Der „Oscar“ unter den Gründerpreisen

Interview mit Julia Bartelt, Projektleiterin des Deutschen Gründerpreises beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband e. V., und Andrea Pfundmeier, Geschäftsführerin der Secomba GmbH und Preisträgerin in der Kategorie StartUp 2014.

Portraitfoto Robert Freudenreich und Andrea Pfundmeier

Robert Freudenreich, Andrea Pfundmeier, Secomba GmbH
(Bildrechte: Secomba GmbH)

Der Deutsche Gründerpreis gehört zu den renommiertesten Gründungswettbewerben. Er wird sowohl für den Aufbau neuer Unternehmen als auch für die erfolgreiche Entwicklung innovativer und tragfähiger Geschäftsideen verliehen. Ausgelobt wird er vom stern, den Sparkassen, ZDF und Porsche. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt die Auszeichnung.

Frau Bartelt, der Deutsche Gründerpreis ist die wichtigste Auszeichnung für Gründerinnen und Gründer sowie Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland. Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Bartelt: Seit seinem fast 15-jährigen Bestehen trägt der Deutsche Gründerpreis dazu bei, die Gründungskultur in Deutschland zu fördern. Maßgeblichen Anteil daran haben natürlich unsere Gewinner, die wir jedes Jahr bei der Preisverleihung im ZDF in Berlin präsentieren und die erfreulicherweise eine große mediale Aufmerksamkeit erfahren. Sie zeigen, wie viel Begeisterung und Leidenschaft beim Aufbau und der Führung eines Unternehmens mitschwingen. Und dass sie als Unternehmerin oder Unternehmer ihre eigenen Ideen verwirklichen konnten und selbst über die Ausgestaltung ihres Arbeitslebens bestimmen.

Indem wir diese positiven Aspekte des Unternehmertums sichtbar machen, möchten wir andere Menschen inspirieren und Mut machen, über eine Unternehmensgründung nachzudenken und dabei nicht zuletzt die spannenden, verantwortungsvollen und gesellschaftlich bedeutsamen Seiten der unternehmerischen Selbständigkeit hervorheben.

Bildrechte: DSGV e.V.
Deutscher Gründerpreis

Die Kandidaten für den Deutschen Gründerpreis können sich nicht selbst bewerben, sondern werden Ihnen von einem Expertennetzwerk vorgeschlagen. Warum wurde dieses Verfahren gewählt?

Bartelt: Beim Deutschen Gründerpreis zeichnen wir die Besten der Besten aus, wirkliche Vorbilder eben. Deshalb legen wir sehr viel Wert auf einen sorgfältigen Auswahlprozess und auf die „richtigen“ Kandidaten. Aus diesem Grund arbeiten wir mit einem Expertenpool zusammen. Die rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulen, Venture-Capital-Gesellschaften, Sparkassen, Ministerien, Unternehmen usw. schlagen uns jedes Jahr geeignete Kandidaten vor und treffen somit bereits eine Vorauswahl, da sie die Gründerinnen und Gründer kennen und einschätzen können, ob diese die Kriterien des Deutschen Gründerpreises erfüllen.

Nach der Nominierung beginnt in den Kategorien „StartUp“ und „Aufsteiger“ die Vorauswahl. Das heißt, wir schauen uns die vorgeschlagenen Kandidaten genau an. Ungefähr 60 Prozent der Unternehmen kommen dann in die erste Jury-Runde. In der wählen die Juroren die Top-30-Unternehmen, vier Wochen später – nach weiteren Recherchen – die Top-10-Unternehmen. Danach führen Vertreter aus den vier Partnerhäusern Telefoninterviews mit den verbleibenden 10 Unternehmen.

Frau Pfundmeier, Sie haben mit Ihrem IT-Unternehmen, der Secomba GmbH, alle diese Hürden genommen.

Pfundmeier: Ja, nachdem Robert Freudenreich und ich von unserer Nominierung erfahren hatten, haben wir der Jury auf Anfrage eine Präsentation mit detaillierten Informationen zu unserem Geschäftsmodell und zur Entwicklung unseres Unternehmens zugeschickt. Zum Hintergrund: Wir haben eine Verschlüsselungssoftware entwickelt, die das Sicherheitsproblem, das nach wie vor in vielen Clouds besteht, löst. Damit können wir auch großen Wettbewerbern erfolgreich die Stirn bieten. Letzteres hat die Jury offensichtlich besonders beeindruckt.

Anschließend wurde ein Telefoninterview mit uns geführt und danach kamen Vertreter des Deutschen Gründerpreises, der Porsche Consulting und des stern für ein ausführliches Gespräch zu uns ins Büro nach Augsburg. Dabei ging es vor allem um Fragen wie zum Beispiel zur Funktionsweise unserer Software. Wie nimmt der Markt sie an? Wie fällt das Feedback der Kunden aus? Es wurden auch viele Fragen zu unserer Person gestellt, zu unserem Werdegang, wie wir uns kennengelernt haben, wer welche Aufgabe im Team übernimmt, wie wir Führungsaufgaben lösen, wie wir uns fachlich ergänzen usw. Und was es für mich und meinen Partner Robert Freudenreich bedeutet, selbständig zu sein.

Frau Bartelt, Sie prüfen Ihre Kandidaten bis zum Finale also „auf Herz und Nieren“.

Bartelt: Uns geht es primär um die Unternehmerpersönlichkeit, die Geschäftsidee als auch um deren Nachhaltigkeit. Bei den Aufsteigern, die ja schon ein paar Jahre existieren, steht die Unternehmenskultur im Mittelpunkt. Mit dieser intensiven Prüfung „auf Herz und Nieren“ unterscheiden wir uns auch zu anderen Preisen in diesem Bereich. Erst wenn alle Informationen vorliegen, findet die letzte Jury-Sitzung statt, in der entschieden wird, wer den Preis bekommt.

