Experten-Netzwerk mit Hilfe von Wettbewerben aufbauen

Portraitfoto Jan Hirzel, Dr. Nils Petersen, Philipp Hasper, Alexander Lemken

v.l.n.r.: Jan Hirzel, Dr. Nils Petersen, Philipp Hasper, Alexander Lemken
(Bildrechte: ioxp GmbH)

„Wenn man für ein sehr innovatives Produkt Rückenwind sucht, muss man sein eigenes Experten-Netzwerk aufbauen. Dafür sind Wettbewerbe wie der Gründerwettbewerb - IKT Innovativ sehr gut geeignet“, sagt Alexander Lemken vom Gründungsteam der ioxp GmbH im folgenden Interview. Das Spin-Off des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern ist Hauptpreisträger der zweiten Runde beim Gründerwettbewerb - IKT Innovativ 2014.

Herr Lemken, mit welcher Idee haben Sie sich beim Gründerwettbewerb - IKT Innovativ beworben?

Lemken: Mit einem digitalen, interaktiven Handbuch, einem Werker-Assistenz-System. Über ein Tablet oder eine Datenbrille unterstützen wir damit Monteure oder Techniker. Wir liefern ihnen eine Anleitung zu der Aufgabe, die sie gerade zu bewältigen haben. Und diese Anleitung blenden wir direkt in ihr Sichtfeld ein. Unsere Innovation besteht darin, dass wir die Erstellung solcher Reality-Handbücher sehr vereinfacht haben und nun auch neue Zielgruppen wie Industrie und Handwerk erreichen können.

Wie funktioniert dieses interaktive Handbuch genau?

Lemken: Wir analysieren minutiös anhand eines Expertenvideos, welche Werkteile eine Rolle spielen und welche Arbeitsschritte und Handgriffe anfallen. Jeder Kunde bekommt dazu von uns im ersten Schritt die Hard- und Software, um zunächst selbst ein Video aufzunehmen. Dabei setzt sich zum Beispiel ein Monteur das Aufnahmegerät auf den Kopf und zeichnet damit seine Arbeit an einer bestimmten Maschine auf. Wir laden das Video anschließend in unserem Rechner hoch und können mit Hilfe unserer Software die Tätigkeit des Monteurs automatisch in einzelne Arbeitsschritte zerlegen. Unser Endprodukt enthält dann sowohl einzelne Fragmente aus dem Video, die zur Verdeutlichung des Inhaltes dienen sowie zusätzliche visualisierte Dateninformationen. Wir haben zum Beispiel ein Feedback-System, bei dem wir eine Handerkennung über das Video laufen lassen, so dass das System jederzeit weiß, wo der Experte seine Hände zu welchem Zeitpunkt in welchem Schritt hat. Auf diese Weise können wir dem Anwender anzeigen, ob sich seine Hände in der richtigen Position bewegen.

Sie haben bereits viele positive Signale aus der Industrie erhalten. Warum war die Teilnahme am Gründerwettbewerb - IKT Innovativ dennoch wichtig für Sie?

Lemken: Für uns war in der frühen Phase vor allem wichtig, dass sich möglichst viele verschiedene Fachleute anschauen, was wir machen und uns ein Feedback geben. Dass Leute mit Expertise und Industrieerfahrung uns sagen, ob das Ganze einen Sinn ergibt. Sowohl von der Innovations- als auch von der Wirtschaftsseite her.

Und haben sich diese Erwartungen erfüllt?

Lemken: Ja. Was ich sehr hilfreich fand, war die detaillierte Analyse von Stärken/Schwächen und Chancen/Risiken, die wir zum Abschluss bekommen haben. Wir erstellen so etwas natürlich auch selbst für unseren Businessplan. Aber es ist einfach von großem Wert, wenn man eine solche SWOT-Analyse noch einmal durch ein außenstehendes Expertenteam erhält.

Hinzu kamen die vielen Kontakte zu Fachleuten und Multiplikatoren. Wenn man wie wir für ein sehr innovatives Produkt Rückenwind sucht, ist man auf solche Kontakte angewiesen und muss sein eigenes Netzwerk aufbauen. Dafür sind Wettbewerbe wie der Gründerwettbewerb - IKT Innovativ sehr gut geeignet.

Um sich beim Gründerwettbewerb zu bewerben, muss man nur eine Ideenskizze einreichen. Hört sich einfach an, oder?

Lemken: Natürlich haben wir uns angesehen, welche Kernkriterien verlangt werden. Und dann war uns klar, dass auch jemand, der nicht aus unserer Informatiker-Welt kommt, verstehen muss, was wir machen. Von daher sind wir sehr erklärend, sehr bildhaft vorgegangen. Außerdem haben wir natürlich auch gezeigt, wo wir das unternehmerische Potenzial unserer Idee sehen. Insgesamt waren es 15 ziemlich eng beschriebene Seiten, die wir dann eingereicht haben.

Aber es hat sich gelohnt. Wissen Sie, womit Sie die Jury überzeugt haben?

Lemken: Das können wir aus der erwähnte Stärken/Schwächen- und Chancen/Risiken-Analyse schon recht gut ablesen: die Innovationshöhe, die Marktnähe und unser Alleinstellungsmerkmal. Dadurch, dass wir aus einem langjährig existierenden Forschungszweig kommen, haben wir außerdem ein Netzwerk von Industriepartnern, denen wir zeigen konnten, dass unsere Idee tatsächlich funktioniert. Das war ein ganz wichtiger Punkt: Die Jury hat daran erkannt, dass unsere Idee funktioniert und dass es für unser Produkt eine Nachfrage gibt.

Was fangen Sie mit den Preisen an?

Lemken: Als Hauptpreisträger haben wir einen Geldpreis von 30.000 Euro sowie ein umfangreiches Coaching und Qualifizierungsprogramm gewonnen. Das Preisgeld werden wir vor allem in neue Mitarbeiter investieren. Und was die Qualifizierung betrifft, haben wir bereits Einladungen zu einigen kleineren Workshops erhalten. Wir werden zwar nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen können, aber in Zukunft wird uns sicher öfter der Weg zu dem einen oder anderen Workshop nach Berlin führen.

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