Der Richtige muss es sein!

Das Angebot an Businessplanwettbewerben, Ideenwettbewerben und Auszeichnungen ist beachtlich. Gründungsinitiativen, Bundesländer, der Bund genauso wie Unternehmen veranstalten Wettbewerbe für unterschiedliche Zielgruppen und Branchen. Wie findet man heraus, welcher der richtige für einen ist? Und warum sollte man überhaupt an einem Wettbewerb teilnehmen?

„Allgemein kann man sagen, dass sich viele Gründerinnen und Gründer bei der Teilnahme an einem Wettbewerb zum ersten Mal intensiver mit ihrer Geschäftsidee beschäftigen“, so Frauke Eustermann, Leiterin des Service Center/Starter Center an der Industrie- und Handelskammer Berlin. „Sie denken darüber nach, ob die Idee stimmig ist und eine Chance auf dem Markt hat. Ob das so ist, dazu erhalten sie eine Einschätzung von Experten. Außerdem bieten Wettbewerbe den Teilnehmern auch die Chance, ihr Netzwerk zu erweitern, was einem natürlich auch weiterhilft.“ Diese Erfahrung hat man auch bei der IHK Köln gemacht: „Man nimmt immer was mit – und sei es auch nur die Schärfung der eigenen Darstellung und im besten Fall neben einem Geldpreis auch Know-how und Bekanntheit in der Region. Das sind alles Vorteile, die man sonst mit barer Münze bezahlen müsste“, weiß Mathias Härchen, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter der Unternehmensförderung an der IHK Köln.

Gerade bei ausgewiesenen Businessplanwettbewerben hält man idealerweise am Ende ein fundiertes Geschäftskonzept in Händen, das mit Unterstützung eines Expertennetzwerks und womöglich durch mehrstufige Auswahlrunden entstanden ist. Der Vorteil ist: Der Weg in die Selbständigkeit wird dadurch nicht nur sicherer und erfolgversprechender, auch die Tür zu Kapitalgebern lässt sich damit womöglich leichter öffnen. Dr. Christian Segal, Leiter des Firmencenters Gründung und Nachfolge bei der Berliner Sparkasse: „Wenn jemand am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg teilgenommen hat, dann reicht das zwar für eine Kreditbewilligung noch nicht aus. Aber grundsätzlich sind wir daran interessiert, das Team näher kennenzulernen. Vor allem dann, wenn es die letzte Stufe des BPW erfolgreich bewältigt und damit bewiesen hat, dass es in der Lage ist, ein umfassendes Unternehmenskonzept zu erstellen.“ Diese Gründerinnen und Gründer hätten auch gezeigt, so Dr. Segal, dass sie sich gut verkaufen und präsentieren könnten. „Das ist schon ein wichtiger Hinweis für uns darauf, dass diese Leute praxistauglich sind. Wie sagte schon der frühere deutsche Fußballnationalspieler Alfred Preißler so treffend: ‚Grau ist alle Theorie. Entscheidend ist auf‘m Platz.‘“

Die Teilnahme an einem Wettbewerb sorgt allerdings nicht automatisch für ein besseres Standing gegenüber Kapitalgebern und Geschäftspartnern. Nicht umsonst hat Dr. Christian Segal den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg als Beispiel aufgeführt. Der seit 20 Jahren existierende regionale Wettbewerb genießt einen sehr guten Ruf in der Gründerszene. Das Renomée ist dabei aber nur eines von mehreren Kriterien, nach denen man sich „seinen“ Wettbewerb aussuchen sollte. Es empfiehlt sich daher, genauer hinzuschauen.

Welcher Wettbewerb ist geeignet?

„Zunächst sollte man sich darüber klar werden, welche Erwartungen man an den Wettbewerb hat“, empfiehlt Mathias Härchen: „Was will ich mit dem Wettbewerb erreichen? Geht es mir darum, meinen Bekanntheitsgrad von jetzt auf gleich zu steigern? Dann sollte er möglichst überregionale Bedeutung haben und ein starkes Medienecho hervorrufen. Geht es dem Gründer eher um den Aufbau eines Experten-Netzwerks und vielleicht den Austausch mit anderen Gründern? Dann sollte der Wettbewerb entsprechende Foren oder andere Möglichkeiten zum Kontakteknüpfen anbieten.“

Diese Vorauswahl kostet natürlich etwas Zeit. Aber es lohnt sich, ist Frauke Eustermann überzeugt. „Der Wettbewerb muss zu einem passen, sonst bringt eine Teilnahme wenig und ist letztlich für den Gründer enttäuschend. Außerdem erfährt man ja schon bei der Recherche eine ganze Menge über die Gründungsszene, was einen als Gründer auch schon wieder ein Stückchen weiterbringt.“ Die Höhe des Preisgeldes sollte jedenfalls nicht das alleinige Auswahlkriterium sein.

Auswahlkriterium: branchenoffen oder branchenspezifisch

Die Zielgruppen, an die sich der Wettbewerb richtet, bieten zum Beispiel wichtige Anhaltspunkte für die Auswahl. So gibt es unter anderem branchenunabhängige und branchenspezifische Wettbewerbe. „Die meisten größeren Wettbewerbe sind branchenunabhängig und begleiten die Kandidaten dabei, ihre Geschäftsidee weiterzuentwickeln und einen Businessplan zu Papier zu bringen. Wenn die Bewerber aber schon einen fertigen Businessplan haben und in ihren Markt einsteigen wollen, kann es sinnvoller sein, einen branchenspezifischen Wettbewerb zu wählen“, so die Erfahrung von Frauke Eustermann.