Frau Pfundmeier, das war ja schon alles mit einem gewissen Aufwand verbunden. Warum haben Sie den auf sich genommen?

Pfundmeier: Der Deutsche Gründerpreis ist mit die höchste Auszeichnung, die man als Start-up in Deutschland erreichen kann. Also haben wir uns gesagt: Da investieren wir gerne Zeit. Es hat uns persönlich natürlich auch gereizt. Schaffen wir das? Werden wir da ausgezeichnet? Oder schaffen wir das nicht?

Außerdem beschäftigt man sich im Geschäftsalltag nicht mehr so oft mit seinem Businessplan. Und wenn man dann die Gelegenheit erhält, sein Geschäftskonzept noch einmal mit Hilfe von ausgewiesenen Experten zu überarbeiten, kann das nicht schaden. Außerdem ist die Präsentation vor einer Jury eine gute Übung für ein Verkaufsgespräch beim Kunden.

Und nicht zuletzt, muss man wissen, dass die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben auch ein Marketingvorteil ist. Wir bieten eine Sicherheitssoftware an und wenn man in dem Markt „unterwegs“ ist, sind Wettbewerbe, die man gewinnt, oder für die man vielleicht auch nur nominiert ist, für potenzielle Kunden und Geschäftspartner ein Qualitätsmerkmal.

Frau Bartelt, haben Sie mit Ihren Preisträgern in der Rückschau richtig gelegen? Wie haben sie sich entwickelt?

Bartelt: Ich würde sagen, dass 99 Prozent aller Unternehmen, die wir jemals ausgezeichnet haben, noch am Markt sind. Und das viel erfolgreicher, als wir das jemals gedacht hätten. Dazu gehört als aktuelles Beispiel „mymuesli“. Ein Unternehmen, das heute fast jeder kennt. Obwohl das Team beim Deutschen Gründerpreis erst im dritten Anlauf gewonnen hat - Unternehmen können ja wiederholt vorgeschlagen werden.

Wie wichtig ist der Preis für die weitere Unternehmensentwicklung?

Bartelt: Alle Finalisten, also die Top 3 eines jeden Jahres, gewinnen beim Gründerpreis unter anderem ein Coaching durch die Porsche Consulting. Das entspricht dem Wert mehrerer Tausend Euro Beratungskosten, die ein Start-up normalerweise nicht aufbringen kann. Außerdem übernehmen die Mitglieder des Kuratoriums zweijährige Patenschaften für alle Finalisten. Wieder andere haben unglaublich von der medialen Aufmerksamkeit profitiert.

Frau Pfundmeier, wie wichtig war dieses Coaching für Sie?

Pfundmeier: Davon haben wir sehr profitiert. Vier Tage lang waren zwei Mitarbeiter der Porsche Consulting bei uns im Unternehmen. Am Anfang waren wir ein bisschen skeptisch. Schließlich sind wir ein IT-Unternehmen. Wie soll uns da das Know-how eines Automobilunternehmens helfen? Aber dann waren wir doch überrascht, wie viele Parallelen es gibt und wie kompetent die Berater uns unterstützen konnten.

Worum ging es?

Pfundmeier: Wir hatten verschiedene Themen. Beispielsweise Qualitätssicherung in der Software. Wie können wir sicherstellen, dass die Qualität gut ist und neue Produkte von uns schnell auf den Markt kommen? Dann das Thema Vertrieb. Oder auch das Bewerbermanagement. Wie können wir es schaffen, dass mehr potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf uns aufmerksam werden, obwohl wir als Unternehmen keinen großen Namen haben? Wie können wir für diesen Zweck unsere Stellenausschreibungen verbessern?

Die Themen haben Sie festgelegt?

Pfundmeier: Ja, wir haben gesagt, wo uns der Schuh drückt und die Berater dann mit unseren zuständigen Mitarbeitern zusammengebracht, die ihnen in einem dreistündigen Gespräch haarklein auseinandergelegt haben, wo wir hin wollen und worin unsere aktuellen Hürden bestehen. Natürlich mussten sie auch jede Menge Fragen der Berater beantworten: Was passiert mit der Software, die ein Programmierer erstellt? Wer prüft die? Wo wird sie freigeschaltet? Anschließend haben sich die Berater zurückgezogen und Vorschläge entwickelt, die sie uns dann präsentiert haben. Das war für uns eine sehr konstruktive Zusammenarbeit.

Frau Bartelt, der Gründerpreis stellt den Finalisten auch sein weit verzweigtes Netzwerk zur Verfügung. Wer gehört dazu?

Bartelt: Erst einmal das Kuratorium, das aus 24 bekannten Familienunternehmern besteht. Die bringen natürlich sehr viel Erfahrung mit und stehen den jungen Unternehmen mit ihrem Know-how und ihren Kontakten zur Seite. Dazu kommt das Alumni-Netzwerk, das von den Finalisten selbst gegründet worden ist. Das ist wie eine große Familie.

Frau Pfundmeier, konnten Sie das Netzwerk für sich nutzen?

Pfundmeier: Ja, das konnten wir. Kuratoriumsmitglied Friedrich von Metzler vom Bankhaus Metzler ist unser Pate geworden. Wir treffen uns regelmäßig. Kürzlich hat er uns zum Essen mit Freunden im Bayerischen Hof in München eingeladen, darunter auch hochrangige Wirtschaftsvertreter und Politiker. Ich glaube, wenn wir zukünftig ein Problem haben sollten, hilft dieses Netzwerk uns „auf die Sprünge“.

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