Gründungsschmiede für Hidden Champions

Portraitfoto Wolfram Groß

Wolfram Groß, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH

Gründungsschmiede für zukünftige Hidden Champions im deutschen Mittelstand: So könnte man den bundesweiten Gründerwettbewerb - IKT Innovativ des Bundeswirtschaftsministeriums bezeichnen. Wolfram Groß von der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH berichtet im Interview darüber, was den Wettbewerb für Start-ups in den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) so erfolgreich macht.

Herr Groß, die VDI/VDE-IT organisiert den Gründerwettbewerb - IKT Innovativ für das BMWi. Warum gibt es einen eigenen Wettbewerb speziell für IKT-Gründerinnen und -Gründer?

Groß: Die Informations- und Kommunikationstechnologien sind ja eine der Schlüsselbranchen für Deutschland. Hier geht es für die deutsche Wirtschaft darum, im internationalen Wettbewerb die Nase vorn zu haben bzw. die Führung auszubauen. Aus dem Grunde wurde schon vor vielen Jahren entschieden, speziell für diesen Sektor einen Wettbewerb anzubieten, um innovative Gründungen anzustoßen.

Stehen dabei ganz bestimmte Branchen im Fokus?

Groß: Eigentlich nicht. Wir wollen in möglichst vielen Branchen Impulse setzen. Natürlich gibt es auch immer wieder Schwerpunkte. Das sind derzeit die Energiebranche oder das Thema Industrie 4.0. Unter dem Strich ist und bleibt der Wettbewerb aber offen. Das heißt, wir freuen uns über jeden Beitrag, ganz gleich ob er aus der Kultur- und Kreativwirtschaft kommt, oder aus der Medizin und dem Gesundheitswesen.

Wie wird der Wettbewerb angenommen? Es gibt ihn ja schon eine ganze Weile.

Groß: Stimmt. Im Herbst fast 18 Jahre. Dabei hat das Interesse in den letzten Jahren noch mal erheblich zugenommen. Zurzeit liegen wir bei etwa 500 Bewerbungen im Jahr. Das hört sich – in Relation zum Gründungsgeschehen in Deutschland – nach nicht viel an. Aus unseren Wirkungsanalysen wissen wir aber, dass die Hälfte aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer tatsächlich gründet. Wenn man also in Rechnung stellt, dass aus den 500 eine große Zahl von Erfolg versprechenden und nachhaltigen Unternehmen entsteht, die sich auch auf dem internationalen Markt behaupten können, ist das eine sehr schöne Zahl.

Um sich beim Gründerwettbewerb - IKT Innovativ zu bewerben, muss man eine Ideenskizze einreichen. Was muss da drin stehen?

Groß: Das ist ein Mix aus Gründungsidee plus Umsetzung. Wie sieht die Idee aus? Wie kann sie sich auf dem Markt bewähren? Welche Kunden gibt es dafür? In welcher Wettbewerbssituation wird dieses Produkt entwickelt bzw. am Markt platziert? Außerdem geht es auch darum, das Team vorzustellen. Was wir weniger erwarten, ist eine ausgefeilte wirtschaftliche Planung. Obwohl die Bewerber schon eine Vorstellung davon haben sollten, ob ihre Idee wirtschaftlich auch tragfähig ist.

Gibt es typische Fehler, Versäumnisse oder Defizite bei den Bewerbungen?

Groß: Ja, natürlich. Zunächst einmal die Teamzusammensetzung. Es sind nicht immer alle erforderlichen Kompetenzen abgedeckt. Da können wir aus unserem Netzwerk heraus helfen, zusätzliche Partner zu finden. Oder dass der Markt nicht sorgfältig überprüft ist oder Kundenbedürfnisse nicht hinterfragt worden sind. Da helfen wir mit unseren Feedbacks, damit solche Ideen nicht in der Sackgasse „Technologie sucht Anwendung“ enden.

Der Wettbewerb lobt nicht nur ein hohes Preisgeld aus, sondern bietet auch ein intensives Coaching an. Warum ist das so?

Groß: Wir haben über die Jahre die Erfahrung gemacht, dass die jungen Unternehmen vor allem Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Geschäftsidee benötigen. Einen Sparringspartner sozusagen, mit dem sie Probleme besprechen können. Den finden sie bei uns. Und an der Tatsache, dass 50 Prozent aller Teilnehmer mit der Gründung ernst machen, können Sie ablesen, wie wichtig dieses Feedback für sie ist, auch für diejenigen, die keinen Preis bekommen. Damit ist übrigens mit der Preisverleihung nicht Schluss: Auch danach gibt es Beratung am Telefon, per E-Mail oder auch persönlich bei uns im Hause.

Kennen Sie ein paar Beispiele von Ehemaligen, die es geschafft haben?

Groß: Aber ja. Beispielsweise die Firma Timing Architects in Regensburg. Die ist in der Automobilzuliefererindustrie sehr erfolgreich, weil das Unternehmen mit seinen Tools verifizieren kann, dass viele Funktionen im Fahrzeug gleichzeitig und mit unterschiedlicher Priorität – das sind natürlich Sicherheitsfragen – durch die verfügbaren Prozessoren bearbeitet werden können. Hier verfügt das Unternehmen über ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Oder nehmen Sie das Unternehmen Signavio in Berlin, das Business Process Management anbietet und damit auch im Bereich der mittleren und großen Unternehmen sehr erfolgreich ist. Als drittes könnte man noch Innosabi nennen. Die haben eine Technologie entwickelt, mit deren Hilfe sich Unternehmen speziell im Bereich Consumer-Produkte - ob Joghurts, Grillsoßen oder Shampoos - auf schnell wechselnde Kundenwünsche und -märkte einstellen können. Das heißt, Unternehmen können sich über den direkten Austausch mit den Kunden über Themen wie Produktgestaltung, Geschmack, Konsistenz, Verpackung, Darreichungsform bis hin zum durchsetzbaren Preis verständigen. Alle diese Unternehmen sind übrigens jetzt seit drei, vier Jahren am Markt und haben schon jetzt an die 20 bis 30 Mitarbeiter.

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