Comics als Dienstleistung - Interview mit Ellen Backes, dankegrafik & 123comics GbR

Ellen Backes, Jonas Möhring, Imke Schmidt-Sári, Julia Both, Henriette Baur
v.l.n.r.: Ellen Backes, Jonas Möhring (oben); Imke Schmidt-Sári, Julia Both, Henriette Baur (unten)
© Roger Rosell

„Ideen entwickeln und sehen, wozu die passen könnten."

Ellen Backes, Jonas Möhring und Imke Schmidt-Sári haben vor fast zehn Jahren die dankegrafik & 123comics GbR in Berlin gegründet. Sie gehörten damit zu den ersten, die sich in der Kreativszene als „Unternehmen“ präsentiert haben.

Frau Backes, Sie bieten gemeinsam mit Ihren Kollegen nicht nur klassisches Grafikdesign für Print und Web an, sondern auch Comics. Was sind das für Comics?

Backes: Da wir Comics als Dienstleistung anbieten, können das alle möglichen Formate sein: Zum Beispiel Lehrmaterialien zum Thema Antisemitismus oder Info-Grafiken, die die Strukturen einer internationalen Organisation erklären. Wir produzieren aber auch Erklärfilme, beispielsweise für die politische Kommunikation, oder wir zeichnen auf Konferenzen Diskussionen live mit.

Wie kommt man dazu, Comics als Dienstleistung anzubieten?

Backes: Genau genommen hatten wir schon während unseres Studiums an der Universität Hildesheim damit angefangen. Jonas Möhring, Imke Schmidt-Sári und ich waren damals neben unserem Studium der Kulturwissenschaften und Ästhetischen Praxis auch als freie Kulturgruppe unterwegs, die zu allen möglichen Anlässen Comics gezeichnet hat. Nach dem Studium sind wir dann alle drei nach Berlin gezogen, um unser Comic-Talent unternehmerisch umzusetzen.

Wie war der Start in der neuen Umgebung?

Backes: Das war nicht einfach. Wir mussten in Berlin erst einmal ein neues Netzwerk aufbauen. In Hildesheim waren wir ja eher auf Niedersachsen ausgerichtet. Also mussten wir in Berlin erst einmal Leute aus der Szene sowie potenzielle Auftraggeber, Förderer und Institutionen kennenlernen, was natürlich Zeit brauchte. Wir haben zum Beispiel relativ früh Kontakt mit dem Kreativnetzwerk Neukölln aufgenommen und dessen Stammtische besucht, um andere freischaffende Künstler kennenzulernen. Mit einigen haben wir dann später auch projektbezogen zusammengearbeitet.

Wie haben Sie Ihr Angebot bekannt gemacht?

Backes: Wir haben zum Beispiel publikumswirksame Shows und Projekte auf verschiedenen Veranstaltungen durchgeführt und mit den Besuchern darüber gesprochen, was man mit Comics so alles machen kann. Wir haben Kreativwerkstätten angeboten, Comic-Ausstellungen organisiert und uns an große Events angedockt und gezeigt, was wir können. Alles gegen Aufwandsentschädigung und zum Teil auch ohne Bezahlung! Aber im Gespräch mit den Besuchern haben sich dann tatsächlich Aufträge ergeben. Insofern hat sich der Aufwand gelohnt. Von daher: Auch wenn unsere Auftragslage inzwischen sehr gut ist, entwickeln wir nach wie vor immer wieder neue kreative Formate, die wir zu verschiedenen Anlässen präsentieren. Und dann kommt irgendwann der Markt und nimmt diese Formate an.

Mit welchen Herausforderungen hatten Sie sonst noch in der Startphase zu kämpfen?

Backes: Wie bei fast allen jungen Unternehmen spielte das Thema Organisation eine ziemlich große Rolle. Was machen wir selbst? Was macht wer anders? Was können wir auslagern? Wir arbeiten zum Beispiel mit Zeichnern und Zeichnerinnen zusammen, die Graphic Recording anbieten oder die uns bei Trickfilmen unterstützen. Das heißt, wir nutzen wirklich das Netzwerk. Das ist ganz wichtig, immer am Kern dran zu bleiben, aber die Arbeit gut und sinnvoll zu verteilen. Ein großes Thema war auch die Preisgestaltung. Da war und ist der Austausch mit anderen Freiberuflern wichtig. Außerdem hat uns das Coaching, das wir als Kultur- und Kreativpiloten erhalten haben, noch mal sehr weit nach vorne gebracht. Mittlerweile haben wir zwei neue Mitarbeiterinnen, Henriette Baur und Julia Both, im Team, die uns im Bereich Grafikdesign/Illustration und Projektmanagement unterstützen.

Sie sind immer wieder mit neuen Ideen unter die Leute gegangen ...

Backes: ... und haben dadurch eine eigenes starkes Profil entwickelt. Das kann ich wirklich jedem nur empfehlen: Nicht nach dem Markt zu schielen, sondern die eigenen Interessen und Ideen weiterzuentwickeln und dann zu sehen, zu wem oder wozu das passen könnte.

Die Langfassung dieses Interviews finden Sie in der aktualisierten BMWi-Publikation „Alles, nur kein Unternehmer? Tipps für Gründerinnen, Gründer und Selbständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft“.

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