Tipps zur Antragstellung

Der Antrag für eine Beteiligung aus dem Mikromezzaninfonds geht – in der Regel – schnell und einfach über die Bühne. Wir haben bei den Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften Sachsen und Niedersachsen nachgefragt, worauf es dabei ankommt.

Meist vergehen vom ersten Kontakt bis zu Auszahlung der Beteiligung nur zwei bis vier Wochen. Das ist nur einer der Pluspunkte des Mikromezzaninfonds-Deutschland. Voraussetzung ist allerdings, dass Gründerinnen und Gründer alle notwendigen Unterlagen einreichen. Und daran hapert es nicht selten, so die Erfahrung von Klaus Fürwitt von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen: „Wir erleben immer wieder, dass zum Beispiel das Gründungskonzept, die Umsatz- und Ertragsvorschau oder auch der Liquiditätsplan unvollständig sind. Oder nicht aktuell. Ein Businessplan und die dazugehörige Kalkulation sollten unbedingt das laufende Jahr und die beiden Folgejahre berücksichtigen. Da werden die meisten Fehler gemacht.“

Das gilt auch für junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die den Mikromezzaninfonds innerhalb der ersten fünf Jahre in Anspruch nehmen möchten. Klaus Fürwitt: „Wenn zum Beispiel im August 2015 ein Unternehmer zu mir kommt und sagt, dass er die Einnahmen-Überschussrechnung oder die Bilanz nur für das Jahr 2013 vorlegen kann, dann ist das schlichtweg zu alt. In diesem Fall benötigen wir einen Jahresabschluss von 2014. Darüber hinaus brauchen wir eine aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung für das laufende Geschäftsjahr.“

Antrag rechtzeitig stellen

Unternehmerinnen und Unternehmer sollten im Übrigen darauf achten, den Antrag nicht zu spät zu stellen, vor allem nicht erst dann, wenn es im Unternehmen womöglich schon „brennt“. „Wenn sich die Geschäfte nicht wie erhofft entwickeln und nach zwei, drei Jahren das Startkapital aufgebraucht ist, so dass Liquiditätsprobleme auftreten oder sogar schon eine Notsituation vorliegt, können wir mit dem Mikromezzaninkapital kaum helfen“, weiß Detlef Siewert von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Niedersachsen. „Besser ist es, schon in der Gründungsphase vorausschauend zu planen und sich mit Unterstützung des Mikromezzaninfonds eine ausreichende Liquidität zu sichern." Das geht häufig im Zusammenspiel mit der Bank oder Sparkasse, die bei einer Beteiligung durch den Mikromezzaninfonds eher bereit ist, zusätzlich noch einen Kredit bereit zu stellen.

SCHUFA- Auskunft

Eine Auskunft der SCHUFA muss den Unterlagen ebenfalls beigefügt werden: "Das ist wichtig", so Detlef Siewert. „Denn ein negativer Eintrag ist ein K.O.-Kriterium für eine Beteiligung aus dem Mikromezzaninfonds. Wobei wir auch schon erlebt haben, dass die SCHUFA-Auskunft nicht korrekt oder nicht aktuell war, weil es zum Beispiel zu Namensverwechslungen kam. Insofern ist es wichtig, seine eigene SCHUFA zu kennen, um sie eventuell zu korrigieren." Apropos Schulden: Wer ein privates Insolvenzverfahren durchlaufen hat, muss erst die sogenannte Wohlverhaltensphase abgeschlossen haben. Erst dann kann er oder sie einen Antrag für den Mikromezzaninfonds stellen.

Zuerst beraten lassen, dann Antrag stellen

Auch wenn das Antragsverfahren beim Mikromezzaninfonds relativ schlank ist, machen die beiden Mikromezzaninexperten immer wieder die Erfahrung, dass der eine oder andere Punkt übersehen wird. Zwar bieten die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften Hilfestellung bei der Antragstellung an. Aber, so Klaus Fürwitt: "Die besseren Chancen hat derjenige, der gut vorbereitet zu uns kommt. So ein Gespräch ist ja wie eine Bewerbung. Wenn man da einen guten Eindruck hinterlässt, hat man einfach eine Hürde weniger. Gerade weil der Mikromezzaninfonds keine banküblichen Sicherheiten erfordert, müssen uns Person und Konzept umso mehr überzeugen.“

Der erste Weg sollte daher zur Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer führen, um die Geschäftsidee, den Businessplan und auch die fachliche und unternehmerische Eignung des Gründers zu klären. Die Kammern arbeiten in Sachen Mikromezzaninfonds eng mit den Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften zusammen und können daher bei der Vorbereitung des Antrags helfen. Detlef Siewert von der MBG Niedersachsen empfiehlt, eventuell auch einen Berater hinzuzuziehen, der in der KfW-Beraterbörse gelistet ist. „Der Businessplan muss nachvollziehbar und plausibel sein. Von daher kann es sinnvoll sein, zum Beispiel einen Berater mit guten Branchenkenntnissen 'ins Boot zu holen'.“

Mittel sind zweckgebunden

Gibt es für die Beteiligung 'grünes Licht', muss sie genau für den Zweck eingesetzt werden, für die sie laut Antrag auch vorgesehen ist. Klaus Fürwitt: „Man kann nicht im Antrag schreiben, dass man die Beteiligung für den Erwerb von Maschinen benötigt und sich nachher ein Auto kaufen. Das wäre vertragswidrig. Wer sich für den Mikromezzaninfonds interessiert, muss also schon genau wissen, wofür er das Geld benötigt."

Unterm Strich: positiv

Insgesamt zieht man bei den Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften eine positive Bilanz, was die bisherigen Erfahrungen mit dem Mikromezzaninfonds betrifft. Bei einer Höhe von bis zu 50.000 Euro, können viele Gründer und Kleinunternehmen ihren Finanzierungsbedarf sogar vollständig mit der Beteiligung abdecken.

Erfreulich ist vor allem auch, dass der Mikromezzaninfonds bei den Banken einen hohen Stellenwert genießt. Detlef Siewert: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die von uns geförderten Unternehmen ihr Ansehen gegenüber den Banken deutlich verbessern konnten. Dadurch, dass die Beteiligung an dem Unternehmen als wirtschaftliches Eigenkapital bewertet wird, werden die Stabilität und die Sicherheit des Unternehmens gefördert. Wenn dann über die Bürgschaftsbanken zusätzlich noch eine Ausfallbürgschaft zur Verfügung gestellt wird, sind die Banken in aller Regel bereit, dem Unternehmen für das weitere Wachstum auch einen Kredit zu gewähren.“

Weitere Informationen

  • Deutscher Industrie- und Handelskammertag
    IHK-Finder
Ende