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Auswahlkriterium: mehrstufige Wettbewerbsrunden

Wichtig ist, welche und wie viele Auswahlverfahren, Prüfungsverfahren und Juryverfahren ein Wettbewerb beinhaltet. Mathias Härchen: „Wenn man weiß, dass die Kandidaten zwei oder sogar drei Bewertungsrunden durchlaufen müssen, kann man sicher sein, dass das Ergebnis nicht von Einzelpersonen beeinflusst ist.“ Solche Faktoren sind ausschlaggebend dafür, welchen Ruf der Wettbewerb in der Szene genießt. „Hinzu kommt, welche Begleitinformationen es gibt und ob die Veranstaltung durch öffentliche Institutionen gefördert wird. Das ist immer ein ganz guter Hinweis darauf, dass das Ganze Hand und Fuß hat. Letztlich muss einen auch der Charakter des Wettbewerbs ansprechen. Denn es hilft ja nichts, irgendwelchen lukrativen Preisen hinterherzujagen, wenn man das Gefühl hat, dass man am falschen Platz und unter den falschen Leuten ist.“

Auswahlkriterium: Zeitaufwand

Viele Gründerinnen, Gründer oder junge Unternehmen haben wenig Zeit. Diese Erfahrung machen die Berater der Industrie- und Handelskammern immer wieder. Doch die Teilnahme an einem mehrstufigen Wettbewerb ist aufwändig. „Wir haben hier in der Region den mehrstufigen Wettbewerb NUK Neues Unternehmertum Rheinland, der über ein halbes bis Dreivierteljahr geht und mit einer Prämierungsfeier abschließt“, so Mathias Härchen. „Für jemanden, der schon per se unter Zeitnot leidet und sich in die Selbständigkeit aufmacht, bringt das nichts. Erst recht nicht, wenn als ‚Eintrittskarte‘ ein fertiger Businessplan erwartet wird. Es ist ja nicht der Sinn der Sache, dass man diesen Businessplan innerhalb von zwei, drei Tagen und Nachtschichten zusammenschustert, nur um an einem Wettbewerb teilzunehmen.“ Er empfiehlt als Alternative kleinere Wettbewerbe, bei denen die Gründerinnen und Gründer innerhalb eines Tages ihr Vorhaben präsentieren und danach unmittelbar prämiert werden – oder auch nicht. Bei diesen Wettbewerben fallen natürlich Service und Mehrwert nicht so hoch aus wie bei den „großen“ Wettbewerben.

Darüber hinaus gibt es auch reine Ideenwettbewerbe, ergänzt Frauke Eustermann: „Da reicht eine Ideenskizze aus. Man benötigt kein ausformuliertes Konzept, bekommt aber Zugang zu einem Expertennetzwerk, das einem bei der Ausarbeitung des Businessplans unterstützt.“ Bestes Beispiel: der branchenspezifische und bundesweite Gründerwettbewerb – IKT Innovativ.

Bei dem umfangreichen Angebot an Gründer-, Businessplan- und Ideenwettbewerben ist also im Prinzip für jeden etwas dabei. Und wer genau hinschaut und an dem für ihn geeigneten Wettbewerb teilnimmt, profitiert zweifellos davon. Wer erfolgreich ist und zu den Preisträgern gehört, fängt sogar nicht selten Feuer und bewirbt sich direkt beim nächsten Wettbewerb. Vorsicht ist allerdings angebracht, wenn daraus ein „Wettbewerbs-Hopping“ wird.

Von Wettbewerb zu Wettbewerb?

„Es spricht zunächst einmal nichts dagegen, mehrere Wettbewerbe zu durchlaufen, insbesondere dann, wenn man damit jeweils eine unterschiedliche Zielsetzung verbindet: bei dem einen Wettbewerb konzentriert man sich auf die Ausarbeitung des Businessplans, beim nächsten auf das branchenspezifische Know-how durch ein Expertennetzwerk, bei einem dritten steht die Entwicklung der Unternehmerpersönlichkeit im Vordergrund“, so Mathias Härchen. Man sollte nur wissen, wann es genug ist. Die wichtigste Aufgabe für einen Gründer bzw. jungen Unternehmer ist, das Unternehmen an den Start und zum Laufen zu bringen. Der Erfolg bemisst sich nicht an der Zahl der gewonnenen Wettbewerbe, sondern am Konzept und vor allem an der Höhe des Umsatzes. „Das darf man nie aus den Augen verlieren“, ergänzt Dr. Segal: „Insofern kann es schon passieren, dass wir unseren Kunden sagen: ‚ Jetzt konzentriert euch mal auf euer Geschäft, wenn ihr erfolgreich sein wollt. Die Energie, die ihr für die Vorbereitung eurer Unterlagen für einen Businessplanwettbewerb oder Gründerpreis aufbringt, die fehlt euch beim Aufbau eures Unternehmens.‘“

Unterm Strich aber, darin sind sich alle Berater einig, ist die Teilnahme an Wettbewerben für Gründerinnen und Gründer sinnvoll – wenn auch nicht zwingend. Schließlich gibt es jede Menge Gründerinnen und Gründer, aus denen auch ohne Urkunde an der Wand erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer geworden sind.

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