Vom Wettbewerb zur Gründungsinitiative: der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg

Interview mit den Mitgliedern des BPW-Projektmanagements Sven Weickert, Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Christina Arend, Investitionsbank des Landes Brandenburg ILB und Dirk Maass, Investitionsbank Berlin (IBB).

„Der BPW ist weit mehr als nur ein Wettbewerb, bei dem Ideen eingereicht und Preisgelder vergeben werden.“

Christina Arend, Investitionsbank des Landes Brandenburg ILB

Mitte der Neunziger Jahre startete er mit 22 Teilnehmern in die erste Runde - heute gilt er als Deutschlands größte regionale Gründungsinitiative: Der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) begleitet Gründerinnen, Gründer und Start-ups mit vielfältigen kostenlosen Angeboten auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. In diesem Jahr feiert er sein 20-jähriges Bestehen.

Herr Weickert, Sie sind von Anfang beim BPW dabei. Gibt es für Sie dieses Jahr einen Grund zum Feiern?

Weickert: Und ob, schließlich ist der BPW noch genauso dynamisch und innovativ wie zu Beginn. Damals, vor 20 Jahren, ist er als erster seiner Art in Deutschland gestartet. Inzwischen gibt es in allen Bundesländern ähnliche Wettbewerbe. Für die Hauptstadtregion ist der BPW ein wahrer Jobmotor. Und entgegen dem bundesweiten Trend ist von einem sinkenden Gründungsinteresse nichts zu spüren: Unsere Teilnehmerzahlen sind nach wie vor hoch.

Quelle: Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW), 2015

Frau Arend, was ist das Besondere am BPW? Wodurch unterscheidet er sich von anderen Businessplanwettbewerben?

Arend: Der BPW ist weit mehr als nur ein Wettbewerb, bei dem Ideen eingereicht und Preisgelder vergeben werden. Im Grunde ist er ein neunmonatiges intensives Unterstützungsprogramm für Gründerinnen und Gründer: In Workshops, durch gezieltes Coaching und das Knüpfen von Kontakten erhalten sie das Rüstzeug, um aus ihrer Idee Schritt für Schritt ein tragfähiges Konzept zu erstellen. Ganz wichtig ist der einfache Zugang: Obwohl der Wettbewerb drei Phasen umfasst, ist der Einstieg zu jeder Zeit möglich. Die Teilnehmer entscheiden zudem völlig frei, welche Seminare, Beratungsleistungen oder Netzwerk-Angebote sie nutzen und ob und in welcher Phase sie ihr Geschäftskonzept zum Wettbewerb einreichen. Am Ende gewinnt auch, wer nicht auf dem Siegertreppchen steht: Jeder Teilnehmer erhält qualifiziertes Feedback von jeweils zwei Juroren.

Herr Maass, der Wettbewerb ist branchenübergreifend ausgelegt und ist für jede Geschäftsidee offen. Wie hat sich dieses Konzept über die Jahre entwickelt?

Maass: Die Idee zu Businessplan-Wettbewerben kommt ja ursprünglich aus den USA. Ziel war es, die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Unternehmen und Kapitalgebern zu verbessern. Auch beim BPW lag zu Beginn ein starker Fokus auf den Universitäten. Das spiegelt sich heute in der hohen Zahl an technologieorientierten Start-ups wider, die bei uns mitmachen. Gleichwohl bildet der BPW mittlerweile die gesamte Wirtschaftsstruktur der Region ab: Wir haben sehr viele Gründerinnen und Gründer aus der Dienstleistungsbranche, wir machen Angebote an das Handwerk und wir adressieren sowohl Arbeitssuchende als auch Angestellte, die sich selbständig machen wollen.

20 Jahre sind eine lange Zeit. Welche Veränderungen gab es währenddessen beim BPW?

Maass: Die wohl wegweisendste Neuerung ist noch taufrisch: 2014 haben wir als erster Wettbewerb in Deutschland neben dem klassischen Wettbewerb um den besten Businessplan auch die Kategorie „Business Model Canvas“ eingeführt. Bei dieser Methode werden die neun wichtigsten Bestandteile des Geschäftsmodells auf einem Chart abgebildet. Vor allem Start-ups und Gründungen aus den Hochschulen arbeiten mit diesem Tool.

Ein weiterer Meilenstein war vor einigen Jahren die Einführung des Themas „Nachhaltigkeit“ im ökologischen, ökonomischen und sozialen Sinn in unserem Handbuch zum Businessplan. Alle Teilnehmer müssen sich seitdem mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen.

Weickert: Letztlich ist der BPW heute so erfolgreich, weil er sein Konzept permanent weiterentwickelt und an aktuelle Gründungstrends angepasst hat. Deshalb beobachten wir auch so genau, was sich hierzulande und international in der Gründerszene tut.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft des BPW: Welche Themen werden in den kommenden Jahren eine Rolle spielen?

Arend: Stärker ins Zentrum rücken wird auf jeden Fall das Thema „Internationalisierung“. Dabei geht es sowohl um international ausgerichtete Geschäftsmodelle als auch um Internationalität in der Gründerszene: also um die hohe Zahl hier ansässiger Gründerinnen und Gründer mit internationalem Background. Über sie werden automatisch zahlreiche neue Netzwerke in Auslandsmärkte geknüpft. Denn: Die Engländer, Italiener oder Spanier, die in der Hauptstadtregion gründen, haben in der Regel auch Verbindungen in ihr Heimatland. Hier eröffnen sich vielfältige Chancen und wir haben bereits letztes Jahr damit begonnen, erste Seminare auf Englisch anzubieten.

Weickert: Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, Brücken zu bauen: zwischen der Start-up-Szene und der klassischen Industrie. Wir wollen mehr Kontaktmöglichkeiten schaffen, über die sich Start-ups in die etablierte Wirtschaft einbringen können. Zudem soll es in Zukunft möglich werden, innerhalb des BPW Geschäftsmodelle zu entwickeln, die die Einbeziehung der Industrie bereits mitdenken. Die Vereinigung dieser beiden Welten – das wird der nächste Meilenstein des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg sein.

Bildrechte: METABOLOMIC DISCOVERIES GmbH

Weitere Informationen


Bildrechte Hintergrund: Leo Seidel Fotodesign

Ende