch Sicherheiten haben, würden die Banken - wenn überhaupt - für einen Kredit einen Zinssatz von mehr als acht Prozent berechnen“, ist die Expertin der NBank überzeugt.

Vorteil: Enge Verknüpfung von MBG und Bürgschaftsbank

Der Mikromezzaninfonds wird bei einer der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG) beantragt, und zwar in dem Bundesland, in dem die Investition erfolgt. Dabei arbeiten die MBGn eng mit den Bürgschaftsbanken in den Bundesländern zusammen. Daraus ergibt sich ein weiterer Vorteil für den Mikromezzaninfonds, weiß Susanne Hauck: „Eine Mikromezzaninbeteiligung liefert ja praktisch den Grundstein, um den Unternehmen eine weitere Finanzierung zu ermöglichen. Wie schon gesagt, erhöht die Mikromezzaninbeteiligung das unternehmerische Eigenkapital und verbessert damit die Chancen, einen Kredit bei der Bank zu bekommen. Darüber hinaus erwarten Banken aber auch Sicherheiten, wie beispielsweise Grundstücke, Lebensversicherungen oder Maschinen. Wem es an Sicherheiten fehlt, kann daher bei der Bürgschaftsbank eine sogenannte Ausfallbürgschaft beantragen, die von Kreditinstituten als vollwertige Sicherheit anerkannt wird. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften und Bürgschaftsbanken funktioniert die Antragstellung meist schnell und einfach.“

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG)

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) engagieren sich – auch unabhängig vom Mikromezzaninfonds – mit eigenen Programmen meist in Form einer stillen Beteiligung zu günstigen Konditionen. Einige von ihnen bieten Sonderprogramme für Gründerinnen und Gründer an.
Übersicht der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften

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