Existenzgründung

BMWi-Expertenforum

Als Existenzgründerin und Existenzgründer haben Sie täglich mit neuen Fragen zu tun.

Hilfestellung und Orientierung bietet hier das BMWi-Expertenforum. Die Expertinnen und Experten beantworten Ihre Frage und weisen Ihnen den weiteren Gründungsweg. In unserem eMagazin stellen wir Ihnen jeweils einen der über 40 Experten vor.

Christine Donner

Christine Donner ist Diplom-Betriebswirtin und geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes für Ergotherapeuten in Deutschland BED e.V.

Im BMWi-Expertenforum beantwortet sie Fragen zu folgenden Themen rund um Gründungen in der Gesundheitsbranche:

  • Gründungsidee und Konzept im Gesundheitsbereich
  • Standortanalysen
  • Businesspläne, Investitions-, Rentabilitäts- sowie Liquiditätspläne

Wir stellen Ihnen hier einige Fragen vor, die von Christine Donner beantwortet wurden. In der Rubrik „Gründungsplanung“ können Sie ihr Ihre Frage stellen.

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(Bildrechte: fotoagentur roth)

 

FrageIch werde mich nächstes Jahr als Physiotherapeut selbständig machen. Die Räumlichkeiten sind derzeit noch im Bau, der voraussichtlich im Oktober abgeschlossen wird. Ich wollte mich nun bezüglich nach allen weiteren Vorkehrungen (Anmeldungen bei Verbänden, Berufsgenossenschaft etc. sowie Abnahme der Räumlichkeiten) bei Ihnen erkundigen, um eine reibungslosen Existenzgründung sicherstellen zu können.


Antwort

Bei einer Existenzgründung im Heilmittelbereich sind die Zulassungsempfehlungen der Kassenverbände zu beachten. Grundsätzlich sind Anmeldungen notwendig beim Finanzamt, Berufsgenossenschaft, Gesundheitsamt, Deutsche Rentenversicherung Bund wegen der Versicherungspflicht - von welcher Sie sich aber befreien lassen können, sofern Sie selbst einen sozialversicherungspflichtigen Angestellten beschäftigen.

Sie benötigen eine Berufshaftpflichtversicherung, ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Gesundheitszeugnis, eine IK-Nummer und den Nachweis, dass Sie die Räume nutzen dürfen, also einen Mietvertrag oder Eigentumsnachweis. Je nach Bundesland fordern die Zulassungsstellen der Krankenkassenverbände eine Abnahme Ihrer Praxis durch einen Berufsverband oder erteilen eine Zulassung rein aufgrund Ihrer Selbstauskunft. Sicherlich ist die Mitgliedschaft in einem Berufsverband für entsprechende Informationen sinnvoll, aber nicht vorgeschrieben.

Um die Existenz auf sichere Beine zu stellen, ist es in jedem Fall empfehlenswert, sich mit der betriebswirtschaftlichen Seite intensiv auseinander zu setzen und einen fundierten Businessplan inkl. der dazugehörigen Kalkulationen zu erstellen. Hierfür kann ein Gründungscoaching in Anspruch genommen werden, welches förderfähig ist, da erwiesenermaßen gut geplante Gründungen wesentlich bessere Erfolgschancen haben.

Quelle: Christine Donner
Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Ergotherapeuten in Deutschland BED e.V.

Februar 2015

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FrageMeine Partnerin und ich möchten eine Physiotherapiepraxis eröffnen, in der interdisziplinäres Therapieren großgeschrieben ist. Das heißt, wir möchten auch Ergotherapie, Logopädie, Osteopathie und Heilpraktik anbieten. Jetzt stehen wir vor dem Problem der rechtlichen Möglichkeiten / Zulassungsbedingungen (GKV):
Müssen wir die Kollegen der o.g. Berufe fest anstellen oder können sie auch freiberuflich für uns tätig sein bzw. die nötigen Räumlichkeiten von uns untervermietet bekommen? Kassenzulassung, räumliche Bedingungen (gemeinsame Nutzung von Empfang / Wartebereich + WC), zeitgleiche Nutzung der Räumlichkeiten. Können wir das irgendwo nachlesen?


Antwort

Eine interdisziplinäre Heilmittelpraxis mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie ist grundsätzlich möglich. Bezogen auf eine Kassenzulassung sind allerdings die Zulassungsempfehlungen zu beachten, welche ich Ihnen im Anhang mit sende. Für die anderen Heilmittel wäre für die Zulassung neben den räumlichen und Ausstattungs-Bedingungen, jeweils eine angestellte Fachliche Leitung in Vollzeit notwendig, wenn Sie selbst die Zulassung erhalten wollen. Alternativ können Sie über eine Untervermietung der entsprechenden Räume mit anderen Heilmittelerbringern eine Praxisgemeinschaft oder Gemeinschaftspraxis gründen.

Empfang, Büro, Warte- und Sanitärbereich können gemeinsam genutzt werden. Die therapeutischen Behandlungsräume müssen jeweils einem Heilmittel zugewiesen werden und können auch nicht abwechselnd genutzt werden.

Die Zulassungsvoraussetzungen schreiben zudem vor, dass die Praxis in sich abgeschlossen und von anderen gewerblichen oder privaten Bereichen getrennt sein muss. Dies bedeutet, dass die Bereiche Ostheopatie und Heilpraktik entweder baulich oder zeitlich getrennt angeboten werden müssten. Alternativ wäre eine Genehmigung bei den Zulassungsstellen der Krankenkassen vorab zu erfragen. Eine Sondergenehmigung ist grundsätzlich möglich, liegt aber im Ermessen der betreffenden Sachbearbeiter.

Quelle: Christine Donner
Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Ergotherapeuten in Deutschland BED e.V.

Januar 2015

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FrageIch habe vor mehreren Jahren meine Ausbildung als staatlich anerkannte Ergotherapeutin absolviert, allerdings dann aufgrund meiner Kinder bis heute nie in diesem Beruf gearbeitet. Nun überlege ich eine Fortbildung im Bereich Neurofeedback zu machen, damit ich anschließend als Neurofeedback-Therapeutin arbeiten kann. Ich hätte nach erfolgreichem Abschluss die Möglichkeit für eine sozialen Einrichtung (die die Räume und evtl. die benötigten Geräte zur Verfügung stellt) zu arbeiten. Allerdings bräuchte ich dazu eine Kassenzulassung und ich weiß nicht, ob und wie ich diese bekommen kann. Zudem kenne ich mich bezüglich der Rechtslage nicht aus und weiß nicht, ob es Vorschriften oder Schwierigkeiten für mich bei der Umsetzung meiner Pläne gibt, da ich ja wie gesagt ohne Berufserfahrung bin. Können Sie mir weiterhelfen?


Antwort

Ihre nicht vorhandene Berufserfahrung ist kein Hinderungsgrund für Ihr Vorhaben.

Bei einer eigenen Zulassung müssen die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sein, welche unter anderem eigene Praxisräume, eine in sich geschlossene Praxis, mindestens 30qm Therapiefläche, entsprechende Grundausstattung sowie Ihre Selbstständigkeit erfordern würde.

Alternativ könnte die Einrichtung die Zulassung beantragen und Sie als fachliche Leitung in Vollzeit einstellen. Die Zulassungsempfehlungen finden Sie z.B. bei den Ersatzkassen: www.vdek.com

Quelle: Christine Donner
Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Ergotherapeuten in Deutschland BED e.V.

Dezember 2014

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